Partner von
Partner von

leserbriefe@brandeins.de

brandeins 04/2012 Gute Frage: Acta
Jens Best, per E-Mail


Will mich kurz fassen. Lese brandeins seit "Econy"-Zeiten. Gern. Aber der Urheberrechts-/Acta-Artikel von Ulf J. Froitzheim lässt mich betrübt zurück. Es gab immer eine offene Art, mit der ihr mit der digitalen Ebene des Publishing umgegangen seid. Die Diskussion um das frei zugängliche Archiv und vieles mehr.

Warum wird hier nun eine Haltung eingenommen, die auf der Kampflinie liegt, die von Häusern wie G + J, Holtzbrinck u. a. propagandistisch gepusht wird? Ist brandeins "Mitglied" in der Gesamtstrategie, die für dieses Jahr kursiert? Klare Kampflinien statt neue Lösungen bei Paywall-Fragen, Acta und Urheberrechtsreform? War brandeins nicht mal angetreten, anders zu sein als die etablierte Verlagslandschaft mit all ihren unreflektierten Vorurteilen und spätturbokapitalistischen Ritualen?

Ich kann nur hoffen, dass ihr euch aus dem unreflektierten Um-Sich-Schlagen-Modus des Todeskampfes der Verlagswelt fernhaltet und im Falle eigener Probleme diese mit der Community eurer Leserschaft löst.

brandeins 04/2012 Am Ende der Kostenschraube
Krishna Lahoti, Esslingen

Wenn Steve Jobs der Star gewesen wäre, zu dem er stilisiert wurde (und sich hat stilisieren lassen), hätte Apple seine Produkte alle in den USA produziert. 100 Milliarden Gewinn durch Sklaven-Ausnutzung ist ein Skandal. Man kann bei den Fakten in dem Artikel davon ausgehen, dass die Arbeiter weit davon entfernt sind, unter den Umständen zu leben, in denen wir Nutzer der Geräte leben. Faszination, die einem im Hals stecken bleibt - und manchen (hoffentlich) zögern lässt. Dumm nur, dass alle gleich sind. Ein echtes EU-Produkt wäre so schön.

brandeins 04/2012 Motivierte Leute
Antje Kasper, Görlitz

Kleiner Fehlerteufel: In dem Artikel steht auf Seite 74, für jeden fehlenden Arbeitsplatz müsse das Unternehmen "jährlich bis zu 290 Euro an das zuständige Integrationsamt zahlen..." - es sind bis zu 290 Euro monatlich, jährlich also bis zu 3480 Euro. Ansonsten guter Artikel. Leider ist die Hemmschwelle, behinderte Menschen einzustellen, riesig. Unsere Bemühungen, wirklich fähige Klienten auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, sind nahezu erfolglos - wie in Ihrem Artikel beschrieben. Aber wir kämpfen weiter, wünschten uns nur mehr Menschen wie Helmut Landwehr und Rolf Simon.

brandeins 04/2012 Wo du sein kannst, wer du bist
Corinna Kunze, Stade

Dank für den Artikel, der mich gern an meine alte Heimat erinnert hat. Als wir 1968 in den Osdorfer Born zogen, in ein zweistöckiges Mehrfamilienhaus gegenüber der Schweinebucht, gab es die riesigen Hochhäuser noch nicht. Um uns herum war es grün. Keiner ahnte, was noch an Bebauung kommen würde.

Ich war damals ein Jahr alt. Wir waren fünf Kinder. Als ich fünf Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Doch meine Mutter war immer für uns da, sorgte für uns, dass es uns an nichts fehlte, machte mit uns Urlaub in Dänemark und lehrte uns Fleiß, Mut, Hilfsbereitschaft und Anstand. Sie arbeitete in den Abendstunden, tagsüber half sie uns bei den Hausaufgaben. Wir hatten eine tolle Kindheit. Und es gab überall Kinder! Man hatte viele Freunde, unternahm viel, wir fuhren sogar mit dem Fahrrad oft an die Elbe. Auch der nahe gelegene See, der im Artikel nicht erwähnt wurde, war beliebt. Dort konnte man im Sommer in kleinen Optimisten segeln und im Winter Schlittschuhlaufen. Ich besuchte das Gymnasium Glückstädter Weg und hatte klare Ziele: Abi, Studium, einen gut bezahlten Job, irgendwann einen Mann, Kinder und Haus mit Garten. Ein starker Wille, Disziplin und Optimismus sowie die Unterstützung meiner Mutter haben mir geholfen, diese Ziele zu erreichen. Heute, mit 44 Jahren, seit 16 Jahren glücklich verheiratet, mit zwei Kindern, die ebenfalls das Gymnasium besuchen, bin ich selbstständig und führe mit meinem Mann eine Versicherungsagentur und ein IT-Unternehmen in Stade. Jeder kann es schaffen, allein der Wille zählt.

brandeins 04/2012 Wo du sein kannst, wer du bist
Matthias Maschmann, Hamburg

Ein sehr schöner Artikel über den Born - ich kann mich nur zu gut an die Zeit erinnern, als ich unter anderem dort als Pizzafahrer oft unterwegs war. Das fühlte sich nicht immer gut an, aber am Ende habe ich doch jedes Mal festgestellt, dass das Trinkgeld Achtern Born durchgängig höher war als etwa am Falkensteiner Ufer in Blankenese.

brandeins 02/2012 Woran starb Marc Fischer?

In der Februar-Ausgabe von brandeins beschrieb Peter Lau Leben und Sterben des Journalisten Marc Fischer -ein Stück, das uns berührt und betroffen hat. Wir lasen die Geschichte eines Kollegen, der frühe und große Erfolge errungen und immer stärker unter Druck geraten war. Wir lasen den intimen Einblick in eine Branche, in der immer häufiger schnelle und kostengünstig produzierte Ergebnisse gefordert werden und in der immer seltener gefragt wird, wie unter solchen Bedingungen Qualität entstehen kann. Und da wir den Autor seit vielen Jahren kennen und schätzen, da wir wissen, wie sorgfältig er arbeitet, sind wir zu der Überzeugung gelangt: Diese Geschichte muss gedruckt werden.

Wir haben dabei nicht gesehen, dass dies auch die Geschichte eines Sohnes, Freundes, Ehemannes ist, die mit ganz anderen Augen gelesen werden kann. Der Schmerz der Eltern hat uns erschüttert.

Wir entschuldigen uns dafür, ihnen diesen Schmerz zugefügt zu haben. Wir haben die Geschichte auf Wunsch der Angehörigen nicht in unsere Web-Ausgabe übernommen. Und zu keinem Zeitpunkt wollten wir Marc Fischers Werk unter den Generalverdacht des Betruges stellen. Sollte dieser Eindruck entstanden sein: Das entspricht weder den Tatsachen, noch war es unsere oder die Absicht des Autors.

Leserbrief von Hilde und Herbert Fischer

In dem oben genannten Artikel von Peter Lau werden die postumen Persönlichkeitsrechte unseres verstorbenen Sohnes Marc und unsere Rechte als Angehörige auf das Gröbste verletzt. Peter Lau hat gegen unseren Willen im Freundeskreis unseres Sohnes bis in den intimsten Bereich recherchiert und seine Ergebnisse rücksichtslos veröffentlicht. Zudem hat er unseren Sohn mit dem Betrüger und Fälscher Tom Kummer verglichen und Marcs Werk damit unter einen unhaltbaren Generalverdacht gestellt. Das Ansehen unseres Sohnes Marc wurde so nach seinem Tode in den Schmutz gezogen. Wir sind empört.

Anmerkung von Peter Lau

Ich habe Marc sehr gemocht, und sein Tod hat mich getroffen. Deshalb war es für mich unerträglich, dass über seine Tat hinweggegangen wurde, als sei sie ein tragischer Unfall oder die unabwendbare Folge einer Krankheit. Ich war überzeugt und bin es immer noch, dass Marc nicht nur, aber auch an der Härte des Business gescheitert ist, in dem er nicht nur arbeitete, sondern auch lebte. Dazu gehörte auch das Erbe Tom Kummers, der im Popjournalismus mit ausgedachten Geschichten einen Standard setzte, an dem sich Autoren viel zu lange messen lassen mussten -ich wollte keineswegs den Eindruck erwecken, Marc Fischer habe ähnlich gearbeitet.

Es war mir wichtig, dies alles darzustellen, um Marcs Ansehen zu schützen. Niemals wollte ich die Gefühle seiner Eltern verletzen. Trotzdem habe ich es offensichtlich getan, und das tut mir sehr leid. Ich möchte mich dafür in aller Form entschuldigen.