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Spucke im Ouzo?

Nachdem in Athen deutsche Fahnen gebrannt hatten, gingen in den Reisebüros die Griechenland-Buchungen zurück. Ein klassischer Fall von Liebesentzug, könnte man meinen.Doch der Eindruck täuscht.




- Auf Dieter Zeller ist Verlass. Mit seiner Frau und der 25-jährigen Tochter fährt er auch in diesem Sommer wieder nach Griechenland in den Urlaub, da musste er nicht lange überlegen. Angst vor antideutscher Stimmung? "Ach was", wehrt der pensionierte Senatsbeamte aus Berlin ab. "Ich habe bei der Besitzerin des Dorfladens angerufen. 'Hier ist alles wie immer', sagte sie. 'Wir freuen uns schon auf Sie.'"

1971, nach dem Studium, zog es den heute 66-Jährigen zum ersten Mal nach Griechenland. Kastro, ein Bauerndorf im Westpeloponnes, ist jetzt schon zum zwölften Mal in dreizehn Jahren das Urlaubsziel der Zellers. Ganz einfach, weil sie es dort so schön finden. Abends sitzen sie bei einem Glas Wein auf der Terrasse ihrer Ferienwohnung hoch über dem silbrig glänzenden Meer und schauen zu, wie die Sonne rot hinter den Bergen der Insel Kefalonia untergeht. Jedes Jahr bringen die Zellers kleine Präsente aus Berlin mit. Ein Fläschchen Parfüm oder ein gehäkeltes Tischdeckchen für die Frau aus dem Dorfladen. Spielzeug für die Enkelkinder der Besitzerin des Restaurants, in dem sie täglich zum Essen einkehren. Urlaub in Griechenland, das ist für die Zellers Urlaub bei Freunden.

Jan Hürter wünscht sich, es gäbe mehr Menschen wie Dieter Zeller. Urlauber, die treu zu Griechenland stehen. Hürter ist Geschäftsführer der Jassu-Reisen GmbH, die seit mehr als 30 Jahren Ferienhäuser und -wohnungen in Griechenland anbietet. Ausschließlich in Griechenland, wohlgemerkt. Seit Anfang Februar registriert er einen dramatischen Einbruch bei den Buchungen für diesen Sommer. Die Zahlen lagen Anfang April rund 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Erstmals in der Firmengeschichte kam es sogar zu Stornierungen. Dass es die großen Pauschalreiseveranstalter mit Buchungsrückgängen von 30 Prozent und mehr noch ärger trifft, ist für Hürter kein Trost. Anders als etwa TUI oder Thomas Cook kann er seine Kunden, die Griechenland in diesem Jahr meiden, nicht in die Türkei oder nach Kroatien umdirigieren. Jassu kann nur Griechenland.

Der Grund für die Misere ist schnell gefunden: Die vermeintlich antideutsche Stimmung sei schuld, heißt es bei den Veranstaltern. Deutsche Urlauber hätten das Gefühl, sie seien in Hellas nicht mehr willkommen. Mehrfach wurden in Athen bei Demonstrationen gegen das von der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank oktroyierte Sparpaket deutsche Fahnen abgefackelt. Griechische Zeitungen zeigten Fotomontagen von Angela Merkel in Nazi-Uniform, deutsche Boulevardblätter zahlten mit gleicher Münze zurück. In einer vom Wochenmagazin "Epikaira" veröffentlichten Umfrage äußerten 41 Prozent der Befragten Ärger, Empörung oder Wut gegenüber Deutschland. 77 Prozent kreuzten an, Deutschland wolle ein "Viertes Reich" errichten. Das alles geschah im Februar. Zeitgleich rauschten die Buchungszahlen in den Keller.

Aber ist es so einfach? Meiden Urlauber ein bis dato beliebtes Reiseland, nur weil ein paar Wirrköpfe Fahnen verbrennen? Oder ist alles viel komplizierter? Wie ist es generell bestellt um die Treue der Urlauber zu ihren Reisezielen? Profitiert ein Urlaubsland auf lange Sicht überhaupt davon, wenn Jahr für Jahr die gleichen Gäste kommen? Und wie steht es um die Loyalität der Veranstalter gegenüber den von ihnen angebotenen Reisezielen? Lassen sie, wenn die Buchungskurve nach unten zeigt, die Urlaubsgebiete mit leer stehenden Hotelburgen am Strand im Stich?

30 Prozent, die von der Fahne gehen? Nein, 70 Prozent, die treu bleiben!

Sind 30 Prozent Buchungsrückgang tatsächlich ein Beleg für mangelnde Loyalität gegenüber dem Urlaubsziel Griechenland? Der Wirtschaftspsychologe Martin Lohmann, wissenschaftlicher Berater der alljährlich herausgegebenen Reiseanalyse, dem detailliertesten Datenwerk zum Urlaubsverhalten der Deutschen, wundert sich angesichts des medialen Aufruhrs um die angebliche Deutschenfeindlichkeit der Griechen eher, dass 70 Prozent nicht von der Fahne gegangen sind. Sie fahren auch in diesem Jahr wieder nach Griechenland - trotz der Aussicht auf schwierige Tavernendiskussionen über Spardiktat und sozialen Absturz. Trotz des Risikos, möglicherweise unflätig beschimpft oder unfreundlich behandelt zu werden. Lohmanns Urlaubsdemoskopen haben bei der Frage nach dem Interesse an einem Griechenland-Urlaub einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gemessen, von 23 Prozent Anfang 2010 auf aktuell knapp 19 Prozent. "Für 80 Prozent kommt ein Griechenland-Urlaub immer noch in Betracht", sagt er. "Man könnte ja auch mal fragen: Was bringt die eigentlich dazu?"

Die zuvor schon halbwegs Loyalen haben sich im Großen und Ganzen verhalten wie immer, vermutet Oliver Dörschuck, touristischer Geschäftsführer bei TUI. "Sie sind vergleichsweise treu geblieben. Allerdings ist es uns in diesem Jahr anfangs kaum gelungen, Neukunden für Griechenland zu gewinnen."

Der Grad der Loyalität hängt auch von den verfügbaren Alternativen ab. Es muss passen, und zwar nicht nur beim Wetter und der Entfernung zum Strand. Für die meisten Griechenland-Urlauber ist etwa die Türkei - die gern als Vorbild für zielstrebige touristische Entwicklung herangezogen wird und mittlerweile doppelt so viele deutsche Urlauber anzieht wie Hellas - keine wirkliche Alternative. Der Idealtyp des Griechenland-Reisenden aus der Urlaubsmarktforschung liebt es kleinteilig und zur Not auch ein bisschen krautig; er ist kein Freund der Industrialisierung des Tourismus.

Die aber wurde an der türkischen Mittelmeerküste, mittlerweile auch in Ägypten und Tunesien, auf die Spitze getrieben; mit üppig dimensionierten All-inclusive-Hotelanlagen, 24-Stunden-Versorgung mit Mahlzeiten, Snacks, Getränken, Sport, Wellness, Kinderbetreuung, Bumsmusik und abendlicher Folklore. All dies schätzt der klassische Fan von Kreta, Korfu und Akropolis nicht; er mag sich nicht zweimal täglich aus der Massenhaftigkeit des Vorgekochten und Warmgehaltenen aus großen Aluwannen bedienen; die Freuden des hemmungslosen Essens und Trinkens rund um die Uhr sind ihm fremd. Mag er mit seinem angestammten Urlaubsziel in diesem Jahr auch ein wenig fremdeln - auf die andere Seite der Ägäis oder in den Norden Afrikas zieht es ihn deshalb noch lange nicht.

Urlaub ist ein sensibles Gut. Und wird jedes Jahr neu gekauft

Eine 14-tägige Urlaubsreise für eine vierköpfige Familie kostet heute im Schnitt rund 3500 Euro. Kein Konsumgut dieser Preisklasse stellt den Käufer so oft auf die Probe, nämlich jährlich. Selbst deutlich preiswertere Güter, etwa Computer, Fernseher, oder Möbel, stehen nur alle drei, fünf oder gar zehn Jahre zum Kauf an. Die Urlaubsdestination muss sich Jahr für Jahr im Wettbewerb mit einer stetig wachsenden Zahl von Konkurrenten beweisen. Hinzu kommt, dass Urlauber auf Negativerlebnisse bei einer Reise außerordentlich sensibel reagieren.

"Urlaub ist ein Gut mit sehr hohem Stellenwert", sagt Christian Würst, verantwortlich für Marketing und Vertrieb bei Thomas Cook. "Ein missratener Urlaub ist für eine Familie ein dramatischer Einschnitt." Viele Leute ließen sich deshalb schon von eventuell drohendem Ungemach in den schönsten Wochen des Jahres abschrecken. "Sie meiden ein Gebiet, wenn sie das Gefühl haben, dass es emotional nicht mehr passt", sagt Würst. Die Antwort auf die Frage "Sind wir als Deutsche noch willkommen?" muss ein klares "Ja!" sein. Ohne die kleinste Spur eines Zweifels.

Vom Aussterben bedroht: der Sommerfrischler, der jedes Jahr wiederkommt

"Welche Länder und Regionen kommen für Sie in den nächsten drei Jahren als Urlaubsziel in Betracht?", lautet eine Frage in der jährlichen Reiseanalyse. Aktuell nennen die Deutschen im Schnitt 6,2 Destinationen. In den vergangenen 20 Jahren ist dieser Wert stetig gestiegen. Jahr für Jahr Lido di Jesolo - das ist ein Relikt aus den seligen Sechzigern. Der Reisende von heute ist erfahren - und mit jeder neuen Erfahrung entwickelt er sich weiter in Richtung Multidestinationsfähigkeit.

Damit hat sich auch das Verständnis von Loyalität im Tourismus gewandelt: Es kommt immer weniger darauf an, wo man den Urlaub verbringt, und immer mehr darauf, wie. Nur noch etwa 50 Prozent der regelmäßig verreisenden Kunden von Thomas Cook sind klassische Stammgäste in einem Land. Für die andere Hälfte ist das Ziel offenbar austauschbar. Auch nach Ansicht des TUI-Touristikers Dörschuck werden "Veranstalter- und Hotelkonzepte heute zunehmend wichtiger als Destinationen". Bei den Hotels der TUI-Marken Magic Life und Robinson Club hat der Veranstalter die Griechenland-Kontingente für diesen Sommer gegen den allgemeinen Abwärtstrend sogar ausgeweitet - und stößt auf positive Resonanz. Der Robinson-Klub Kalimera Kriti auf Kreta ist in dieser Saison sogar der bislang bestgebuchte Klub der Marke insgesamt.

Weil er in Griechenland liegt? Wohl kaum. Obwohl er in Griechenland liegt? Vermutlich auch nicht. Nicht Griechenland sei entscheidend, sagt Dörschuck, sondern "das Robinson-Markenversprechen", das Kalimera Kriti schon zu einem vergleichsweise günstigen Preis erfüllt.

Wovon der Manager nicht spricht, sind jene Urlauber, denen es letztlich egal ist, wie das Land heißt, an dessen Strand sie sich legen. Oder denen es egal sein muss, weil sie sich feinsinnige Überlegungen über Destinationstreue oder Markenversprechen gar nicht leisten können. Für 77 Prozent der Urlauber steht bei der Auswahl des Urlaubsziels heute der Preis an erster Stelle, 1999 waren es lediglich 57 Prozent. Wem es um die Befriedigung von Grundbedürfnissen geht (Strand, Sonne und budgetsichere Totalverpflegung für vier Personen in der Hauptreisezeit für 2500 Euro), für den ist Loyalität keine maßgebliche Kategorie.

Die Urlauber wollen geliebt werden. Oder wenigstens geschätzt

Bereits im Jahr 2010 mussten Griechenland-Reisende etliche Unbill in Kauf nehmen. Mal verkehrten Fähren zu den Inseln nicht, mal streikten die Fluglotsen, mal die Taxifahrer. Gefrustete Urlauber mussten in glühender Hitze ihre Koffer kilometerweit zu den Flughäfen schleppen. Trotzdem verzeichnete Griechenland im darauffolgenden Jahr ein Buchungsplus von zehn Prozent.

Nun ist die Lage anders. Die Buchungen gingen nicht zurück, weil irgendwer streikt oder irgendetwas nicht funktioniert. "Es macht sich das unbestimmte Gefühl breit, möglicherweise nicht willkommen zu sein", sagt Jan Hürter von Jassu - und berichtet von treuen Kunden, die Angst haben, mit ihrem deutschen Autokennzeichen nach Griechenland zu fahren. Die Handvoll Fahnenzündler und ein paar Zeitungskarikaturisten mit einem Hang zu Nazi-Vergleichen haben einen großen Sieg errungen.

Auch erwarten viele deutsche Urlauber eine gewisse Dankbarkeit - ganz allgemein dafür, dass sie ihren Urlaub in Griechenland verbringen, und im Besonderen dafür, dass sie in ihrer Funktion als Steuerzahler dazu beitragen, dem bankrotten Staat aus der Patsche zu helfen. Sie wollen geliebt werden oder zumindest geschätzt. Aber jetzt, so suggerieren ihnen Boulevardblätter und zweifelhafte Umfragen, erwartet sie keine Dankbarkeit, sondern blanke Wut. Beschimpfungen. Spucke im Ouzo. Zumindest haben manche Urlauber das Gefühl, dass sie Derartiges erwarten könnte. Möglicherweise.

Blog-Kommentare in Online-Foren zum Thema "Solidarität mit Griechenland" geben Zeugnis dieser Denke. "Wenn schon meine Steuergelder dorthin fließen, muss ich nicht noch mein eigenes Geld dorthin bringen", heißt es da. Oder: "Jeder Bundesbürger zahlt über 1000 Euro für die bisherigen Rettungspakete." Dafür "erhält Deutschland dann Dritte-Reich-'Satire'".

Das Gefühl zählt mehr als Fakten. Bislang gibt es keine Berichte der (zugegebenermaßen nicht allzu zahlreichen) Winter- und Frühjahrstouristen über Deutschen-Bashing an griechischen Stränden. Und der Unmut könnte, so wie die Schlagzeilen, auch schnell wieder verschwinden. TUI jedenfalls berichtet, dass die Buchungskurve seit Ende März wieder nach oben zeigt.

Die Konkurrenz ist groß: Sonne, Strand und Mittelmeerküche gibt es vielerorts

Für die großen Reiseveranstalter kam der Einbruch gerade noch zum richtigen Zeitpunkt: Im Spätwinter werden die Flugkapazitäten für den Sommer endgültig gebucht und die Hotels noch einmal aktuell bewertet. "Ein attraktiverer Preis ist kurzfristig ein probates Mittel zur Stimulierung der Nachfrage", sagt Christian Würst von Thomas Cook. "Das tragen wir auch an die Hoteliers heran."

Doch bei Nachverhandlungen blieb es nicht. "Bei starken Buchungsrückgängen müssen wir uns natürlich fragen, ob wir bestimmte Ziele noch mit der ursprünglich geplanten Kapazität anfliegen", sagt der TUI-Mann Dörschuck. "Weil Nachfrageverschiebungen immer häufiger vorkommen, handhaben wir das zunehmend flexibel." Da das Unternehmen mit TUIfly eine eigene Airline hat, sind die Wege kurz.

Die Folgen bekommen auch diejenigen zu spüren, die nach wie vor gern nach Griechenland reisen würden. "Für bestimmte Zielgebiete gibt es keine Plätze mehr, Flüge wurden ganz gestrichen", sagt Michael Karavás, Geschäftsführer des Griechenland-Spezialisten Attika Reisen. "Deswegen haben Kunden bei uns gebuchte Reisen storniert."

Ziele, die nicht mehr per Direktflug oder nur noch mit teuren Linienflügen erreichbar sind, werden kaum noch nachgefragt. Gebuchte Hotelbetten werden storniert und anderswo aufgestockt. Kein Reiseveranstalter kann es sich erlauben, auf Dauer gegen den Strom zu schwimmen.

Im Fall des Falles reagieren die Großen sehr schnell: Nach dem Ausbruch der Revolution in Ägypten im vergangenen Jahr lenkte allein die TUI binnen weniger Wochen 200 000 Urlauber zu anderen Zielen rund ums Mittelmeer um. Hauptsache, man bleibt im Geschäft - egal an welchem Flughafen die Reisenden ihre Koffer vom Rollband heben.

Allerdings werden bei einem Rückgang der Nachfrage nicht sofort sämtliche Hotelverträge gekündigt. Schließlich stehen langjährige, oft über Jahrzehnte gewachsene Geschäftsbeziehungen auf dem Spiel. Im Fall Griechenland versuchten es die Touristikunternehmen mit Rabatten, Appellen, Anzeigenkampagnen und Facebook-Themenseiten. Führt all dies nicht zur Trendwende, dann, so der Münchner Tourismus-Ökonom Volker Letzner, "wird der Stecker relativ schnell gezogen". Schließlich haben die Konzerne mehr als genug Manövriermasse - in der Türkei, Bulgarien, Rumänien, Tunesien und Ägypten.

Nibelungentreue ist zwar romantisch, aber sie schadet dem Fortschritt

Vielleicht sind Urlauber wie Dieter Zeller für den Griechenland-Tourismus aber auch gar nicht so sehr die Lösung, sondern eher das Problem. Auf ewig treue Gäste wie ihn konnte sich der griechische Fremdenverkehr seit Jahrzehnten stützen und verlassen - egal wie weit das touristische Angebot hinter das der Konkurrenz zurück fiel. Als Euro-Land kann Griechenland seine Währung nicht abwerten und ist daher, etwa im Vergleich zur Türkei, zu Ägypten oder Tunesien, vergleichsweise teuer. Daran ändern auch die jüngsten Rabatte von fünf bis zehn Prozent wenig.

Die touristische Infrastruktur, vor allem die Flughäfen und die Hotellerie, ist häufig auf dem Stand der Achtzigerjahre stehen geblieben. Wellness-Angebote sind die Ausnahme, den Trend zum budgetsicheren All-inclusive - wie immer man dazu stehen mag - hat das Land weitgehend verschlafen. Die Saison reicht traditionell nur von Mai bis September. Fast zwei Drittel des Jahres bleiben die Herbergen auf den Inseln geschlossen.

Über all das sahen die Hellas-Fans stets gnädig hinweg. Der Attika-Geschäftsführer Karavás weiß von Kunden, die in den 36 Jahren, die sein Unternehmen besteht, 25- oder 26-mal bei ihm gebucht haben.

Jetzt, im Licht der Krise, wird der Modernisierungsrückstand sichtbar und der Schleier des lieb gewonnenen Griechenland-Urlaubsklischees weggezogen. Die, die es begründet haben, kamen vor 30 oder 40 Jahren mit dem Bulli oder dem Interrail-Ticket und sorgten seitdem für eine kleine, aber stetige Tourismus-Konjunktur. "Sie haben das System stabilisiert, sodass sich nichts Nennenswertes ändern musste", sagt der Tourismus-Ökonom Letzner. Jahr für Jahr trugen sie ihre Erinnerungen aus jungen Jahren wieder mit auf die Inseln in der Ägäis: Metaxa, zu molligen Gitarrenakkorden am Strand gesüffelt, eine Romanze, zirpende Zikaden, alles in allem so ein fröhliches Sirtaki-Gefühl.

Die Interrailer von damals, sie sind immer noch da. Junge Urlauber, wenn sie denn heute nach Griechenland kommen, haben allerorten, vermutlich auch in Dieter Zellers Stammdomizil Kastro, das Gefühl, am Strand oder im Restaurant ständig ihren früheren Lehrern oder Professoren zu begegnen.

"Vielleicht", sagt Volker Letzner und zögert einen Moment, den Gedanken zu Ende zu führen, "vielleicht muss die Generation der loyalen Gäste und ihrer Gastgeber erst aussterben, damit es mit Griechenland als Tourismus-Destination wieder aufwärtsgeht." -