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Der lange Draht

Märkte sind Gespräche. Die würden im Jahr 1866 enorm beschleunigt – mit einem Telegrafenkabel auf dem Grund des Meeres.




• Als Francis Ronalds im Jahr 1816 vorschlug, ein elektrisches Telegrafenkabel zwischen der Londoner Downing Street und dem Marinestützpunkt Portsmouth zu verlegen, wurde der Erfinder brüsk zurückgewiesen. Ein Sekretär der Admiralität teilte ihm mit: "Neue Telegrafen jeder Art sind vollkommen unnötig."

Eine kurzsichtige Entscheidung für eine Großmacht. Damals konnten Nachrichten von Großbritannien nach Amerika nur per Brief übermittelt werden. Und der segelte wochenlang auf einem Schiff über den Atlantik.

Dass das sehr umständlich war, sahen damals viele ein. Doch nicht die Marine, sondern private Unternehmen machten sich an das große Wagnis, die Informationsübermittlung zu beschleunigen. 1851 gelang es, das erste Telegrafenkabel auf dem Grund des Ärmelkanals zu verlegen. 15 Jahre später schaffte es die Anglo American Telegraph Company, eine Verbindung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten herzustellen. Damit begann eine neue Ära der Kommunikation.

Mit dem Telegrafen konnten Nachrichten für den Preis von wenigen Schillingen zwischen den Kontinenten verschickt werden, und der Absender hatte die Sicherheit, dass sie binnen kürzester Zeit auf der anderen Seite der Welt ankamen.

Schon 1880 war die Welt fest verdrahtet, fast 160000 Kilometer Telegrafenkabel lagen auf dem Boden der Ozeane. Sie verbanden Großbritannien mit Indien, Kanada, Australien und Afrika. Charles Bright, einer der Pioniere der neuen Technik nannte sie "das elektrische Nervensystem der Welt".

Und am Ende vergaß das Königreich auch den Urheber nicht. 1870, drei Jahre vor seinem Tod, wurde Francis Ronalds zum Ritter geschlagen. Als Ehrung für seine "frühen Studien in der Erforschung des Telegrafen". Er selbst hatte seine Erfindung nie patentieren lassen und sich längt auf andere Forschungsgebiete verlegt.