Partner von
Partner von

Schön alt werden

Fujifilm, einer der ganz Großen in der Fotografie-Geschichte, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Neue Geschäfte müssen her. Das neueste: Kosmetik.




- Andrzej Brylak, Europa-Chef der Beauty-&-Health-Sparte von Fujifilm, trägt einen gepflegten Drei-Tage-Bart und duftet nach Rosen. Was daran liegt, dass der sportliche Pole mit Berufspilotenlizenz die an sich für Frauen gedachten Produkte der neuen Marke Astalift gern auch selbst vorführt. Zum Beispiel Jelly Aquarysta, ein rotes, an Wackelpudding erinnerndes Gelee. Der 42-Jährige trägt es auf seine Wangen auf, bedeckt sie mit beiden Handflächen (deren Wärme soll das Eindringen der Mikropartikel befördern) und massiert dann die Haut. Ganz wichtig sei die Massagerichtung: nach oben, damit der Lifting-Effekt auch eintrete und nicht das Gegenteil. Der Tiegel mit dem Wundermittel soll beachtliche 82 Euro kosten und in Deutschland mit anderen Astalift-Produkten im Mai auf den Markt kommen.

Aus dem Besprechungsraum in der Düsseldorfer Fujifilm-Europa-Zentrale blickt man in den japanischen Garten mit Teich samt Koi. Früher diente die grüne Oase als Freiluftstudio, Fotografen konnten dort die neuesten Filme ausprobieren. Aus und vorbei: Es wird fast nur noch digital fotografiert. Filme tragen bloß noch ein Prozent zum Konzernumsatz bei. Aber die Japaner haben - anders als die US-Konkurrenz von Kodak, der es schlecht geht - rechtzeitig das Ruder umgelegt und sich neu erfunden, unter anderem mit Medizintechnik und Kosmetik.

Kosmetik? Ist die nicht sehr weit entfernt vom einstigen Kerngeschäft? "Im Gegenteil", sagt Brylak, ein Mann mit Verkaufstalent, und setzt zu seiner powerpoint-gestützten Erklärung an. Ein Hauptbestandteil von Film wie auch der menschlichen Haut ist Kollagen. Und ein gemeinsames Problem die Oxidation, die Fotos ausbleichen und Haut altern lässt. Weil man sich bei Fujifilm mit Kollagen und Antioxidantien auskennt, kam man auf die Idee, Anti-Aging-Mittel zu entwickeln. In Japan ist Astalift - der Name leitet sich von dem aus Algen gewonnenen Wirkstoff Astaxanthin und Lifting ab - seit 2007 mit Erfolg auf dem Markt, in China seit 2010. Nun soll Europa erobert werden.

Wie alle seine Vorhaben geht der Konzern, der 7,5 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung steckt, auch dieses von der technischen Seite an. So betont Brylak, dass Fujifilm eine "Nano Company" sei und über die Expertise verfüge, kleinste Teilchen genau an die Stelle unter der Haut zu transportieren, wo sie hin sollten. Selbstbewusst spricht er von einer kosmetischen "Revolution" und davon, nicht nur mit Konzernen wie Lancôme und Estée Lauder in den Wettbewerb zu gehen, sondern auch mit "der plastischen Chirurgie".

In Schönheit alt werden - zum Verkauf dieses Traums gehört auch bei Fujifilm ein bisschen Glamour. Dafür ist als Marken-Botschafterin Naomi Watts zuständig, in die ein nicht unerheblicher Teil des Marketing-Etats investiert wird. Die 43-jährige Schauspielerin (u. a. "Mulholland Drive" und "J. Edgar") verdankt ihren strahlenden Teint zwar vermutlich mehr den guten Genen als der Beauty-Industrie, soll uns in der Werbung aber immerhin - das verspricht Brylak - unretuschiert präsentiert werden. -

Als Fujifilms Geburtshelfer fungiert der Staat: Die Firma wird 1934 aufgrund eines Regierungsbeschlusses zum Aufbau einer eigenen Fotofilm-Industrie gegründet und nach dem größten Berg Japans, dem Fujisan, benannt. Sie produziert zunächst Zelluloid fürs Kino, dann fotografischen und Röntgenfilm. Das Unternehmen ist - wie sein amerikanisches Vorbild Kodak - sehr innovativ, entwickelt in den Fünfzigerjahren den ersten Computer in Japan, später das weltweit erste Videoband und die digitale Radiografie. 1966 expandiert der Konzern nach Europa und Ende der Achtziger in die USA. Basis des Geschäfts bleibt aber über Jahrzehnte das heimische Quasimonopol für Filme, ähnlich lukrativ wie das von Gillette mit Rasierklingen. Einer, der rechtzeitig erkennt, was die Digitalisierung geschäftlich bedeutet, ist der heutige Vorstandsvorsitzende Shigetaka Komori. Er steuert den Konzern zur Jahrtausendwende um, setzt auf neue Geschäftsfelder wie innovative Werkstoffe, Medizintechnik, Life Science und kauft Firmen zu, die ins Portfolio passen. 2006 wandelt er Fujifilm in eine Holding um, die von Tokio aus geführt wird. Seine Ziele sind ambitioniert, auch für das neueste Geschäft in Europa. In der Gesichtspflege-Branche gilt Platz 5 als nächstes Etappenziel: 250 Millionen Euro Jahresumsatz. Fujifilm Holdings Corporation: Umsatz im Geschäftsjahr 2011: 19,6 Milliarden Euro; Gewinn: 1,4 Milliarden Euro; Mitarbeiter: 78862; Tochterfirmen: 239