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Freddy soll nicht schwanken

Seit 35 Jahren baut Jochen Räke kostbare Präzisionsinstrumente: Plattenspieler. Sie zählen zu den besten der Welt. Fast ebenso lange hat er es mit digitaler Unterhaltungselektronik zu tun. Gewinnen kann er diesen Wettbewerb nicht. Aber überleben.




- Die Erde bebte, das Hochhaus geriet leicht ins Wanken, und im obersten Stockwerk drehte sich auf einem Plattenteller Verdis Requiem. Ein Kunde aus Hongkong hat Jochen Räke von dem Erlebnis berichtet. "Beim letzten Beben bin ich einfach in meiner Wohnung geblieben", sagte der Mann. "Ich habe mich hingesetzt und Musik gehört." Die Regale schwankten, die Stühle verrutschten, nur der Plattenteller drehte sich wie unberührt. Kein Erdstoß brachte die Nadel aus der Rille. "Nie zuvor habe ich das Dies Irae so intensiv erlebt", erzählte der Kunde.

Jochen Räke gibt es mit sichtlichem Vergnügen weiter. Der Plattenspieler namens Transrotor Gravita ist sein Werk. Es ist ein Gerät mit kardanischer Lagerung, die das Laufwerk frei in alle Richtungen schwingen lässt. Räke wollte durch die aufwendige Konstruktion Trittschallresonanzen vom Fußboden eliminieren, die den Musikgenuss mit Bassfrequenzen eintrüben. Man könnte den Gravita problemlos auf einem Schiff aufstellen - er würde auch bei rauer See zuverlässig funktionieren.

"Herr Räke, damit könnten Sie doch Werbung machen: Transrotor baut den einzigen erdbebenfesten Plattenspieler der Welt."

Der aber verzieht nur das Gesicht. "Das wäre doch ein bisschen makaber." Und überhaupt: Die lauten Töne der Werbung sind ganz gegen seine Art. Der gebürtige Westfale würde nie behaupten, seine Plattenspieler seien die besten der Welt. Was der Wahrheit aber nahe käme. "Wir geben uns Mühe", sagt er eine Spur zu bescheiden. "Man darf nicht faul sein."

Die CD versprach puren Genuss: kein Knistern, keine Kratzer, kein Verschleiß

Im Untergeschoss eines großen Einfamilienhauses im rheinischen Bergisch Gladbach bauen 15 Menschen unter Räkes Regie Fossilien, mit denen der 70-jährige Maschinenbauer dem digitalen Mainstream in der Musikwelt trotzig begegnet. Seine Plattenspieler, bis zu 220 Kilogramm schwer und, wenn's sein muss, teurer als eine Mercedes S-Klasse, sind technische Kunstwerke aus Chrom, Glas, Edelstahl, Aluminium und Naturschiefer. Für die Ewigkeit gebaut, hochglanzpoliert, mit Plattentellern, so schwer wie ein Kasten Bier. Eines der Geräte, hüfthoch und mit drei Motoren ausgestattet, kommt auf acht Beinen daher wie ein riesiges Spinnentier, das sich in die Höhe reckt.

All diese Wunderwerke der Präzisionsmechanik haben nur eine einzige Aufgabe: eine dünne schwarze Scheibe aus Vinyl in gleichmäßiger Geschwindigkeit drehen zu lassen. Eine uralte Technik, die der Transrotor-Gründer in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten auf die Spitze getrieben hat.

Als Jochen Räke am Morgen des 8. März 1979 zur Arbeit kam, war nicht absehbar, welche Zäsur dieses Datum für sein kleines Unternehmen bringen würde. Ein paar Hundert Kilometer westwärts, im niederländischen Eindhoven, stellte der Elektronikkonzern Philips den Prototyp der Compact Disc vor. Räke hatte drei Jahre zuvor seinen ersten eigenen Plattenspieler vorgestellt, den Transrotor AC, einen Traum aus Acrylglas für 2200 Mark. Plattenspieler sahen damals fast alle gleich langweilig aus, meist silberfarben oder in eine biedere Holzzarge gezwängt. Er dagegen hauchte seinem Gerät etwas Neues ein: Ästhetik. Luftig kam es daher, leicht und transparent. Und genauso klang es auch. Räke hatte Mühe, die Nachfrage zu bedienen. Doch als er von der Präsentation der kleinen Silberscheibe erfuhr, traf es ihn wie ein Stich. Er ahnte gleich: Da kommt was auf uns zu. "Es hing wie ein Damoklesschwert über uns", sagt er. "Erst mal haben wir einfach weitergemacht wie bisher."

Aber drei Jahre später schlug es wie befürchtet in seiner Manufaktur ein. Die ersten in Serie produzierten CD-Player standen bei den Händlern. "Da kaufte natürlich jeder, der 2000 Mark übrig hatte, keinen Plattenspieler mehr, sondern einen CD-Player." Man ging mit der Zukunft, und die war digital, kannte kein Knistern, keine Kratzer, keinen Verschleiß. Dachte man. Ganze Plattensammlungen landeten auf dem Müll. Schon ein Jahr nach der Premiere der neuen Technik war der Umsatz bei Transrotor auf ein Drittel geschrumpft. Plattenspielerfabrikanten, darunter so namhafte wie Dual und Thorens, gingen reihenweise in die Insolvenz. Räke verlegte sich auf die Herstellung gefederter Untersätze für Lautsprecherboxen, die sich prächtig verkauften. So kam er durch die mageren Jahre.

Seine Frau war es, die ihn immer wieder bestärkte:" Jochen, gib die Plattenspieler nicht auf! Das kommt wieder." Auf einen Preiskampf gegen die digitale Konkurrenz ließ Räke es gar nicht erst ankommen. Längst gab es CD-Player für 200, bald auch für 100 und für 50 Euro. Irgendwann kosteten die billigsten Geräte nicht mehr als eine CD. Für so wenig Geld kann man weder einen guten Plattenspieler bauen noch einen schlechten. Allerdings auch keinen guten CD-Player.

Nach der anfänglichen Euphorie über die neue Technik meldeten sich bald erste kritische Stimmen. Im Vergleich zur Wärme und dem Detailreichtum der Schallplatte wirke der pseudopräzise digitale Klang oft rau, hart, grau und glasig. "Klingt fast wie Platte" wurde schon bald zum festen Bestandteil der Testurteile über besonders gute CD-Spieler. Das freute Jochen Räke. Seine Geräte waren die Referenz, an der die digitale Konkurrenz sich messen musste.

Ein einziges Mal, Anfang der neunziger Jahre, hat er versucht, die Wettbewerber mit ihren eigenen Waffen zu schlagen - und einen CD-Player gebaut. Keines dieser eintönig-silbrigen Kästchen, sondern eine Romanze aus Chrom und blauem Acrylglas. Ein hydraulisch absenkbarer Deckel schloss das Laufwerk hermetisch ab wie eine Auster. So hieß das 12 000 Mark teure Gerät dann auch: Oyster. Die ersten 30 Geräte verkaufte er auf einer einzigen Messe, aber dann konnten die Zulieferer die Teile nicht schnell genug heranschaffen - und er verlor viele Aufträge. "Wir haben uns ausgeklinkt und es nie wieder versucht", sagt er. Vielleicht wollte er das Spiel, an dem er keinen Cent verdiente, einfach nicht zu weit treiben.

In jüngster Zeit hat der Plattenspieler eine kleine Renaissance erlebt. Man genießt die Erhabenheit, die Ruhe, die von solchen Meisterwerken mechanischer Präzision ausgeht, und schaut andächtig zu, wie sich ein zwölf Kilo schwerer Plattenteller langsam in Bewegung setzt. Die Zahl der in Deutschland verkauften Schallplatten, darunter etliche aufwendige audiophile Pressungen, verdoppelte sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre auf 600 000 Stück. Das ist zwar nicht mal ein Hundertstel der 74 Millionen Vinyl-Tonträger des Jahres 1985. Allerdings dämmert nun auch das CD-Zeitalter seinem Ende zu. 1994 wurden hierzulande noch 1,7 Millionen Player verkauft, in diesem Jahr werden es nicht einmal mehr 100 000 sein. Das niedrigpreisige Segment zwischen 20 und 300 Euro ist mittlerweile unwiederbringlich an die MP3-Player verloren.

Transrotor dagegen verkauft wieder, wie zu besten Zeiten, rund 1000 Geräte pro Jahr. Vor allem bei den hochpreisigen Laufwerken zwischen 4500 und 20 000 Euro hat der Verkauf deutlich angezogen. "Viele Kunden sehen ein, dass man mehr Geld ausgeben muss, wenn man das Potenzial der Schallplatte wirklich ausschöpfen will", sagt Jochen Räke. Zwei- oder dreimal hat er dem Drängen seiner Außendienstler und Importeure nachgegeben und ein deutlich billigeres Gerät präsentiert. "Das ist uns aber nicht abgekauft worden", sagt der Firmenchef. "Wer einen Plattenspieler für 1000 oder 1500 Euro sucht, kommt offenbar gar nicht darauf, dass er den bei uns bekommen könnte."

Mittlerweile ranken sich Legenden darum, warum die Schallplatte anders und nicht nur nach Räkes Meinung letztlich besser klingt, besser klingen muss als die CD. Manches ist Voodoo, vieles Physik. So gibt die Platte Obertonschwingungen wieder, die deutlich über die üblichen 20 Kilohertz der CD hinausreichen. Die ganz hohen Töne seien wichtig, um das Räumliche eines Konzertsaales oder Aufnahmestudios zu erfassen, sagen die Analog-Liebhaber. Sie teilen das Musikpanorama in ganz feine Scheibchen. Die CD mache die Scheibchen gröber, leuchte die Tiefen eines Klanges nicht so klar aus wie die Platte. Oder ist das nur ein Marketing-Gag der Analog-Fraktion?

Räkes Laufwerke sind tatsächlich in der Lage, das Schlagzeug eines Jazz-Trios exakt so abzubilden, wie es im Studio geklungen hat. Der Transrotor - in diesem Fall einer jener 220-Kilo-Boliden - nagelt jedes Teil des Schlagzeugsets an der richtigen Stelle fest. Rechts der satte Chick, wenn die Hi-Hat zuschnappt, etwas links drunter das Wischen der Besen auf der holzig-knochentrockenen Snare, links oben das Ping des Ride-Beckens, auf der anderen Seite, in gleicher Höhe, das Spritzen des Crash-Beckens. Jeder, der noch gute Ohren hat, kann das hören - und schaltet danach womöglich nie mehr seinen iPod ein.

Es sind nur Winzigkeiten, doch auf die kommt es an. "99 Prozent der Schneeflocken ganz oben auf der Eigernordwand sind auch mit der CD zum Schmelzen zu bringen", sagt Peter Lützelberger, ein eingefleischter Verfechter der analogen Sache, der in Berlin-Kreuzberg das Hi-Fi-Studio Phonophono betreibt. Aber es schmelzen eben nur 99 Prozent. Lützelberger hat Kunden beobachtet, wie sie sich bei Musik von der CD im Sessel nach vorn beugen, "weil sie sich anstrengen müssen, alles zu hören und im Kopf die Details zu ergänzen, die sie nicht hören". Legt er danach eine Platte auf, lehnen sich die Leute entspannt zurück.

Doch die zweite digitale Revolution hat nun ebenfalls die letzten Schneeflocken anvisiert, jenes Reservat, in dem Konstrukteure wie Jochen Räke bisher unter Artenschutz standen. In der voll digitalisierten Musikwelt, die sich anschickt, alle Mängel des CD-Geräts zu überwinden, lässt sich jedes Billig-Notebook zum High-End-Musikplayer aufrüsten - die Bereitschaft vorausgesetzt, Tausende Euro in Netzwerktechnik zu investieren. Es gibt keine beweglichen Bauteile mehr, keinen Motor, der vibriert oder Schwingungen überträgt. Im Netzwerkplayer vollendet das Musikhören seine jahrzehntelange Metamorphose - vom Schelllack und Vinyl über Tonband, Kassette und CD hin zum dinglosen Dasein als Audio-Datei aus dem Internet.

Der Hörer digitalisierter Musik braucht weder Plattenschrank noch CD-Regal; er sucht seine Musik mit dem vernetzten iPad im Dateienverzeichnis. Klanglich rückt der audiophile PC schon heute näher an die besten Plattenspieler heran, als es ein CD-Player je vermochte. "Den Unterschied hören Sie eigentlich nicht mehr", muss selbst der Schallplattenverfechter Lützelberger einräumen. "Allenfalls daran, dass die Musikdatei aus dem Digitalgerät nicht knistert."

In Bergisch Gladbach stellt man sich der Herausforderung - und bleibt diesmal auf vertrautem Terrain. "Vom Digitalplayer lassen wir die Finger", hat Jochen Räke entschieden. "Es wäre vermessen, wenn wir uns dort hineinbegeben würden." Mit dem Schritt von der Platte zur CD sei die totale Digitalisierung nicht vergleichbar. Ein Musik-Streamer und ein Plattenspieler haben so gut wie nichts mehr miteinander gemein. Wer beim Bau von Netzwerkplayern vorn dabei sein will, braucht Software-Entwickler und Netzwerkspezialisten, keine Maschinenbauer. Das in dreieinhalb Jahrzehnten gewonnene Erfahrungswissen von Transrotor wäre in der digitalen Gerätewelt nichts mehr wert.

Räke leidet nicht darunter, dass die digitale Konkurrenz aufholt. Er baut solche Geräte nicht, also muss er sie auch nicht ständig anhören. Wenn er auf Messen mal eines getestet hat, sei es nicht besser gewesen als seine Plattenspieler, sagt er. "Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass solche Geräte vielleicht irgendwann mal genauso gut sind wie unsere Laufwerke." So ganz nimmt man ihm das nicht ab. Aber vielleicht stimmt ja Peter Lützelbergers Vergleich: "Obwohl es seit langer Zeit Motorboote gibt, werden immer noch Segelboote gebaut."

So ist Räke weiter auf der Suche nach dem perfekten Segelboot. Oft holt er sich die Anregung für Innovationen, wo niemand sie vermuten würde. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR beispielsweise. Oder bei Nockenwellenantrieben für Automotoren. "Wenn man dann ein bisschen länger nachdenkt, kommt man auf interessante Dinge", sagt der Tüftler, "und meine Gedanken kreisen halt immer um Plattenspieler." Dass die analoge Technik nahezu ausgereizt ist, ist ihm bewusst. "Ich bin am Ende der Fahnenstange angelangt. Wenn es jetzt noch besser werden soll, sind die Unterschiede marginal. Und jeder noch so kleine Schritt wird ganz teuer."

Ob der nächste winzige Schritt gelungen ist, zeigt sich in dem Moment, in dem sich auf einem neuen Gerät zum ersten Mal die Nadel in die Rille senkt. Räkes Sohn Dirk, der das Geigenspiel gelernt hat und in zwei Bands die E-Gitarre bedient, hat von allen Transrotor-Mitarbeitern das beste Gehör. Der Seniorchef zeigt auf ein Gerät, das gerade zusammengebaut wird. "Das war fix und fertig, ich hatte es schon abgesegnet", sagt er. "Dann kam der Dirk und sagte: 'Ich hör' da noch eine Resonanz im Mitteltonbereich, die mir nicht gefällt.' Wir haben den Fehler gefunden und die Resonanz getötet."

Ein Schiffskompass als Vorbild: So aufgehängt, bleibt ein Plattenspieler immer waagerecht

Wer in Räkes Hörraum, wo jede Neuentwicklung bestehen muss, die beste und teuerste Anlage der Welt vermutet, wird enttäuscht. Der Verstärker, ein tiefschwarzes Trumm mit 2 mal 800 Watt Leistung, ist locker 20 Jahre alt, die Lautsprecher kosten relativ bescheidene 14 000 Euro. Im Plattenschrank steht neben audiophilen Pressungen unvermutet auch viel Buntes wie eine James-Last-LP von 1971. Auf dem Cover posiert der Bandleader mit einem Hütchen, die Ellbogen auf quietschgelbe Taucherflossen gestützt. "Die Musik hat mich nie interessiert, aber der Klang ist fantastisch", sagt Räke. Die Produzenten von Massenmusik hätten damals üppige Budgets für die Aufnahmen gehabt. "Egal, ob James Last, Freddy oder Alexandra - das wurde alles in brillanter Technik aufgenommen, von Tonmeistern, die ihr Handwerk verstanden. Davon kann man fasziniert sein."

Ein bodenständiger Maschinenbauer wie Räke macht aus seinen Entwicklungen keine Wissenschaft. "Ein Plattenspieler ist simple Mechanik", sagt er. "Wir halten die Geräte in der Konstruktion ganz einfach, damit sie auch nach 20 oder 30 Jahren noch repariert werden können." Er habe schon etliche schöne Plattenspieler gesehen, "die mit unnötiger komplizierter Elektronik vollgestopft waren, nur um eine Modernität zu beweisen, die ein Plattenspieler gar nicht braucht". Allerdings kann die Technik noch so einfach sein - verstanden wird sie längst nicht mehr überall. Wer in der digitalen Welt aufgewachsen ist, kann mit berührungslosen Magnetantrieben oder den Vorzügen besonders steifer Öle nichts anfangen. "Wenn ich in Singapur auf einer Ausstellung bin und eines unserer Geräte auseinandernehme und erkläre", erzählt der Transrotor-Chef, "dann nicken die alle und lächeln freundlich, aber kapieren nix."

Dabei klingt sein Ziel ganz bescheiden. "Wenn die Leute morgens auf Schlappen durchs Wohnzimmer laufen, sollen sie sich schon auf ihren Plattenspieler freuen." Aber die Probleme lauern überall. Bei den Zulieferern zum Beispiel. Man muss sie regelrecht erziehen. Mal ist der Frässchnitt der Frontplatten aus Alu nicht glatt genug, mal sind die Bohrungen nicht exakt an der richtigen Stelle. Immer wieder muss Räke solche Gespräche führen: "Was habt ihr denn da gemacht?" - " Ja, wir haben drei Minuten pro Teil eingespart." - "Aber jetzt haben wir 20 Prozent Reklamation. Das geht nicht." - "Dann müssen wir es nächstes Mal teurer machen." - "Dann kriegt ihr das eben. Hauptsache, das Teil ist so wie immer."

Der Preis spielt bei der Entwicklung eines neuen Gerätes keine allzu große Rolle. "Wir nehmen die Preise, die wir haben müssen" - mehr ist von ihm zu dem Thema nicht zu erfahren. Alle paar Jahre konstruiert die vierköpfige Entwicklungs-Crew ein Gerät, bei dem niemand an Kosten oder Kunden denkt. Eines dieser Laufwerke, der Argos, steht im Transrotor-Hörraum. Allein das Material verschlang 40 000 Euro. Zwei Geräte wurden gebaut, nur eines verkauft. "Finanziell war das ein völliger Reinfall", sagt Jochen Räke. "Da haben wir mal was gemacht, das uns selbst gefällt. Das kam leider nicht an."

Mehr Glück hatte der Plattenspieler-Papst aus dem Bergischen vor einigen Jahren mit einer Auftragsarbeit für Michele Ferrero, Eigentümer des gleichnamigen Süßwarenherstellers. Der besaß schon eine ganze Sammlung von Transrotor-Laufwerken. " Jetzt bau' ich Ihnen mal ein Gerät, das es noch nicht gegeben hat", versprach ihm Räke. Schon länger hatte er mit dem Gedanken gespielt, ein Laufwerk zu konstruieren, das wie ein Schiffskompass aufgehängt ist und sich nicht aus der Waagerechten bringen lässt. Ein ganzes Jahr dauerte die Entwicklung. Räke fuhr ins Deutsche Museum nach München. "Stundenlang habe ich mir die alten Schiffskompasse angeschaut", erinnert er sich. "Ganz ruhig habe ich davor gestanden, mit den Händen in der Tasche."

Am nächsten Tag fuhr er wieder nach Hause und setzte sich ans Zeichenbrett. Er war überzeugt, das Resultat seiner Arbeit werde den Süßwaren-Unternehmer zufriedenstellen. Dass sein Kunstwerk ausgerechnet bei einem Erdbeben für ein nie zuvor so intensiv erlebtes Dies Irae sorgen würde, das konnte er in dem Moment nun wirklich nicht ahnen. -