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Studiosus

Studiosus ist mit einer sehr deutschen Art des Urlaubs groß geworden: Bildungsreisen. Die beste Werbung für die Firma machen die Kunden.




• Es gibt wohl kaum ein Geschäft, das so vom Weltgeschehen abhängig ist wie das von Peter-Mario Kubsch, Chef des Reiseveranstalters Studiosus. So ging die Zahl seiner Kunden in Griechenland – dem Mekka für Bildungsurlauber – in diesem Jahr um 61 Prozent auf 780 zurück. "Dort herrscht eine große Depression", sagt Kubsch, "und bei einer Studienreise bekommen die Leute das – anders als bei einem Badeurlaub - zwangsläufig mit." Auch in den Nahen Osten zieht es derzeit wenige Leute. Kubsch, der eine Krawatte mit Elefantenmotiven trägt, nimmt's gelassen – er hat schon viele Krisen kommen und gehen sehen. Außerdem ist es Studiosus gelungen, mehr Menschen in andere Weltgegenden zu locken, zum Beispiel nach Indien. Insgesamt ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Den Gewinn will Kubsch nicht verraten. Seine Firma, die europäischer Marktführer in ihrem Segment ist und mit Marco Polo eine Zweitmarke für jüngere, weniger solvente Kunden besitzt, gilt im Branchenvergleich als hochprofitabel.

Sonst erzählt der 56-Jährige gern: über die Infizierung mit dem "Reisevirus" in früher Jugend. Darüber, dass er Gruppen inkognito begleitete, bis sein Gesicht aus den Katalogen zu bekannt war. Und über das dem Unternehmen zugrundeliegende "Goethesche Bildungsideal". Weil es sich dabei um ein deutsches Phänomen handelt, muss Kubsch ausländische Konkurrenz nicht fürchten – es gibt kaum welche.

Allerdings hat sich der typische Studiosus-Kunde und dessen Kulturbegriff verändert – in etwa so wie das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der von antiken "Trümmern" (Firmenjargon) faszinierte Studienrat ist eine aussterbende Spezies, deshalb stehen neben Akropolis, Pyramiden und Taj Mahal heute Alltagskultur, Politik und Ökonomie auf dem Programm. So können Bildungshungrige in Bangladesch die vom Nobelpreisträger Muhammad Yunus gegründete Grameen Bank besuchen und dort über das Für und Wider von Mikrokrediten diskutieren. Im Ural mit Bauern, Falknern und Altgläubigen plaudern. Oder in der Toskana kochen lernen. Und wer einen Gruppenkoller bekommt, der darf sich auf eigens zu diesem Zweck konzipierte individuelle "Extratouren" begeben, um den lieben Mitreisenden für einige Stunden zu entfliehen.

Die wichtigsten Markenbotschafter des Unternehmens sind die Reiseleiter. "Mit ihnen", sagt Kubsch, "steht und fällt jede Tour." Daher investiere man viel in ihre Ausbildung und bezahle sie gut. Die beste Werbung für Studiosus machen die Kunden, meist ältere, gebildete, weltläufige Leute. Sie werden nach jeder Reise zwecks interner Qualitätskontrolle ausführlich befragt. Demnach sind 93 Prozent zufrieden mit ihrer Reise, 98 Prozent würden den Veranstalter weiterempfehlen.

Die Rückmeldungen der Gäste sind neuerdings auch auf der Homepage nachzulesen – inklusive der weniger erfreulichen. So ist eine Wandertour in Nepal im Frühjahr offenbar nicht zu empfehlen – der Smog, der zu dieser Zeit über Kathmandu liegt, nahm den Reisenden die Sicht auf Himalaya-Attraktionen.

Werner Kubsch schreckt vor unmöglichen organisatorischen Aufgaben nicht zurück. Im Frühjahr 1949, noch vor Gründung der Bundesrepublik, macht der AStA-Auslandsreferent seinen Kommilitonen an der Universität München per Aushang ein Angebot: "Studienreise – 15 Tage mit dem Fahrrad durch Italien. 120 Mark. Alles inklusive." 1000 Interessenten melden sich, und Kubsch gelingt unter abenteuerlichen Bedingungen eine der ersten organisierten Italien-Touren. 1954 gründet er Studiosus und begleitet seine Kunden "durch die Schluchten des Balkans" nach Griechenland. Das Angebot wird Jahr für Jahr ausgeweitet, später kommen Aktivurlaube, Sprach- und Event-Reisen hinzu. Kubschs Sohn Peter-Mario tritt 1984 in die Firma ein und gelangt 1992 an die Spitze. Er setzt mit der Übernahme von Marco Polo 1998 auf Expansion sowie als Pionier in der Tourismusbranche auf Öko- und Sozialstandards. Denn, so sein Credo: "Als Gast in einem fremden Land darf man nur Gastfreundschaft erwarten, wenn man ein guter Gast ist." Unternehmensgruppe Studiosus Mitarbeiter: 310
Reiseleiter: mehr als 600 
Umsatz 2012: rund 233 Mio. Euro
Zahl der Länder im Programm: 124