Partner von
Partner von

In eigener Sache

Liebe Leser,


mit der Juli-Ausgabe von brand eins (Schwerpunkt: Digitale Wirtschaft) wurde als Beilage für Abonnenten die Publikation "Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft; Unterzeile: Ein Magazin über die Pharmaindustrie" verschickt, die von der brand eins-Schwester brand eins Wissen im Auftrag des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) erstellt wurde. Auftrag war, nach Antworten auf die Frage zu suchen, warum zwar im Krankheitsfall die Produkte der Branche geschätzt, ihr aber generell (im Einzelfall vielleicht auch nicht grundlos) zweifelhafte Motive unterstellt werden. Auftraggeber und Auftrag der Publikation wurden auf den Seiten 2 und 5 in zwei Editorials vorgestellt.

Dennoch hat der Presserat, aufgrund der Beschwerde eines Abonnenten, brand eins eine Rüge ausgesprochen: "Der Beschwerdeausschuss sieht in der Publikation 'Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft' eine Verletzung des in Ziffer 7 des Pressekodex festgehaltenen Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. Die Mitglieder sind übereinstimmend der Auffassung, dass das Heft den Eindruck erweckt, als handle es sich um eine Sonderausgabe des Magazins brand eins, insbesondere da beide Publikationen im selben Verlag erschienen sind. Für den Leser wird nicht auf Anhieb deutlich, dass dies nicht der Fall ist, sondern das Heft im Auftrag des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie erstellt wurde."

Dies müssen wir hinnehmen, und wir entschuldigen uns bei jedem Abonnenten, der sich durch die Beilage getäuscht fühlte. Gleichzeitig wollen wir die Gelegenheit nutzen, ein paar Fragen zu klären, die rund um diesen Vorfall aufgetaucht sind:

1. Hat brand eins gegen die Rüge geklagt?

brand eins hat nicht gegen die Rüge geklagt – das Presseratsverfahren erlaubt keine Form des Widerspruchs –, sondern gegen die Pressemitteilung, die am 28. September 2012 vom Presserat verbreitet wurde (übrigens zwei Wochen vor dem Versand der Begründung an brand eins). In dieser Pressemitteilung wurde behauptet, "die Redaktion des Wirtschaftsmagazins (sc. brand eins) hatte – im Auftrag des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie – eine Publikation geschrieben...", was falsch ist. Die Redaktion – also die Konzeption des Heftes, die Auswahl der Geschichten und Autoren wie auch die Bearbeitung der Texte – lag ausschließlich bei brand eins Wissen und deren Chefredakteurin Susanne Risch; die Redaktion des Wirtschaftsmagazins brand eins war zu keinem Zeitpunkt involviert. Dies war der Publikation selbst, deren Impressum und auch unserer Stellungnahme an den Presserat eindeutig zu entnehmen. Der Presserat lenkte auch schnell ein und unterzeichnete am 2. Oktober 2012 eine Unterlassungserklärung. Die Rüge selbst war davon nicht betroffen.

2. Warum heißt die Corporate-Publishing-Tochter des Verlags brand eins Wissen – ist das nicht schon von der Namensgebung her eine Täuschung?

Diesen Vorwurf haben wir in diversen Blogeinträgen zur Presseratsrüge gelesen – und waren verblüfft: So kann man das auch sehen? Tatsächlich wollten wir vor allem transparent sein und unsere Auftragsarbeiten nicht hinter fremden Etiketten verstecken; zudem sollte die Namensgebung signalisieren, dass sich auch diese Tochter den Werten der brand eins Medien AG verpflichtet fühlt.

Bei der Gründung von brand eins Wissen im Jahr 2001 standen wir vor folgendem Problem: Die Dotcom-Blase war geplatzt, die Anzeigenumsätze gingen branchenweit in den Keller – und brand eins war in seinem zweiten Jahr nicht annähernd in der Lage, die Durststrecke durchzustehen.

Damals beschlossen wir, uns mit Corporate Publishing ein zweites Standbein aufzubauen. Allerdings eines, das zum Hauptprodukt passt: weil es Wert legt auf gründliche Recherche, akribische Dokumentation, opulente Optik und eine gute Schreibe - auch wenn hinter all dem ein zahlender Kunde steht. Die Idee war, auch das beeinflusste die Namensgebung, das Wissen von Unternehmen in Geschichten umzusetzen. Ohne plumpe PR, ohne Lobhudel-Texte über den Auftraggeber und mit der klaren Verabredung, keine Geschichte gegen das Recherche-Ergebnis eines Autors zu drucken. Sie gilt bis heute: Sollten sich die Vorstellungen von Autor und Auftraggeber nicht decken, wird eine Geschichte nicht veröffentlicht.

Das war ein neuer und nicht ganz leicht zu erklärender Weg. Der erste Kunde, die Unternehmensberatung McKinsey Company, ist ihn über Jahre mitgegangen. So entstand die Magazin-Reihe "McK Wissen", die viele Preise, regelmäßige Leser und auch Käufer am Kiosk gewann. Nach Abschluss dieses Projektes hat brand eins Wissen unter anderem Publikationen für Siemens, BBDO, Tchibo, KPMG und eben den BPI erstellt. Inzwischen ergänzen auch eigene Projekte das Wissen-Portfolio. So entstanden beispielsweise die Bücher "Welt in Zahlen" oder neu "China in Zahlen", die Kompilation "Lernen lassen" aus bereits erschienenen und aktualisierten Texten. Aber auch "brand eins Neuland", das Wirtschaftsmagazin der Regionen, das jeweils vor Ort durch Anzeigen oder Sponsoren finanziert wird.

3. Warum haben brand eins-Autoren in "Hilfe!" geschrieben?

brand eins arbeitet seit seiner Gründung mit einem kleinen Redaktionsteam und vielen freien Autoren, die auch für andere Redaktionen tätig sind. Darunter sind Magazine mit hoher Reputation, aber zunehmend auch Corporate Publisher, die früher nicht zur ersten Liga der Auftraggeber zählten. Die Existenzbedingungen für freie Autoren haben sich im vergangenen Jahrzehnt verschärft: Wer heute als Freischaffender überleben will, ist immer häufiger auf Unternehmenspublikationen als Beschäftigungsfeld angewiesen. Da brand eins Wissen – ebenso wie das Wirtschaftsmagazin brand eins – journalistisch wie finanziell gute Konditionen bietet, arbeiten freie Autoren gern für alle Publikationen des Hauses. Und da wir unsere Autoren schätzen und unseren Corporate-Publishing-Kunden Qualität bieten wollen, ist uns das nur recht.

4. Wird es weiterhin Verlagsbeilagen geben?

Ja, denn wir können darauf nicht verzichten. brand eins ist eines der wenigen im Eigenverlag produzierten Publikumsmagazine, die sich heute, nach verlustreichen Anfängen, aus eigener Kraft auf dem Markt und in den schwarzen Zahlen halten können. Das, so finden wir, ist einem Magazin, das über Wirtschaft berichtet, auch angemessen. Aber das ist nur möglich, weil wir ein von seinen Lesern geschätztes und mit großem Aufwand produziertes Magazin machen – und unternehmerisch handeln.

Dabei haben wir uns strenge Regeln gesetzt: begrenzte Anzeigenformate, keine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Redaktion, keine Einladungsreisen, keine Advertorials, kein Handel mit Daten, keine Abo-Prämien. Aber wir sind auch künftig auf Einnahmen aus den drei Quellen Vertrieb, Anzeigen und Corporate Publishing angewiesen.

5. Haben wir aus der Rüge etwas gelernt?

Ja, wir werden künftig noch strenger auf eine eindeutige Kennzeichnung der Auftragspublikationen von brand eins Wissen achten. Bei der gewohnten Qualität aller Produkte aus unserem Haus wird es bleiben.