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Der Aushilfsbanker

Die USA haben die Federal Reserve. Doch ehe sie so weit waren, mussten sie lernen – auf die harte Tour.




• Jakob Schiff sprach 1906 mit der Autorität eines Mannes, der wusste, wie ernst es war: Sollten die USA ihr Finanzsystem nicht reformieren, so der Chef der New Yorker Bank Kuhn, Loeb & Company, drohe "eine Panik, die alle früheren Paniken wie Kinderspiele aussehen lässt".

Tatsächlich waren die Zustände in der Geldwirtschaft seit Langem chaotisch. Schon 1840 waren mehrere US-Bundesstaaten pleitegegangen, Banken liefen regelmäßig auf Grund, sie überlebten im Schnitt nur fünf Jahre. Für den in Frankfurt geborenen Jakob Schiff war klar: Die USA brauchten eine Zentralbank, wie sie viele europäische Staaten längst hatten.

Doch die Warnung verhallte zunächst ungehört, mit schlimmen Folgen. Im Jahr 1907 brach die New York Stock Exchange (NYSE) gleich zweimal ein, der Dow Jones Index verlor die Hälfte seines Wertes. Die Banken drohten zu kollabieren.

Das war die Stunde eines 70-jährigen Bankiers: John Pierpont Morgan. Er ließ Mitarbeiter ausschwärmen, die herausfinden sollten, welches Geldinstitut noch zu retten war. Bei positiven Aussichten, gab Morgan einen Kredit. An einem der schlimmsten Tage lieh er der NYSE 24 Millionen Dollar. Als der Staat New York pleite war, gewährte er einen Kredit von 30 Millionen Dollar.

Morgan war ein Zentralbanker ohne Mandat. Aber es war nicht Selbstlosigkeit, die ihn trieb, sondern das Geschäft mit seinen Kunden. Sie hatten bei ihm große Summen in die wachsende Wirtschaft der USA investiert.

Als die Krise im Griff war, ging es darum, das System zu stabilisieren. Morgan zog sich mit dem Senator Nelson Aldrich und dem Banker James Stillman nach Jekyll Island zurück. Die Männer nahmen unterschiedliche Züge, sprachen sich mit falschem Namen an und taten so, als wären sie zur Entenjagd gekommen. Denn ihre Mission war streng geheim: Sie arbeiteten an einem Plan für die Federal Reserve. Eine Zentralbank sollte Bankenkrisen künftig verhindern. 1913 wurde das Gesetz zur Gründung der Fed verabschiedet, deren Aufgabe ihr Chef Ben Bernanke heute so beschreibt: Sie solle "dem Problem der Panik im Finanzsystem Herr werden".