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Sprit für den Aufschwung

Geht es ums Geld, ist der Staat erfinderisch. Deshalb entstand das Monopol zur Branntweinherstellung – und deshalb wird es auch enden.




• Wenn er in Laune war, pflegte Kaiser Wilhelm II. sich in Reimform mitzuteilen. Am 16. Januar 1890 telegrafierte er an einen Bekannten: "Aus dem Thiergarten kamen wir - Taps, / In Ihr Haus gingen wir -Traps. / Dem Hunde gaben wir einen Klaps./ Darauf bestellten wir einen Schnaps/Aus tranken wir ihn - Schwaps."

Dem Alkohol nicht abgeneigt, wusste er auch, wie man damit Geld verdient: Noch 1918, kurz vor seinem Exil, unterzeichnete er das Gesetz zur Reichsmonopolverwaltung, wonach allein der Staat das Recht hatte, mit Branntwein zu handeln.

Der preußische Finanzminister Johannes von Miquel (1828-1901) hatte schon vorher im Schnaps eine Erwerbsquelle für Bauern gesehen. Er hat den Schlempe-Dünger-Kreislauf entdeckt. Schlempe ist der Rückstand bei der Spirituserzeugung, sie wird als Viehfutter verwendet: "Keine Brennerei – keine Schlempe; keine Schlempe – kein Vieh; kein Vieh kein Dünger; kein Dünger – kein Roggen und keine Kartoffeln; und was dann folgt, ist die Kiefer."

Das Branntweinmonopol besteht noch heute. Fast alle Brenner müssen ihren Alkohol an die Bundesmonopolverwaltung (BfB) liefern, die ihn an Hersteller von Spirituosen, Kosmetika oder Reinigungsmittel verkauft. Für den Staat war das lange ein lohnendes Geschäft. Bis Ende der siebziger Jahre erwirtschaftete die BfB im Schnitt 50 Millionen Mark jährlich.

Doch im Jahr 2017 wird das Branntweinmonopol fallen. Der Bundesfinanzminister wird es verkraften. Aus der einstigen Einnahmequelle ist in den vergangenen Jahren ein Zuschussbetrieb geworden, da die BfB den rund 600 Brennereien den Alkohol zu deren Erzeugerpreis abnimmt. Der ist aber deutlich höher als der Preis, der an der Börse von Rotterdam dafür erzielt wird. Doch die Brennereien haben schon einen fast vergessenen Nebenerwerb wieder beleben können: die Schlempe. Da die Preise für Getreide stark gestiegen sind, wird sie wieder an Tiere verfüttert.