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Duolingo

Bildung sollte kostenlos sein, sagt der Informatiker Luis von Ahn. Sie hilft, die Welt zu verändern. Mit der Web-Plattform Duolingo führt er es vor: Zehntausende, die Internetseiten übersetzen, liefern neue Information für Millionen.




- Luis von Ahn will 100 Millionen Menschen dafür gewinnen, Internetseiten in möglichst viele Sprachen der Welt zu übersetzen. Ohne Bezahlung. Als Weltverbesserer sieht sich der 33-Jährige aber nicht. Der Professor für Informatik an der privaten Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania bevorzugt die Rolle des Problemlösers.

Er gehört zu den Pionieren des Crowdsourcing und hat vor mehr als zehn Jahren Captcha erfunden, ein Verfahren, mit dem automatische Anmeldungen durch Roboter auf Websites erkannt werden. Der Test (Captcha = Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) klärt, ob man es bei der Kommunikation im Internet mit einem Menschen zu tun hat oder mit einer Maschine.

Das Problem, das Luis von Ahn als Nächstes lösen will, ist um ein Vielfaches größer. Er will das Internet übersetzen, in möglichst viele Sprachen.

Dazu fiel ihm ein verblüffender Lösungsweg ein: "Wir tauschen Übersetzen gegen Lernen." Allein in den USA geben rund fünf Millionen Menschen im Jahr mehr als 500 Dollar für Sprachen-Software aus. Wer sich das nicht leisten kann, dem bietet von Ahns Plattform Duolingo eine kostenlose Alternative. Die Nutzer erlernen dort mithilfe professionell erstellter Online-Kurse eine fremde Sprache -und können das Gelernte üben und überprüfen, indem sie echte Inhalte aus dem Internet übersetzen. Davon profitieren dann alle, der Einzelne wie die Web-Gemeinde.

An der erst im Dezember gestarteten vorläufigen Beta-Version beteiligen sich inzwischen schon rund 50000 Nutzer, und weitere 300000 haben sich auf der Warteliste eingetragen.

Neil Richter ist seit einigen Wochen bei Duolingo aktiv. Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln will sich die Sprache seiner Vorfahren erschließen. Schon die Anmeldung auf dem Portal ist als kleine Sprachlektion aufgebaut: Richter lernt, seinen Namen und Wohnort auf Deutsch zu sagen. Der Unterricht selbst ist in elf Stufen gegliedert. Richter hat bereits Stufe fünf erreicht. Er übersetzt nun deutsche Elemente aus dem Berliner Blog "Spreeblick" und hat es mit dem Satz zu tun: "Wenn der Gast beginnt zu stinken."

Während er mit der Computermaus die Wörter einzeln ansteuert, sieht er auf dem Bildschirm dazu passende Übersetzungsvorschläge und muss daraus einen sinnvollen Satz bilden -eigentlich kein Problem für den Muttersprachler. "When the guest begins to smell", tippt er richtigerweise, wofür er im Duolingo-System aber nur eine 80-prozentige Zustimmung erfährt, da sich 20 Prozent der Nutzer, die diese Stelle vorher übersetzt hatten, für den Ausdruck "... to stink" entschieden hatten. Richter bewertet dann die Übersetzungsvorschläge der anderen Plattform-User - so entsteht im Idealfall nach und nach ein korrekter und vollständiger Text.

"Wir haben festgestellt, dass selbst Anfänger sehr gute Ergebnisse erzielen", sagt von Ahn. 25 Sprachschüler, schätzt er, ersetzen einen professionellen Übersetzer. In fünf Wochen könnten 100000 Nutzer die englischsprachige Wikipedia komplett ins Spanische übertragen. Mit einer Million Nutzern wäre das rein rechnerisch sogar in 80 Stunden zu schaffen.

Die Resonanz in Internetforen und auf Twitter fällt größtenteils positiv aus. "Die Statistiken zeigen, dass die Nutzer wiederkommen, wenn sie einmal einen Sprachkurs begonnen haben", sagt Luis von Ahn.

Bisher hat die Carnegie Mellon Universität die Entwicklung von Duolingo aus eigenen Mitteln finanziert. Möglichst bald aber soll sich die Plattform selbst tragen -mithilfe der Rechte an den Übersetzungen. "Rechtefreie Inhalte werden zwar kostenlos übersetzt. Wünscht sich ein Rechteinhaber aber eine bestimmte Übersetzung, so können wir dafür Geld verlangen", sagt Luis von Ahn.

Wie man die Web-Welt bereichert: Eine Million Nutzer, 80 Stunden - und das englische Wikipedia wäre komplett ins Spanische übersetzt

Derzeit kann man auf Duolingo.com nur zwei Sprachen erlernen: Deutsch und Spanisch. Ausgangssprache ist Englisch. Bis Jahresende sollen fast alle Sprachen in jede Richtung verfügbar sein. Und dann? "Wenn wir mit Duolingo erfolgreich sind, können wir damit ein bisschen die Welt verändern: Erstens öffnen wir den Zugang zu mehr Information, zweitens stellen wir kostenlosen Sprachunterricht für jeden zur Verfügung", sagt von Ahn.

Weitere Konsequenzen der Duolingo-Idee wurden in Internetforen diskutiert. Etliche Nutzer sehen für herkömmliche Sprachschulen und Sprachen-Software-Hersteller wie das Branchenschwergewicht Rosetta Stone schwere Zeiten voraus. Luis von Ahn kümmert das nicht. Er sagt: "Bildung sollte kostenlos sein. Mit Duolingo können wir das Millionen von Menschen ermöglichen. Wenn deswegen ein paar Unternehmen ihr Geschäftsmodell ändern müssen, ist mir das egal." -