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Eine Kinderfrau in Hongkong

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Fe Loren verdient umgerechnet 460 Euro im Monat. Ihren Sohn hat sie auf den Philippinen an einer Privatschule angemeldet, wofür 30 Euro anfallen. Für sich und ihren Sohn hat sie eine Krankenversicherung abgeschlossen, die monatlich 28 Euro kostet. Die Raten für einen Kredit für ein kleines Haus auf den Philippinen belaufen sich auf 30 Euro im Monat. Ihrem Mann, einem Taxifahrer, schickt sie alle 30 Tage mindestens 60 Euro. Die sonntäglichen Telefongespräche mit ihm und dem Sohn schlagen mit 20 Euro im Monat zu Buche, weitere 15 Euro gibt sie für Bus-Tickets und gelegentlich mal eine Schale Dim Sum an einem Straßenstand aus. Zehn Prozent ihres Gehalts spendet sie der katholischen Kirche. 50 Euro legt sie für die Altersvorsorge zur Seite. Den Rest, spart sie für ihre Rückkehr in die Heimat.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Durch meine Arbeit möchte ich meiner Familie ein besseres Leben ermöglichen. Oft bin ich traurig, weil ich von meinem Sohn getrennt bin. Aber ich bin auch froh, eine Arbeit gefunden zu haben, bei der ich mit anderen Menschen zusammen bin. Kinderfrau zu sein ist für mich eine verantwortungsvolle Aufgabe."

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

"Mein Sohn. Ich mache das alles nur für ihn. Er soll eine gute Ausbildung erhalten. Gerade ist er in einem Alter, in dem er Polizist werden will. Aber ich hoffe, dass er einmal studieren und genug Geld verdienen wird, um ein gutes Leben zu führen."

Was möchten Sie in Ihrem Leben verändern?

"Mein größter Wunsch ist es, genug Geld zu sparen, um möglichst bald auf die Philippinen zurückzukehren. Gemeinsam mit meinem Mann würde ich gerne ein Internetcafé aufmachen. Einen ersten Computer haben wir bereits gekauft. Er hat 440 Euro gekostet."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

"Ich rede generell nicht gerne über meine Probleme und kenne hier auch kaum Menschen, mit denen ich das könnte. Ich habe ein paar Freundinnen, andere philippinische Frauen, die in Hongkong arbeiten. Aber die haben ihre eigenen Sorgen."

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

"Ein einziges Mal war ich in Hongkong in einer Bar. Eine Bekannte hatte mich dazu überredet. Sie meinte, ich müsste mehr Spaß haben. Ich habe einen für mich sehr teuren Cocktail getrunken und mir das lange nicht verzeihen können. Wenn ich Geld für Unsinn ausgebe, dauert es länger bis ich nach Hause zurückkehren kann."

Wie begegnet man Ihnen in Hongkong?

"Die Menschen interessieren sich nur fürs Geld. Sie mögen nur die reichen Investoren aus dem Westen. Hausangestellte wie mich verachten sie. Sie halten uns für ungebildet, sie wissen, dass wir sehr wenig verdienen. Deshalb sind wir in ihren Augen nichts wert. Ich habe es schon oft erlebt, dass ich im Bus angepöbelt wurde. Von den Westlern, die hier leben, werden wir freundlich behandelt. Immerhin passen wir auf ihre Kinder auf und putzen ihre Wohnungen."

Hongkong: Einwohner: 7,2 Millionen (davon etwa 115 000 Philippiner)
Währung: Hongkong-Dollar (9,58 HK-Dollar = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 27 607 Euro
Human Development Index: Platz 13 (Deutschland: 9 von 187 Ländern) Durchschnittspreise: 1 Quadratmeter Wohnraum im Zentrum (Kaufpreis): 19 323 Euro
1 Tasse Tee: 80 Cent
1 Rote-Bohnen-Eis: 50 Cent
1 Portion Dim Sum mit Shrimps
am Straßenstand: 1,50 Euro
im Hotelrestaurant: 7,50 Euro