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Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Michael Moteyana verdient umgerechnet etwa 700 Euro im Monat. Rund 170 Euro führt er an Steuern ab, der Beitrag für die private Krankenversicherung beträgt 90 Euro für die ganze Familie. In ihre Lebensversicherungen zahlen die Eheleute jeden Monat 250 Euro ein. Monteyanas Frau verdient mit umgerechnet 2000 Euro deutlich besser als er. Die Raten für das Haus belaufen sich auf 400 Euro monatlich, weitere 80 Euro fallen für Nebenkosten an. Beide Autos kosten jeweils 95 Euro Unterhalt im Monat. Schul- und Kindergartengebühren betragen 180 Euro. Monteyana arbeitet seit 17 Jahren als Briefträger. In seinem Postamt ist er Mitarbeitersprecher und im Betriebsrat.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich bin stolz darauf, als Postbote zu arbeiten. Gerade in den reichen weißen Vororten wie Melville gibt es noch immer dieses Klischee, dass die schwarzen Postboten dumm und ungebildet seien. Wenn ich merke, dass meine Kunden sich auf das morgendliche Schwätzchen mit mir freuen, verschafft mir das eine gewisse Genugtuung. Außerdem habe ich es mit meinem Job geschafft, aus dem Township rauszukommen.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Familie. Und die Kirche. Meine Kinder und ich sind Anhänger der Zeugen Jehovas, meine Frau ist Protestantin. Spannungen gibt es deswegen aber nicht, wir lesen schließlich alle die gleiche Bibel.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Ich hätte gerne studiert, aber das konnten sich meine Eltern nicht leisten. Also habe ich nach dem Abitur sofort einen Job angenommen und meine Frau während ihres Studiums unterstützt. Eines Tages machen wir es vielleicht umgekehrt.

Was möchten Sie in Ihrem Leben verändern?

Ich würde gerne innerhalb der Post Karriere machen. Ich arbeite jetzt seit 17 Jahren im selben Job, das wird langsam langweilig. Am liebsten würde ich mich bis zum Direktor hocharbeiten. Aber dafür müsste ich noch mal studieren. Doch gegenwärtig sind die Kinder noch zu klein, da fehlt mir einfach die Zeit.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Wir verreisen. Vergangene Woche sind wir aus Durban zurückgekommen. Ein paar Tage am Strand, das war herrlich. Kommendes Jahr wollen wir nach Kapstadt fahren. Mit dem Auto durch Südafrika – für uns ist das die schönste Art zu reisen.

Was hat sich seit dem offiziellen Ende der Apartheid in Südafrika für Sie geändert?

Als ich vor 17 Jahren anfing zu arbeiten, hatte ich fast nur weiße Kollegen, von denen die meisten ihre Touren mit dem Auto oder Fahrrad fuhren, die paar Schwarzen liefen zu Fuß. Heute arbeiten hier fast nur noch Schwarze, und zwar unter besseren Bedingungen, auch in höheren Positionen. Aber meine weißen Kollegen verdienen immer noch deutlich mehr Geld. Seit Jahren verspricht man uns Kompensation. Aber die wird wohl niemals kommen. ---
Südafrika:
Einwohner: 49 Millionen
Währung: Rand (ZAR) (10,50 ZAR = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 6285 Euro
Human Development Index Platz 123 (Deutschland: 9 von 187 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Kilo Maisbrei: 0,30 Euro
1 Liter Benzin: 1 Euro
1 Liter Öl: 1,60 Euro
1 Kilo Brot: 1 Euro
1 Kilo Kartoffeln: 1,50 Euro
1 Busfahrt von Soweto in die Innenstadt von Johannesburg: 0,50 Euro