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Ein Optiker in Französisch-Guayana

Monatsverdienst, Monatsgrundkosten, Altersvorsorge
Mit seinem Laden macht Bouvier monatlich rund 15 000 Euro Umsatz. Für seine Ware zahlt er 6000 Euro im Monat, die Löhne und Betriebsausgaben liegen zwischen 3000 und 5000 Euro. Versicherungen und Altersvorsorge schlagen mit monatlich rund 830 Euro zu Buche. Das Haus, in dem sein Geschäft und seine Wohnung liegen, gehört ihm gemeinsam mit seiner Ehefrau.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?
"Optiker zu sein ist mein Leben. Es ist eine Berufung für mich. Schon mit 22 habe ich andere Optiker ausgebildet. Aber mein Gewerbe hat sich durch die Billig-Brillengläser aus China stark verändert. Dann sind da noch die Versicherungen: Mittlerweile gehen 80 Prozent meiner Arbeitszeit für Verwaltungskram drauf." Was möchten Sie in Ihrem Leben ändern?
"Nichts. Ich führe ein außergewöhnliches Leben. Bald werde ich 60 sein, und ich erfreue mich bester Gesundheit, brauche nicht mal die übliche Lesebrille, und ich mache viel Judo und anderen Sport." Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?
"Das Joch der Bürokratie! In Frankreich will sie alles kontrollieren. Die Sozialversicherung, das Finanzamt ... man ist nicht mehr Herr im eigenen Haus. Es gibt so viele Zwänge für uns kleine Unternehmer, und keiner interessiert sich für unsere Sorgen." Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen möchten?
"Dann mache ich einfach genau das, worauf ich Lust habe. Zum Beispiel war ich kürzlich auf einer Kreuzfahrt." Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?
"Dass Guayana richtig abhebt, dass dieses Land richtig in Fahrt kommt. Ich selbst werde das vielleicht nicht mehr erleben. Wenn die dämlichen bürokratischen Hemmnisse eines Tages abgeschafft sind, wird es hier wunderbar sein." Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?
"Dann würden mir die Sicherungen durchbrennen. Ich würde weiterarbeiten, denn es ist die Arbeit, die uns die freie Zeit erst wertschätzen lässt. Ein Moment des Glücks entsteht nur durch all das Negative, das wir zuvor erleben. Glück ist nichts Dauerhaftes, es existiert nur in wenigen Momenten." Ist es nicht merkwürdig, dass ein Flecken Land in Südamerika zu Frankreich gehört?
"Das, was an Französisch-Guayana anachronistisch ist, ist der Verwaltungsapparat und nicht der Umstand, dass es ein französisches Département ist. Der Staat scheint einfach unfähig. Das Einzige, wofür er sich interessiert, ist das Raumfahrtzentrum. Dabei haben wir Ressourcen, die außergewöhnlich sind, nur entwickelt sie niemand. Morgen wird dieses Land reich sein, wenn wir es von all den Eseln in der Verwaltung befreit haben, die einen Überseezuschlag von 40 Prozent auf ihre Gehälter einstreichen und hier keine Steuern zahlen. Die Frage ist nur, wann das sein wird: in 5, 10 oder 15 Jahren?"
Französisch-Guayana:
Einwohner: 232 000
Währung: Euro
BIP pro Kopf: 14 028 Euro
Human Development Index: k. A. (Frankreich Platz 20)
(Deutschland: 9 von 187 Ländern)
Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Packung Zigaretten: 5,50 Euro
1 Kilo Kartoffeln: 1,25 Euro
250 Gramm Butter: 2,25 Euro
1 Liter Diesel: 1,52 Euro
2-Liter-Flasche Coca-Cola: 2,50 Euro
1 Kilo Bananen: 2,30 Euro
1 Kilo Tomaten: 6 Euro