Partner von
Partner von

Blick in die Bilanz: Der Cash-Club

Oberstes Ziel des ADAC ist nicht die Gewinnmaximierung. Dennoch ist Europas größter Automobilclub profitabler als der Großteil der Topkonzerne hierzulande. Wie macht er das?




Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ist eine komplexe Gruppe: Dazu gehören neben der Münchner Zentrale 18 Regionalclubs, die separat bilanzieren und ein regelrechter Konzern, die ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH (BuW), in der der Club seine unternehmerischen Aktivitäten bündelt. Die Münchner sind gut unterwegs. 2011 traten dem ADAC e.V., einem eingetragenen aber nicht gemeinnützigen Verein, 581.000 neue Mitglieder bei, so viele wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. 18 Millionen sind es insgesamt. 988 Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen weist die Vereinsstatistik aus, von denen im Jahresabschluss der Zentrale allerdings nur 624,7 Millionen auftauchen, weil den Rest die Regionalclubs vereinnahmen.

Ein Blick in die Jahresabschlüsse der Zentrale (ADAC e.V.), ihrer Regionalclubs und der Tochter BuW zeigt: Alle Gesellschaften zusammen - wir zeigen hier aus Platzgründen nur Auszüge aus den Jahresabschlüssen der Zentrale und der BuW – sind überaus profitabel. Alles in allem erwirtschaftet die ADAC-Gruppe rund 1,8 Milliarden Euro an Erträgen. Der Jahresüberschuss – die Zentrale allein weist 23,4 Millionen Euro aus – liegt gruppenweit bei rund 150 Millionen. Bezogen auf den Gruppenumsatz ergibt das eine Rendite von gut acht Prozent – der Autoclub übertrifft damit den Großteil der börsennotierten deutschen Topkonzerne.

Der wichtigste Grund dafür ist die BuW. Sie profitiert vor allem vom Geschäft mit der sogenannten ADAC-Plus-Mitgliedschaft, die mittlerweile fast zehn Millionen der Mitglieder besitzen. Die Premiummitgliedschaft ist teurer und bietet neben der Pannenhilfe im Inland weltweiten Schutz, der vom Krankenrücktransport bis zum Dolmetscherservice reicht.

Gegen den Eintritt dieser Risiken versichert der Club seine Mitglieder – bei einer eigenen Versicherung, der ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG. Die offeriert erfolgreich auch noch andere Policen und verdient gut daran.

Der ADAC ist kein Billigheimer. Auch wenn die Beiträge seit 2005 stabil sind, gibt es preiswertere Pannenhilfen und Auslandsschutzbriefe. Aber der Club bietet in seinem Kerngeschäft exzellenten Service: Die gelben Engel (gut 1600, sie machen einen Großteil der Personalkosten aus) rückten 2011 zu 4,2 Millionen Pannenhilfen aus und konnten dank guter Ausbildung und hochwertiger technischer Ausstattung (die Kosten hierfür, etwa die Straßenwachtfahrzeuge, stecken in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen) in 84 Prozent der Fälle den Wagen vor Ort reparieren. Bei Assistance Partners, mit 308.000 Einsätzen die Nummer zwei in Deutschland, lag die Quote nur bei gut 40 Prozent. Das gute Image befördert den Verkauf nicht nur von Versicherungen, sondern auch von Kreditkarten: Der ADAC ist Deutschlands am weitesten verbreitete Nichtbankenmarke; sogar Sparangebote oder Autokredite profitieren. Dabei sind die Offerten oft nicht besonders günstig - für den ADAC aber umso profitabler. Die BuW erwirtschaftete 2011 gut 71 Millionen Euro und damit eine Eigenkapitalrendite von elf Prozent vor Steuern.

Ein wichtiges Instrument der Imagepflege ist die Mitgliederzeitschrift "ADAC Motorwelt", mit 13,7 Millionen Exemplaren Deutschlands auflagenstärkstes Magazin. Zwar scheinen die gut 50 Millionen Euro, die der Autoclub mit Anzeigen im Jahr 2011 erlöst haben will, hoch gegriffen. Doch selbst wenn es weniger wäre: Die viel beachteten Fahrzeug- und Zubehörtests sowie die Pannenstatistik sichern Aufmerksamkeit und Einfluss.

Beim ADAC ist man trotz des wirtschaftlichen Erfolgs vorsichtig. Wie viel auch immer die BuW verdient, sie stärkt ihre eigenen Rücklagen, führt nie mehr als zehn Millionen Euro an die Münchner Mutter ab. Deren Bilanz ist untadelig: keine Schulden, obwohl jüngst eine neue Zentrale für 325 Millionen Euro bezogen wurde; dazu fast 1,6 Milliarden Euro an Cash und Finanzanlagen, die konservativ investiert sind. Und das ist wiederum längst nicht alles: In den Bilanzen der Regionalclubs und der BuW ruhen weitere rund 1,6 Milliarden Euro.

Der 1903 gegründete ADAC ist heute der zweitgrößte Automobilclub der Welt und beschäftigt inklusive aller Töchter knapp 8500 Mitarbeiter. Er bietet Pannenhilfe, betreibt aber auch – in teilweise öffentlichem Auftrag – die größte Rettungshubschrauberflotte Deutschlands und ist eine einflussreiche Lobbyorganisation für die Autofahrer. Dafür wird der Verein heftig von Umweltschützern angegriffen. Andere Kritiker monieren Interessenkonflikte, die etwa dadurch entstehen, dass der ADAC Fahrzeuge testet und gleichzeitig Autobauern Servicepakete rund um die Abschlepphilfe verkauft.