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Das Gefangenendilemma

Noch nie waren unsaubere Geschäfte für Konzerne so riskant wie heute. Fliegen sie auf, gilt die Devise: Rette sich, wer kann! Das kann Firmen an den Rand des Ruins bringen - wie der Fall Ferrostaal zeigt.




Im Auftrag der Deutschland AG

Schon die Gründung im Jahr 1920 im niederländischen Den Haag (daher die Schreibweise) war trickreich: Mithilfe von Ferrostaal wollten deutsche Stahlfirmen das im Versailler Vertrag festgeschriebene Embargo umgehen. 1921 übernahm die Gutehoffnungshütte (später MAN) das Unternehmen und verlegte dessen Sitz nach Essen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Ferrostaal eine wichtige Rolle für die deutsche Exportwirtschaft: Man errichtete nicht nur auf eigene Rechnung weltweit Chemiefabriken, Raffinerien und Kraftwerke, sondern trat auch für andere Firmen als Zwischenhändler beziehungsweise Agent auf. Unter anderem verkaufte man Kriegsschiffe und U-Boote für die Werften HDW, Blohm + Voss sowie die Nordseewerke.

2009 gab MAN 70 Prozent seiner Anteile an der Tochter für 450 Millionen Euro an die International Petroleum Investment Company (Ipic) weiter, einen Staatsfonds in Abu Dhabi. Die Scheichs hatten ehrgeizige Pläne mit der Ferrostaal AG, wollten sie unter anderem für den Bau von Solarkraftwerken im Nahen Osten nutzen. Doch daraus wurde nichts. Denn bald kam ein Korruptionsskandal ans Licht. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und interne Untersuchungen ergaben ein Bild organisierter Kriminalität. Ferrostaal soll über Jahrzehnte geschmiert haben, um an Aufträge zu kommen, unter anderem beim Verkauf von U-Booten an Griechenland und Portugal. Der Vorstandsvorsitzende Matt hias Mitscherlich und andere Manager wurden entlassen. Vom Landgericht München I wurde die Firma im Dezember 2011 zu einer Geldbuße von rund 140 Millionen Euro verurteilt.

Die einstige Perle der deutschen Industrie war zu einer heißen Kartoffel geworden, an der sich kaum noch jemand die Finger verbrennen wollte. So drängte der Staatsfonds Ipic auf Rückabwicklung. MAN nahm ihm die Ferrostaal-Anteile für 350 Millionen Euro wieder ab und schlug die gesamte Firma am 8. März - für nur 160 Millionen Euro - an die MPC los. Die Holding im Besitz der Hamburger Kaufmannsfamilie Schroeder hofft, den Skandal hinter sich zu lassen und mit Ferrostaal neu anzufangen.

Blind für die Zeichen der Zeit

Bemerkenswert am Fall Ferrostaal ist weniger die Tatsache, dass ein namhaftes Unternehmen geschmiert hat, denn das taten etliche. Erstaunlich ist vielmehr, wie lange die Essener an dieser Praxis festhielten. Korruption ist längst kein Kavaliersdelikt mehr, und Schmiergeldzahlungen im Ausland - früher verharmlosend "nützliche Aufwendungen" genannt - sind seit 1999 auch nicht mehr steuerlich abzugsfähig. Vor allem aber musste der 2006 aufgeflogene Siemens-Skandal als Weckruf für die deutsche Wirtschaft verstanden werden. Insgesamt kosteten die Verfehlungen den Konzern mehr als zwei Milliarden Euro an Strafe, Steuernachzahlungen und Anwaltshonoraren. In der Folge bauten die Münchner ein weltweites, weitverzweigtes Antikorruptionsnetz auf und gaben die etwas sperrige, aber unmissverständliche Parole aus: "Nur saubere Geschäfte sind Siemens-Geschäfte."

Ferrostaal hatte diese Zeitenwende nicht erkannt. Beim "Schmiermaxe der deutschen Exportwirtschaft" ("Manager Magazin") war die kriminelle Praxis offenbar so tief in der Firmenkultur verwurzelt, dass man ohne massiven Druck von außen nicht auf die Idee kam, daran etwas zu ändern. Ein Insider sagt: "Das war ein systematisch über Jahre hinweg installiertes System mit tradierten Arbeitsanweisungen, wie bestimmte Dinge gehandhabt werden sollten - mit Scheinrechnungen, Scheinfirmen, Beratern, die ohne Gegenleistung viel Geld kassierten. Und darüber wurde intern auch offen gesprochen, wohl wissend, dass all das mit normalem Geschäftsgebaren nichts zu tun hat."

Der Kreis der Eingeweihten hielt wie Pech und Schwefel zusammen. Und diejenigen, die möglicherweise tatsächlich ahnungslos waren, müssen sich vorwerfen lassen, naheliegende Fragen nicht gestellt zu haben. Zum Beispiel die, ob ein Unternehmen, das zeitweise zehn Prozent seines Umsatzes in einem Land wie Venezuela machte - Rang 172 von 182 im Korruptionsindex bei Transparency International -, sauber sein konnte.

Nach außen wurde Ferrostaal von einem Mann repräsentiert, der selbst langjährige Auslandserfahrung in Griechenland und Nigeria vorweisen konnte und einen ausgezeichneten Ruf hatte: Matthias Mitscherlich. Das Wort des "gut geratenen Sohnes" ("Die Zeit") der Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich ("Die Unfähigkeit zu trauern") - der sich von niemand Geringerem als dem Philosophen Jürgen Habermas coachen ließ - hatte Gewicht. Und der Vorstandsvorsitzende von Ferrostaal sagte klipp und klar: "Wir schmieren aus Prinzip nicht." Wer sich so vollmundig äußert, muss jeden Winkel seiner Firma kennen oder blindes Vertrauen in seine Mitarbeiter haben. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schrieb über den "Schöngeist" und dessen Führungsstil einmal: "Nur wer dem Einzelnen Freiraum lässt, kann und wird Loyalität zurückbekommen."

Was aber waren die Motive der Ferrostaaler, sich am gefährlichen Spiel mit den schwarzen Kassen zu beteiligen? Etwa falsch verstandene Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber? Eine interessante Antwort auf diese Frage gibt der Rechtsanwalt Stefan Röhrborn in seiner Düsseldorfer Kanzlei. Der Arbeitsrechtler - der viele Manager vertritt, auch solche von Ferrostaal, und den Fall gut kennt - sieht vor allem einen Grund für Korruption: falsche Anreize. Die verbreitete Praxis, dass mit Provisionen und Boni belohnt wird, wer für mehr Umsatz sorgt, ist für ihn die Wurzel des Übels - und trage auch nicht unbedingt zum Wohl der Firma bei. "Denn wenn ich für die Unterschrift unter einen Vertrag für ein Großprojekt irgendwo auf der Welt am Ende des Tages 200000 Euro bekomme, ist es mir wurst, ob der Arbeitgeber dabei einen Gewinn macht." Tatsächlich soll Ferrostaal zur Anbahnung eines U-Boot-Geschäfts mit Portugal - sicher ist sicher - so viele "Berater" und "Vermittler" bezahlt haben, dass unterm Strich ein Verlustgeschäft dabei herauskam.

Wenn das Netz reißt

Manfred Nötzel ist, wiewohl Schwabe, ein lockerer Typ. Als Klingelton fürs Handy dient dem 62-jährigen Leiter der für Wirtschaftskriminalität zuständigen Staatsanwaltschaft I in München der Stones-Kracher "I Can't Get No Satisfaction". Aber persönlich macht er einen zufriedenen Eindruck. Was auch daran liegt, dass seine Behörde eine der wenigen im Lande ist, die unterm Strich Geld einbringt - sie ist eine regelrechte Cashcow. Fast eine Milliarde Euro Bußgeld haben er und seine Leute der bayrischen Staatskasse bereits beschert. Er selbst spricht lieber von der "Abschöpfung rechtswidrig erlangter Profite". Nötzel plaudert in seinem Büro im siebten Stock gern aus der Schule. Seine neben ihm sitzende Kollegin Brigitte Schroeder, die die Abteilung für Korruptionsermittlung leitet, ist deutlich zurückhaltender.

Der Chef erzählt, dass das Geschäft für die Staatsanwaltschaft einfacher geworden sei. Früher galten Wirtschaftssachen als undankbar. Die Ermittler mussten sich durch Aktenberge kämpfen, mit arroganten Managern und ihren hoch bezahlten Anwälten herumschlagen. Viel Mühe, wenig Ehre - vielleicht eine Erklärung, warum das Personal mehrheitlich aus Frauen besteht. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Das liegt an einer verschärften Rechtslage und am Fall Siemens, der als Paradebeispiel für eine konsequente Säuberung gilt, bei der Konzern und Staatsanwaltschaft an einem Strang zogen. Damals wurde auch erstmals in großem Stil Vermögen abgeschöpft: Der Konzern zahlte allein rund 600 Millionen Euro Buße an die bayrische Staatskasse. Mittlerweile pilgern Korruptionsbekämpfer aus der ganzen Welt nach München, um sich über die erfolgreiche Arbeit von Nötzel, Schroeder & Co zu informieren. Die beruht wesentlich darauf, Manager mehr oder weniger subtil zum Nachdenken darüber anzuregen, wem ihre Loyalität gelten sollte.

So auch im Fall Ferrostaal, in dem die noch laufenden Ermittlungen gegen eine "zweistellige Zahl von Beschuldigten" (Schroeder) in absehbarer Zeit abgeschlossen sein sollen. Der Krimi zeigt exemplarisch, wie riskant es mittlerweile für Unternehmen ist, gegen Regeln zu verstoßen. Und wie schnell alte Seilschaften sich auflösen, wenn es ungemütlich wird.

Es habe mit einem Zufallsfund begonnen, sagt die Oberstaatsanwältin Schroeder. Im Zuge der Korruptionsermittlungen bei MAN - auch ein großer Fall der Münchner Ermittler - stießen sie 2009 auf dubiose Geldflüsse bei der Tochterfirma. Und bald hatten sie einen Kronzeugen am Haken. Der langjährige Angestellte hatte sich selbst von einem Zulieferer bestechen lassen und klärte die Ermittler nun darüber auf, dass Korruption bei seinem Arbeitgeber gang und gäbe sei. "Nicht um der Staatsanwaltschaft möglichst behilflich zu sein", so Nötzel maliziös, "sondern um seine eigene Tätigkeit in ein günstiges Licht zu rücken. Und weil die Aufdeckung bislang nicht bekannter Vorgänge eine erhebliche Ermäßigung des Strafmaßes nach sich zieht."

Solche Kronzeugenregelungen sind ebenfalls probate Mittel, um Kartelle zu sprengen. Sie funktionieren wie das Gefangenendilemma in der Spieltheorie: Die größte Belohnung bekommen zwei Spieler, wenn sie miteinander kooperieren - im Falle krimineller Manager also: schweigen. Eine kleinere Belohnung bekommen die Spieler, wenn sie sich gegenseitig verraten. Da aber keiner weiß, wie der andere sich verhalten wird, und die kleine Belohnung nur im Falle des Verrats ausgezahlt wird, ist dies die beste Option. Das hatten sich offenbar auch etliche Ferrostaal-Führungskräfte so ausgerechnet und packten aus.

Neben den Behörden veranlasste auch die Firma interne Ermittlungen. Dafür gab es handfeste Gründe, denn laut höchstrichterlicher Rechtsprechung können Unregelmäßigkeiten in Aktiengesellschaften bis nach ganz oben durchschlagen. Der Aufsichtsrat ist also verpflichtet, Gesetzesverstöße aufzuklären, andernfalls kann er haftbar gemacht werden. Kungelei mit dem Vorstand ist in Krisenzeiten nicht zu empfehlen. Georg F. Thoma, der Ferrostaal-Chefaufseher, wusste das nur zu gut: Er ist ein erfahrener Wirtschaftsanwalt. Man beauftragte die Sozietät Heuking mit den Ermittlungen. Doch die Münchner Ermittler seien, so heißt es, mit dieser Kanzlei nicht zufrieden gewesen und hätten eine andere empfohlen: Debevoise & Plimpton, eine Anwaltsfirma, die bereits bei Siemens aufräumte. Die Amerikaner gelten als harte Hunde. Nötzel sagt dazu nur so viel, dass sich die Kooperation mit Ferrostaal im Laufe der Zeit gebessert habe. Und: "Wir empfehlen keine konkreten Anwaltskanzleien."

Alle gegen alle

Die US-Ermittler stellten die Firma auf den Kopf und nahmen etliche Manager ins Gebet. Das ist juristisch nicht unumstritten, denn wer von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter vernommen wird, darf die Aussage verweigern, um sich selbst nicht zu belasten - gegenüber dem Arbeitgeber ist dies aber nicht möglich. Von zwei Seiten gegrillt zu werden war für Führungskräfte, die meinten, nur getan zu haben, was jahrzehntelang in der Firma üblich war, eine unerfreuliche Erfahrung. Etliche gingen auf das Angebot einer internen Amnestie-Regelung ein: Wer beim Aufspüren noch nicht entdeckten Unrats half, konnte beispielsweise von einer fristlosen Kündigung verschont bleiben.

Der Rechtsanwalt Stefan Röhrborn berichtet von einem Manager, der sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch gegenüber den internen Ermittlern auspackte. "Der hat gesagt: ,Ja, ich war's - aber die anderen wussten auch davon.' Nach dem Motto: Ich reiße sie alle mit rein, damit ich unter die Amnestie falle." Für manchen Mitarbeiter stehe viel auf dem Spiel. Zum Beispiel die Betriebsrente. Der Jurist, der Unternehmen in Fragen des korrekten Verhaltens (Compliance) berät, hält Kronzeugenregelungen für ein geeignetes Mittel zur Aufklärung auf breiter Front. Allerdings gebe es zwischen Spieltheorie und Praxis feine Unterschiede. Bei Ferrostaal habe es allein im Ermessen des Arbeitgebers gelegen, einzuschätzen, ob jemand wirklich reinen Tisch gemacht habe. "Wenn aber der eine gesagt hat, der war's, und der andere sagte, nee, der war's - dann hieß es: ,Einer von Ihnen lügt, wahrscheinlich lügen Sie beide; danke für die Auskünfte, aber die Amnestie-Regelung wenden wir nicht an.'"

Auch der Vorstandsvorsitzende Matthias Mitscherlich wurde nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern vom Aufsichtsrat fristlos gefeuert. Eine Strafanzeige folgte: Mitscherlich wurde unter anderem vorgeworfen, mehrere Betriebsräte einer Tochterfirma in Saarlouis, die verkauft wurde, mit Beraterhonoraren in Höhe von 1,15 Millionen Euro versorgt, also Firmengeld veruntreut und gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoßen zu haben. Mitscherlich bestreitet das. Auch der Projektvorstand Klaus Lesker, der wichtigste Mann für das operative Geschäft, verließ das Unternehmen auf Druck des Aufsichtsrates. Lesker war zweimal in U-Haft genommen und wegen Verletzung seiner Aufsichtspflicht zu einem Bußgeld in fünfstelliger Höhe verurteilt worden. Zwei weitere Verfahren in Essen und München laufen noch gegen ihn.

Bitte verfolgt mich!

Die Ermittler von Debevoise & Plimpton verschafften sich einen Überblick über die Schattenwirtschaft bei Ferrostaal im Zeitraum von 1999 bis 2010. Sie identifizierten insgesamt 336 Millionen Euro an "fragwürdigen Zahlungen". Eine enorme Summe für einen Mittelständer, der in guten Zeiten knapp zwei Milliarden Euro Jahresumsatz hatte und 5400 Mitarbeiter. Zu der Geld buße, die Ferrostaal berappen musste, kamen noch knapp 150 Millionen Euro an Honoraren für Wirtschaftsprüfer und Anwälte - die ihre Erkenntnisse brüderlich mit der Staatsanwaltschaft teilten.

Nötzel sagt, dass die Sorge um das Image der Hauptantrieb der Verantwortlichen sei, sich mit seiner Behörde gut zu stellen: "Die laufen hinter uns her und wollen verfolgt werden - vor allem aber soll die Sache erledigt werden." Ferrostaal stand unter gewaltigem Druck: Das Netz drohte sich aufzulösen. Wegen hässlicher Nachrichten über schmutzige Geschäfte sprangen reihenweise Kunden und Partner ab, der Umsatz halbierte sich, die Firma rutschte in die roten Zahlen. Außerdem gingen die Querelen einem der mächtigsten Männer der deutschen Wirtschaft gewaltig gegen den Strich: Ferdinand Piëch. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, der eine Mehrheit an MAN sowie an Scania hält, wollte beide Firmen zu einer Lkw-Allianz zusammenspannen, um Welt-Autochampion aller Kategorien zu werden. Da kam ihm die Nachrichtenlage bei der MAN-Beteiligung Ferrostaal ungelegen. Auch die Mehrheitseigentümer in Dubai waren sehr unglücklich über den Kauf einer Firma, die sich im Nachhinein als durch und durch korrupt entpuppt hatte.

Die Lösung: Weg mit Schaden! MAN kaufte Ferrostaal zurück und gab es umgehend zum Schnäppchenpreis an die MPC Holding in Hamburg weiter. Ein riskanter Deal für die verschwiegene Firma, die keine Bilanz veröffentlicht und wegen ihres kriselnden Geschäfts mit Schiffsfonds selbst Probleme hat. Denn möglicherweise noch auftauchende Leichen im Keller von Ferrostaal gehen nun auf das Konto von MPC.

Der Rechtsanwalt Röhrborn vertritt übrigens die These: "Alles kommt raus." Das sei jedenfalls seine Erfahrung aus rund 5000 Gerichtsverfahren. Auch deshalb, weil "der Deutsche als solcher immer irgendwo noch eine Akte stehen hat".

MPC hat einen Mann an Bord, der gut Bescheid wissen dürfte: Klaus Lesker. Der Ex-Vorstand der alten Ferrostaal wurde in die Geschäftsführung der neuen, mittlerweile in eine GmbH mit weniger Publizitätspflichten umgewandelten Ferrostaal berufen.

Operation Schlussstrich

In Essen werden nun Fronten begradigt und Scherben gekittet. So zog Ferrostaal nach dem Eigentümerwechsel den Strafantrag gegen den Ex-Chef Matthias Mitscherlich wegen Begünstigung von Betriebsräten zurück. Auch Klaus Lesker genießt bei seinen neuen Herren einen Vertrauensvorschuss. Benjamin Schroeder, der nun mit ihm die Firma führt, sagte: "Nach meiner Auffassung werden die Ermittlungen eingestellt. Der größte Teil der Vorwürfe hat sich jetzt schon erledigt." Lesker selbst beteuerte in der Vergangenheit mehrfach gegenüber der Presse, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Die neue Ferrostaal will mit altem Personal zu neuen Ufern aufbrechen. Darüber würde man gern mit Klaus Lesker reden. Prinzipiell sei das Unternehmen dafür offen, sagt sein Sprecher in Essen. Doch er bitte um Verständnis, abzuwarten, bis die Ermittlungen gegen den Chef eingestellt seien. Die Staatsanwaltschaft habe angekündigt, dass dies sehr bald geschehen werde.

Sie warten darauf, dass endlich ein Schlussstrich unter die Geschichte gezogen wird, damit sie wieder normal arbeiten können.

In München wird aber lediglich eine "Teileinstellung gegen Zahlung einer Geldauflage" bestätigt. Der "Rest" werde weiter ermittelt. Und die Essener Kollegen, hier geht es um Steuerhinterziehung, hatten ihren Job bis zum Redaktionsschluss ebenfalls noch nicht beendet. Die Staatsanwälte haben keine Eile. Denn je länger das Verfahren läuft, desto abschreckender die Wirkung auf jeden, der es mit der Gesetzestreue nicht so genau nimmt. -