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Flucht in Beton

Die Umsätze in der Baubranche wuchsen im vergangenen Jahr mit 12,5 Prozent so rasant wie zuletzt während der Wiedervereinigungseuphorie Anfang der Neunzigerjahre. Warum bloß?




- Der Bau boomt. Stärker als 2011 stiegen die Umsätze in der Branche zuletzt im Jahr 1992. Damals war es die Wiedervereinigung, die den Bau von Privatwohnungen, Gewerbeimmobilien und öffentlichen Gebäuden befeuerte. Bis 1995 dauerte die Euphorie. Dann kehrte Ernüchterung ein. Die Umsätze gingen zurück, erreichten 2005 mit rund 75 Milliarden Euro einen Tiefpunkt und pendelten sich schließlich bei um die 83 Milliarden Euro ein. Noch im Januar 2011 war die Stimmung schlecht. Branchenkenner prognostizierten, die Erlöse der Industrie würden weiter schrumpfen.

Ein Jahr später ist die Welt eine völlig andere: Die Umsätze der Branche sind 2011 um 12,5 Prozent gestiegen. Innerhalb eines Jahres wurden 93,4 Milliarden Euro umgesetzt. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch den privaten Wohnungsbau. Die Deutschen investierten 30,9 Milliarden Euro in neue und in die Renovierung alter Häuser und Wohnungen, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein im ersten Halbjahr 2011 wurden 108600 Neubauten genehmigt, ein Plus von 27,9 Prozent gegenüber 2010.

Für Hendrik Hagedorn, Bauexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist dies ein Indiz für die Stimmung im Land: "Die Flucht in Immobilien ist typisch für Wirtschaftsphasen, in denen die Menschen Angst vor einer Inflation haben." Hinzu kommt das krisenbedingt historisch niedrige Zinsniveau. Kredite für Privatleute sind derzeit besonders günstig. Es gibt allerdings auch Risiken. Nicht nur die Umsätze in der Baubranche steigen, auch die Immobilienpreise legen zu. Fraglich sei, so Hagedorn, ob die Einkommen in der Bevölkerung ausreichend wachsen, um hohe Mieten zahlen zu können. Falls nicht, könnte der Boom ein schnelles Ende finden. -