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Die Geldeintreiber

Sie kassieren für Autoren, Komponisten, Fotografen sowie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – und machen sich damit nicht nur Freunde. Ein Überblick über die wichtigsten Verwertungsgesellschaften und ihre Usancen.




Gema
Voller Name: Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
Sitz: München Einnahmen: 825,5 Millionen Euro
Ausschüttungen: 702,3 Millionen Euro
Zahl der Mitarbeiter: 1074

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Was machen die?
Die Gema sorgt laut Selbstdarstellung dafür, dass Komponisten und Textdichter "für die Nutzung ihrer Werke angemessen entlohnt" werden. Ihre Mitglieder beauftragen die Gema treuhänderisch damit, Lizenzgebühren einzutreiben, die ihnen als Urheber eines Songs, einer Symphonie oder eines Klingeltons zustehen, wo immer das Werk gespielt wird. Die Gema nimmt nicht die Rechte der Interpreten wahr - dafür ist die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten zuständig (GVL). Wie machen die das?
Überall dort, wo das Repertoire ihrer Mitglieder ertönt, hält die Gema die Hand auf. Ganz gleich, ob die Musik aus dem Radio kommt, live von der Bühne oder ob sie beim Shoppen im Hintergrund dudelt. Es gibt Tarife für "Erotikfilmvorführungen in Videoeinzelkabinen" (92,80 Euro pro Kabine und Jahr), für die "Bildtonträgernutzung in Arztpraxen" (jährlich 123,70 Euro) und sogar für die "Nutzung von Werken in Gottesdiensten" (jährlich 840 Euro bei Gemeinden ab 3000 Mitglieder). 130 "externe Kundenberater", wie die Gema sie nennt, kontrollieren vor Ort zum Beispiel, ob in dem Hinterhofschuppen oder der alten Lagerhalle der Tatbestand "mechanische Musikwiedergaben in Veranstaltungsräumen mit regelmäßigem Tanz" vorliegt. Falls ja, gilt nämlich der Diskothekentarif. Um dann herauszubekommen, an wen die Tantiemen zu verteilen sind, macht die Gema ein Diskotheken-Monitoring: Durch regelmäßig einstündige Stichprobenmitschnitte auf 120 Tanzflächen bundesweit rechnet sie die "Gesamtspieldauer eines bestimmten Titels auf allen Tanzflächen" hoch.

Klingt bizarr? Die Gema schwört darauf, dass ihre Hochrechnungen verlässlich sind.

Zu hohe Gebühren, ein Verwaltungswasserkopf, mafiöse Strukturen: Es vergeht keine Woche, in der Veranstalter, Musiker oder Nutzer nicht öffentlich die größte Verwertungsgesellschaft des Landes kritisieren. Derzeit etwa herrscht "Entsetzen" und gar "Wut und Verzweiflung" in der deutschen Gaststättenbranche, wie deren Verband Dehoga schreibt: Auf Clubs und Kneipen kämen ab 2013 existenzbedrohende Abgabeerhöhungen von bis zu 2000 Prozent zu. Eine Petition gegen dieses Unheil hat in drei Monaten schon mehr als 120000 Unterstützer gefunden (Stand Juni). Die Gema verweist darauf, dass sie nur bis zu einer Obergrenze von maximal zehn Prozent des geldwerten Vorteils aus Eintrittsgeldern kassiert.

Die häufigste Kritik an der Gema ist, dass ihre komplizierten Verteilungspläne und -schlüssel die Großen begünstigten. Statt zum Beispiel bei Konzerten einfach die von den Veranstaltern abgeführte Gebühr an die Urheber weiterzureichen, hat sich die Gema Ende 1998 einen komplizierten Verteilungsalgorithmus ausgedacht – das "Pro Verfahren" -, das Evergreens deutlich besser stellt als Eigenkompositionen kleinerer Bands.

"Die Schlagerkomponisten und die Erben haben das für sich so maßgeschneidert, dass ein Song, der viel gecovert und rund ums Jahr in allen Bundesländern gespielt wird, quasi mehr wert ist. Er gelangt in eine höhere Bewertungskategorie als der einer Band, die ihr eigenes Repertoire spielt und ständig erneuert", sagt Ted Gaier, Musiker der Band Goldene Zitronen. "Dadurch geht ein großer Teil der Gema-Gebühren, die ein Veranstalter bei einem Konzert von uns abdrückt, an Leute, die irgendwann einmal einen Hit geschrieben haben, der nun in irgend welchen Hotellobbys gedudelt wird. Für viele Livemusiker hat das damals die Ausschüttungen halbiert, das war existenzbedrohend." Nach anderthalb Jahrzehnten Kritik am "Pro Verfahren" hat die Gema nun angekündigt, über eine Reform nachzudenken, die sich mehr an dem orientiert, was die Veranstalter tatsächlich abrechnen.

Dass sie vor allem die Interessen der Dieter Bohlens, Ralph Siegels und anderer Mainstream-Komponisten und -Texter im Blick hat, dieser Verdacht drängt sich auf. Bei der Mitgliederversammlung sind lediglich ordentliche Mitglieder stimmberechtigt - und das kann nur werden, wer schon fünf Jahre außerordentliches Mitglied war und zudem ein Mindestaufkommen erreicht hat. Als Komponist beispielsweise in fünf aufeinanderfolgenden Jahren 30000 Euro pro Jahr. Was dazu führt, dass nur etwa fünf Prozent der Mitglieder fast alle Stimmrechte haben. Etwa zwei Prozent der Stimmrechte entfallen auf die restlichen angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder. "Bezogen auf die Erträge, die zu einem Drittel mit Werken von außer ordentlichen und angeschlossenen Mitgliedern erwirtschaftet werden, müsste deren Anteil an der Mitgliederversammlung ein Drittel betragen", kritisiert der Konzertveranstalter Berthold Seliger.

Frank Dostal, stellvertretender Gema-Aufsichtsratsvorsitzender, hält den Verein dennoch für solidarisch. Erfolgreiche Schlagerkomponisten wie Christian Bruhn ("Marmor, Stein und Eisen bricht") würden mit einer eigenen Verwertungsgesellschaft, die höhere Tantiemen verlangt, deutlich besser fahren. "Oder nehmen wir an, ein Verwerter bietet 20 Prozent für das Pop-Repertoire, aber für Jazz dafür nur sieben Prozent: So etwas würden wir nie akzeptieren! Ein nicht populäres Musikstück erhält genauso viel wie ein Hit", sagt der einstige Sänger der Rattles und spätere Texter ("Lied der Schlümpfe", "Yes Sir, I Can Boogie"). Und: "Dass der Verteilungsplan so kompliziert wirkt, liegt meist daran, dass wir ihn immer wieder verbessern. Aber wir haben erkannt, dass wir mit einer weitgehenden Straffung besser fahren werden." In den kommenden drei bis sechs Jahren werde das passieren, verspricht Dostal.

Nicht so viel Zeit will man sich lassen, wenn es um Tantiemen für Musik im Internet geht. Derzeit nimmt die Gema gerade mal 21 Millionen Euro aus dieser Quelle ein. Das soll sich ändern.

Seitdem sie gerichtlich gegen Youtube vorgegangen ist – und damit gegen deren Eigner Google – kennen selbst Elfjährige die Gema. Wenn sie bei Youtube auf ein Pitbull- oder Adele-Video klicken, poppt oft die Meldung auf: "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der Gema nicht eingeräumt wurden." Was natürlich eine gezielte Provokation von Google ist, um den Zorn der Kids auf die Spielverderber aus München zu lenken.

Tatsächlich läuft das Gros des Gema-Repertoires nach wie vor einwandfrei auf Youtube. Auch Frank Dostals "Lied der Schlümpfe" kommt auf ungefähr zwei Millionen Klicks. Wenn Youtube den dafür angesetzten Tarif zahlte, wären dafür allein mindestens 12000 Euro fällig. Denn die Gema will von "werbefinanzierten Streaming-Diensten" wie Youtube bis zu 0,6 Cent pro abgerufenem Titel.

Doch Google, Börsenwert 150 Milliarden Dollar, hat sich bislang gegen eine Bezahlung pro Abruf gesperrt und strebt stattdessen ein "non disclosure agreement" an, sprich: eine Pauschale, deren Höhe geheim bleiben soll. So hat der Web-Riese es zum Beispiel mit der englischen Verwertungsgesellschaft PRS for Music vereinbart, die auf ihrer Website allerdings einräumt, sich mit dem Deal "nicht besonders wohlzufühlen". "Die halten so lange Schecks hoch, bis die Leute weich werden", sagt Dostal. Nicht so die Gema: "Wir sind die stärkste, selbstbewussteste und sturste Verwertungsgesellschaft der Welt – und die, in der die Urheber den größten Einfluss haben."

Aber sind 12000 Euro für zwei Millionen angeklickte Schlümpfe überhaupt angemessen? "Das hängt davon ab, wie viel Google damit erlöst - sie müssten uns ihr Geschäftsmodell darlegen", sagt Frank Dostal. "Am liebsten wären mir 50 Prozent der Erlöse, ein Drittel halte ich für angemessen. Auf jeden Fall müssten es bei einer Firma, die gar keine Tonträger mehr produziert, mehr sein als die üblichen zehn Prozent." Womit auch noch ein zentrales Prinzip der Gema benannt wäre: Trotz des beeindruckenden bürokratischen Aufwands – 1074 Mitarbeiter und ihre Arbeitsmittel verschlingen jährlich 123,2 Millionen Euro oder 14,9 Prozent der Erträge - geht es bei ihr bisweilen zu wie auf einem orientalischen Basar: Sie nennt einen Tarif, der Kunde protestiert lauthals – und irgendwann einigt man sich. Zur Not vor einer Schlichtungsstelle oder einem Zivilgericht.

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VG Wort
Voller Name: Verwertungsgesellschaft Wort
Sitz: München Einnahmen: 120,09 Millionen Euro
Ausschüttungen: 120,8 Millionen Euro (aus Einnahmen 2010)
Zahl der Mitarbeiter: 98

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Was machen die?
Die VG Wort sorgt dafür, dass Autoren, Übersetzer und Verleger Tantiemen ausgezahlt bekommen, die für die Zweitverwertung ihrer Werke durch Kopieren, Verleih oder Digitalisierung anfallen. Wie machen die das?
Wo immer Texte verwendet und verwertet werden, sind an die VG Wort Lizenzen abzuführen. Sie nimmt Geld ein von Bibliotheken (elf Millionen Euro), Kopiergeräteherstellern (70 Millionen Euro), Kopierbetreiber (3,4 Millionen Euro), Hörfunk- und Fernsehsendern (7,8 Millionen Euro). Das Aufkommen aus der "Kabelweitersendung", also der Übertragung der Programme via Kabel und Satellit, macht noch mal knapp zehn Millionen Euro aus (8,4 Fernsehen und 1,5 Hörfunk).

Beispiele? Pro verkauftem Scanner zahlen die Hersteller pauschal 12,50 Euro, pro Tintenstrahldrucker werden fünf Euro fällig, bei Lasermultifunktionsgeräten je nach Leistungsfähigkeit bis zu 87,50 Euro. Auch das Kopieren selbst kostet: Der Betreiber eines Copyshops, der sich an einem Ort ohne Hochschule befindet und nur alte Kopierer hat, zahlt pro Gerät und Jahr 19,32 Euro. Wenn der Copyshop in Uninähe liegt und die Kopierer schnell sind (mehr als 70 Kopien pro Minute), fallen 154,56 Euro pro Jahr und Gerät an.

Für das Zusammenstellen von Artikeln für Pressespiegel auf Papier berechnet die VG Wort 5,12 Cent pro Seite. Elektronisch wird's komplizierter, weil die Vergütung dann gestaffelt ist: Hier will die Verwertungsgesellschaft zum Beispiel 1,29 Cent pro Artikel und Regelnutzer haben, wenn die Zahl der Regelnutzer zwischen 1001 und 2000 liegt. Regelnutzer sind alle, die fortlaufend einen Pressespiegel erhalten.

So viel zur Einnahmenseite. Doch wohin geht das Geld? 8,12 Millionen Euro an Bibliotheks-Tantiemen verteilt die VG Wort (5,5 Millionen Euro an die Autoren, 2,6 an die Verlage), 3,9 Millionen Euro an Presseausschüttungen und 1,9 Millionen für die Verwendung von Texten in Schulbüchern. Dazu kommen Summen unterhalb einer Million Euro für das Fotokopieren in Schulen (734011) und Volkshochschulen (100283), Kleine Senderechte (699639), Videovermietung (753646) sowie für den Kopienversand auf Bestellung (880266).

Das allergrößte Stück des Kuchens aber geht an Autoren und Verlage wissenschaftlicher Bücher und Zeitschriften: 62,2 Millionen Euro, also mehr als die Hälfte der Ausschüttungen. 43 Prozent davon kassieren die Verlage, 57 Prozent die Autoren. Das bedeutet: Wissenschaftliche Autoren erhalten rund 800 Euro pro Buch oder vier Euro pro Schreibmaschinenseite.

Man könnte also sagen: Die VG Wort nimmt's von der Kopiergeräteindustrie und gibt's der Wissenschaft. Ein netter Zug! Aber willkürlich, weil historisch gewachsen? Keinesfalls, entgegnet Robert Staats, geschäftsführender Vorstand der Verwertungsgesellschaft: "Wir stellen mit empirischen Erhebungen fest, was wie oft kopiert wird - daher wissen wir, dass es vor allem wissenschaftliche Werke sind." Und bekommen die Juristen mehr als etwa die Finnougristen, weil sie mehr kopiert werden? "Nein, in diesem Bereich geht es um Pauschalvergütungen, das geht auch nicht anders – eine Aufteilung etwa in Fächer wäre ein riesiger Mehraufwand."

Praxis der VG Wort – wie auch der Gema oder der VG Bild-Kunst – ist es, Verlage an den Lizenzen für Urheberrechte zu beteiligen, obwohl sie keine Urheber sind. Ende Mai 2012 sorgte ein Urteil des Landgerichts München für Aufregung: Ein Autor – der Münchner Patentrichter und Urheberrechtsexperte Martin Vogel – hatte dagegen geklagt, dass die VG Wort einen Teil seiner Tantiemen einbehalten und an den Verlag ausgeschüttet hatte – und bekam Recht. Die VG Wort argumentiert, der Kläger sei ein Einzelfall – de facto sieht das Urhebergesetz auch vor, dass Urheber ihre Vergütungsansprüche an einen Verleger abtreten können, wenn der sie durch eine Verwertungsgesellschaft wahrnehmen lässt (§63a UrhG).

Der Streitpunkt ist, ob es rechtmäßig ist, pauschal einen Anteil an die Verleger auszuschütten, ohne im Einzelfall zu prüfen, ob die Autoren den Verlagen das überhaupt vertraglich zugestanden haben. Rainer Just, ebenfalls geschäftsführender Vorstand bei der VG Wort, argumentiert, es sei "das Wesen der kollektiven Rechtewahrnehmung, zu pauschalieren. Die Überprüfung und die Pflege von Änderungen individualvertraglicher Regelungen und medienbezogener AGB sind aus unserer Sicht effizient nicht leistbar, wenn überhaupt möglich."

Ein Beispiel: Ende Mai beschloss Spiegel Online neue Geschäftsbedingungen für die freien Autoren, in denen die bei den Verwertungsgesellschaften eingebrachten Rechte "grundsätzlich von der Rechteeinräumung ausgenommen sind". Sprich: Den Autoren stehen nunmehr hundert Prozent der Tantiemen zu. Dennoch wird ihnen die VG Wort laut Verteilungsplan nur 60 Prozent ausschütten. Das könnte sich durch das Münchner Urteil nun ändern. Just warnt, dass bei einer Einzelprüfung der Verträge "der Verwaltungskostensatz von derzeit günstigen 7,46 Prozent "erheblich zunehmen müsse, da unser Aufwand erheblich steigen würde, die Einnahmen jedoch nicht". Zum Vergleich: Die Gema erhebt fast 15 Prozent Verwaltungsgebühren.

Rätselhaft ist, warum der Posten "Texte im Internet" mit gerade mal 3,1 Millionen Euro zu Buche schlägt – obwohl mittlerweile auch Blogger ab einer gewissen Popularität Anspruch auf Tantiemen haben. Tatsächlich ist das Onlinemeldesystem, das die im Web veröffentlichten Texte registriert und per "Zählpixel" ihre Popularität misst, ziemlich jung und "noch immer in der Entwicklung begriffen", wie Robert Staats einräumt.

Mehr Geld an die Autoren könnte auch fließen, wenn die Hersteller von Computern anfingen, Geld an die Verwertungsgesellschaften abzuführen. Doch das ist ein anderes Kapitel, das nun folgt.

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ZPÜ
Voller Name: Zentralstelle für private Überspielungsrechte
Sitz: München
Einnahmen aus Gebühren: kein eigener Etat, weil ein Zusammenschluss der Verwertungsgesellschaften
Mitarbeiter: Die ZPÜ ist an die Gema angeschlossen

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Was machen die?
In der ZPÜ haben sich die deutschen Verwertungsgesellschaften zusammengeschlossen (Gema, VG Wort, VG Bild-Kunst, VFF, GWFF, VGF, Güfa und GVL), um Gebühren einzutreiben und zu verteilen, die für Computer, MP3-Player, USB-Sticks, Mobil- und Smartphones, Brenner, Speicher, Festplatten sowie "Leermedien" anfallen – also CDs, DVDs, BluRay-Discs, Audiokassetten etc. Wie machen die das?
Noch nicht ganz perfekt – denn bisher fließen weder für Mobiltelefone mit Touchscreen (vorgesehen sind 16 Euro für bis zu acht Gigabyte) noch für CD- und DVD-Brenner (sieben Euro) oder USB-Sticks (0,91 Euro bis vier Gigabyte) Abgaben an die Verwertungsgesellschaften. Das liegt daran, dass die Verhandlungen über Tantiemen für Computer seit mehr als zwei Jahren stocken. Anfang 2010 hatte sich die ZPÜ schon einmal mit dem Herstellerverband BCH auf eine Pauschale von 13,65 Euro pro PC mit Brenner geeinigt. Andere Branchenverbände allerdings akzeptierten diese Vereinbarung nicht. Seither sitzen die ZPÜ und die Verbände am Verhandlungstisch. Anders als im Fall von Youtube haben die Verwertungsgesellschaften kein unmittelbares Druckmittel. "Man kann nur hoffen, dass es bald zu einer Lösung kommt", sagt VG-Wort- Geschäftsführer Robert Staats.

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GEZ
Voller Name: Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland
Sitz: Köln
Einnahmen aus Gebühren: 7,5 Milliarden Euro
Zahl der Mitarbeiter: 1100

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Was machen die?
Die GEZ hat nur einen Auftrag: die Gebühren für alle Fernseh- und Hörfunksender einzuziehen, die zur ARD, zum ZDF und zum Deutschlandradio gehören. Wie machen die das?
Sie kassieren, und zwar bislang pro Empfangsgerät. Sprich: für 32 Millionen Fernseher (monatlich 17,98 Euro), 38 Millionen Radios (monatlich 5,76 Euro) und 328000 "neuartige Empfangsgeräte" oder auch "neuartige Rundfunkempfangsgeräte" (monatlich ebenfalls 5,76 Euro). Letzteres ist GEZ-Deutsch für alles, was per Internet Radio- oder Fernsehprogramme empfangen kann. Also Computer, Smartphones etc. Dass nur so wenige Computernutzer ihr Gerät bei der GEZ anmelden, liegt einfach daran, dass die Gebühr nur anfällt, wenn weder Radio noch Fernseher im Haushalt stehen. Rund zehn Prozent der Fernseher und Radios sind gebührenbefreit – fast 52 Prozent der gebührenbefreiten Geräte entfallen auf "Empfänger von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II".

Für ein Radio und Fernsehgerät zusammen beträgt die Gebühr ebenfalls 17,98 Euro. Ein paar ganz ausgefuchste Köpfe haben sich bei der GEZ deshalb eine Reform ausgedacht: Ab 2013 wird die Gebühr von 17,98 Euro nicht mehr auf die Geräte, sondern pro Wohnung erhoben. "Eine Wohnung ist eine ortsfeste, baulich abgeschlossene Einheit, die zum Wohnen oder Schlafen geeignet ist oder genutzt wird, einen eigenen Eingang hat und nicht ausschließlich über eine andere Wohnung begehbar ist", schreibt die GEZ, die dann auch nicht mehr so heißen soll, sondern irgend wie anders. Aber wohl auch nicht "ARD-ZDF-Deutschlandradio-Beitragsservice", wie die Nachrichtenagenturen Ende Mai meldeten.

Die künftige Wohnungspauschale stellt die Nur-Radiohörer deutlich schlechter: Statt jährlich 69,12 Euro Gebühr müssen sie 215,76 Euro berappen. Wohngemeinschaften sparen mit der Reform wiederum, weil ja nicht mehr jedes Gerät berechnet wird.

Die Verteilung von 7,5 Milliarden Euro jährlicher Gebühren zwischen ARD, ZDF und Deutschlandfunk sowie den Landesrundfunkanstalten regelt der Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag: Von den 17,98 Euro gehen 5,76 Euro an Deutschlandradio (sieben Prozent) und an die Landesrundfunkanstalten (93 Prozent). Die restlichen 12,22 Euro sind die "Fernsehgebühr" und verteilen sich im Verhältnis 60 zu 40 auf ARD und ZDF.

Um die Sportrechte an der WM 2014 in Brasilien, der EM 2016 in Frankreich und den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro kaufen zu können, wollen ARD und ZDF rund eine halbe Milliarde Euro locker machen – was zu einer Gebührenerhöhung von rund einem Euro pro Monat führen könnte. 

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Gema-Tarife

Jährliche Vergütungssätze ohne Umsatzsteuer für die Nutzung des Gema-Repertoires
In einem Omnibus mit bis zu 80 Sitzplätzen: 132,10 Euro
In einem Flugzeug mit bis zu 100 Sitzplätzen: 543,70 Euro
In einem Schiff für bis zu 200 Personen: 470,90 Euro
In Telefonwarteschleifen und auf Anrufbeantwortern je 30 Amtsleitungen: 142,90 Euro

Vergütungssatz ohne Umsatzsteuer für die Nutzung von Gema-Werken je Ereignis
Bei einer Bestattung: 15 Euro
Bei einer Trauung: 15 Euro

Jährlicher Vergütungssatz ohne Umsatzsteuer für die Musikwiedergabe von Original-CDs
In Diskotheken mit bis zu 100 Quadratmetern: 3479,87 Euro

Jährlicher Vergütungssatz ohne Umsatzsteuer für die Musikwiedergabe als Hintergrundmusik von Original-CDs
In Einzelhandelsgeschäften bis zu 100 Quadratmetern: 86,88 Euro
In Fitness-Studios und Saunen bis zu 100 Quadratmetern: 212,28 Euro
Im Bistro eines Fitness-Studios bis zu 100 Quadratmetern: 210,72 Euro
In einer Spielhalle mit bis zu zwölf Geräten: 280,92 Euro
In Aufenthaltsräumen bis zu 100 Quadratmetern von Seniorenheimen: 73,68 Euro
Tarife der ZPÜ/VG Wort/VG Bild-Kunst
Anfallende Vergütung (ohne Umsatzsteuer) für den Hersteller je
Videorekorder: 15 Euro
DVD-Rekorder -VCR +HDD: 39 Euro
TV-Gerät mit HDD: 34 Euro
Kassettenrekorder: 7 Euro
MP3-Player: 5 Euro
Speicherkarte mit bis zu 4 Gigabyte Speichervolumen: 0,91 Euro*
Speicherkarte ab 4 Gigabyte Speichervolumen: 1,56 Euro*
Netzwerkfestplatte mit mehr als einem Terabyte: 17 Euro
externer Festplatte ab einem Terabyte Speichervolumen: 9 Euro
Mobiltelefon ohne Touchscreen: 12 Euro * ab 1.7.2012