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leserbriefe@brandeins.de

brand eins 01/2012 Was dagegen?
Herbert Nau, München


Der Artikel zeichnet bis Punkt 5 schwarz-weiß und bietet erst im 6. Kapitel das an, was sicher auch brand eins-Leser auszeichnet: eine differenzierte und intellektuell anspruchsvolle Meinung/ Einstellung. Wenn ich zu Atomenergie Nein sage, bin ich wahrscheinlich für erneuerbare Energien. Wenn ich Nein sage zu S21, kann das auch sein, dass ich für den alten Bahnhof bin, weil er kostengünstiger zu modernisieren ist und trotzdem höchste Pünktlichkeitswerte hat. Protestkultur ist nicht Dagegenkultur, und Obrigkeitskultur ist heute nicht mehr die Bereitschaft, Menschen Schmerzen beizufügen - zumindest nicht in unserem Kulturkreis.

brand eins 01/2012 Was dagegen?
Stefan Otto, Konstanz

Wolf Lotter schreibt: "Das Gewaltpotenzial ist jedenfalls schon heute erheblich." Die Realität, wie ich sie erlebt habe, sieht so aus: Bei den Großdemonstrationen in Stuttgart stand mehrfach ein Pkw mitten im Demonstrationszug störend im Weg. Es handelte sich um ein unbesetztes Polizeifahrzeug, das an einer Engstelle, indem es halb quer auf der Fahrbahn geparkt war, den Demonstrationszug merklich behinderte. Was wäre in Hamburg oder in Berlin passiert? Das Fahrzeug wäre ziemlich schnell gründlich demoliert gewesen. Was ist in Stuttgart passiert? Zwischen 100 000 und 200 000 Demonstranten (die Zahl addiert sich aus mehreren Großdemonstrationen) zogen an dem leeren Polizeiauto vorbei. Der einzige "Schaden", den das Fahrzeug erlitt, war ein Aufkleber auf der Motorhaube und einer auf der Rückscheibe. Wie das möglich war, stand auf Plakaten zu lesen, die manche Demonstranten mit sich führten: "Wir bleiben friedlich - ätsch!"

brand eins 01/2012 Geldausgeben als Selbstzweck
Jan Schäfer, Hamburg

Vor vier Jahren war ich selbst in der Entwicklungshilfe in Guinea in Westafrika tätig. Ich kann die Einstellung von Paul Bethke nur teilen und seine Erfahrungen nur bestätigen. Eigentlich ist dieses Interview noch zu sanft. Durch Unruhen wurde ich gezwungen, meine Arbeit dort abzubrechen und wieder nach Europa zurückzukehren. Hier versuchte ich bei zwei Organisationen, die mir dort aufgefallen waren, Missstände anzusprechen. Mir wurde sehr deutlich gemacht, dass ich mich geirrt und versehen haben muss! Man stört eben nicht den Ablauf der etablierten "Entwicklungshilfe". Es ist ein sehr großes (schmutziges) Geschäft. Was aber mehr schmerzt, ist, dass man im Entwicklungshilfegebiet seiner Illusionen und Ideale beraubt wird.

brand eins 01/2012 Jein
Markus Sekulla, per E-Mail

Youtube ist schon viel länger in China gesperrt als der im Artikel angegebene März 2011. Ich habe 2009 und 2010 in Peking gearbeitet. Während dieser Zeit war Youtube nicht abrufbar. Ab Juli 2009 kamen auch Twitter und Facebook hinzu. Seither sind alle drei Social-Media-Kanäle permanent gesperrt.

brand eins 01/2012 Guerilla
Thilo Bode, Berlin

Kleine Korrektur eines sorgfältig recherchierten Porträts: Es geht um die Ackermann-Geburtstagseinladung. Ich habe mit meiner Co-Klägerin das Verfahren gegen die Bundesregierung in der ersten Instanz in zwei Punkten gewonnen: Das Gericht verurteilte die Regierung, die Gästeliste zu veröffentlichen und uns den Wortlaut des Entwurfs der Rede von Frau Merkel zur Verfügung zu stellen. Die Regierung hat jedoch Berufung beim OVG eingelegt, und da das Urteil aufschiebende Wirkung hat, haben wir diese Dokumente noch nicht erhalten. Nicht obsiegt haben wir dagegen mit dem Antrag, den Terminkalender von Frau Merkel zu veröffentlichen. Gegen diese Entscheidung haben wir wiederum Berufung eingelegt.

brand eins 01/2012 Jäger und Sammler
Bernd Lehmann, per E-Mail

Sie schreiben, die Debatte über zusätzliche Datenschutzbestimmungen habe große Smart-Grid-Anbieter bewogen, ihre Pilotprojekte besser nicht in Deutschland zu beginnen - in den USA werden laufend Probebetriebe wegen ungeklärter Datenschutzfragen nicht begonnen. Abgesehen davon, ist der Nutzen von Smart Grids umstritten. So viele Stromverbraucher gibt es gar nicht im Haushalt, die sich passend zum Angebot verwenden lassen. Ob bei dem meistzitierten Beispiel Waschmaschine jeder bereit ist, wegen fünf Cent Ersparnis diese nachts laufen zu lassen, um am Morgen mal als Erstes Wäsche aufhängen zu müssen, möchte ich bezweifeln.