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Die Idee von Damian Leich und Sinan Gökduman ist ebenso simpel wie clever: Sie nehmen modernen Nomaden die Habseligkeiten ab.




- Zwölfmal ist Damian Leich in den vergangenen sechs Jahren umgezogen: Studium der Betriebswirtschaft in Reutlingen und Münster, Auslandssemester in Kanada und Australien, mehrere Praktika - ein Nomadenleben. "Ich wusste nie, wo ich in drei, vier Monaten sein würde", erinnert sich der 27-Jährige, der mit Anzug und Krawatte ganz korrekt daherkommt. Oft sei er mehr als 400 Kilometer gefahren, nur um ein paar Kartons mit Kleidung und Ordnern bei seinen Eltern im Badischen zwischenzulagern.

Bei dieser Weltenbummelei entstand die Geschäftsidee. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Sinan Gökduman hat Leich das Unternehmen Eigenraum in Berlin gegründet. Es bietet Kunden seit September die Möglichkeit, ihre Habseligkeiten einzulagern - per Post. Zielgruppe seien junge, mobile Menschen, "die sich nicht durch Besitz binden lassen wollen", sagt Leich.

Er und Gökduman haben sich im Studium kennengelernt und träumten schon damals davon, zusammen eine Firma zu gründen. Nach ihrem Abschluss heuerten beide zunächst bei einer Unternehmensberatung an und bereiteten ihre Selbstständigkeit planmäßig vor.

So holten sie sich Rat bei Professoren, Unternehmern und Juristen. Suchten lange nach einer passenden Versicherung für ihr Geschäft und vor allem nach einem geeigneten Partner. Bei mehr als 30 Lager-Inhabern fragten die Gründer an, ohne Erfolg. Konnte es sein, dass eine so simple Idee sich nicht umsetzen ließ? Daran darf es doch nicht scheitern, machte sich das Duo selbst Mut und suchte weiter. "Von der Idee selbst waren wir immer überzeugt", sagt der 30-jährige Gökduman, der bei potenziellen Partnern Überzeugungsarbeit leistete. "Das hat uns getragen."

Schließlich wurde ihre Hartnäckigkeit belohnt. Die Firma gewann die Logwin AG, die weltweit Lager betreibt, als Partner. Den Transport der Pakete übernimmt DHL. Die Kunden von Eigenraum können bis zu 31,5 Kilo schwere Pakete mit den Maßen 120 mal 60 mal 60 Zentimeter vom Spediteur abholen lassen.

Die Zuständigen bei Logwin und DHL berichten, dass das solide Geschäftsmodell von Leich und Gökduman sie überzeugt habe. 55 Pakete gingen in den ersten vier Wochen auf Reisen und bescherten den Jung-Unternehmern rund 1000 Euro Umsatz. Das ist sehr wenig, entspricht aber den Erwartungen, denn bisher ist der Dienst kaum bekannt. Werbung, unter anderem auf Umzugsseiten im Internet, soll das ändern.

Die Gründer wollen bis Ende September 2012 in die Gewinnzone kommen. Dazu müssen sie bis dahin 2500 Pakete eingelagert haben. "Eigenraum arbeitet nach einem gut durchdachten Konzept", sagt Marc Styrnal, Manager bei Logwin. "Die Zahlen sind realistisch." Das hat auch die Konkurrenz erkannt: Ebenfalls in Berlin ist in diesen Wochen die Firma Paketspeicher mit einem ähnlichen Angebot gestartet.

Finanziert haben Leich und Gökduman ihr Unternehmen jeweils zur Hälfte aus Eigenkapital, dazu kommen ein Privatkredit und ein Familiendarlehen. Insgesamt betrug ihr Startkapital 34 000 Euro. Da Eigenraum bei seinen Partnern nur für die Pakete zahlt, die tatsächlich eingelagert werden, sind die Fixkosten gering. Je mehr Pakete kommen, desto günstiger sind die Konditionen.

Für die Kunden ist der Service mit wenig Aufwand verbunden. Sie registrieren sich online und geben an, wann ihre Pakete abgeholt werden sollen. Ein Bote bringt die Kisten dann in ein Lager, wo sie trocken, frostsicher und alarmgeschützt in Hochregalen aufbewahrt werden. Wenn die Sachen wieder gebraucht werden, liefert der Spediteur sie zu jedem gewünschten Termin deutschlandweit aus.

Anders als in sogenannten Selfstorage-Zentren, also Hallen, wo Kunden Sachen selbst verstauen können, zahlt man bei Eigenraum nicht für fixe Lagerboxen, sondern pro Paket. Der Transport und der erste Aufbewahrungsmonat kosten 19,90 Euro. Danach fallen monatlich 3,90 Euro pro Paket an. Eine Lagerbox ist dagegen in der Regel nicht unter 40 Euro pro Monat zu haben.

Erst wollen sie Deutschland erobern, dann ganz Europa: Die Gründer haben große Pläne

Selfstorage erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. 66 Lagerhallen gibt es schon, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Leich und Gökduman setzen auf Kunden, die wenig einzulagern haben und flexibel sein wollen. Einer ist der Maschi-nenbau-Student Heiko Höpfel. Um seine Diplomarbeit zu schreiben, zog er von Karlsruhe nach Freiburg. Statt einen Transporter zu mieten, ließ er sein Hab und Gut kurzerhand an der Haustür abholen. In Freiburg renovierte er in Ruhe seine neue Wohnung, dann ließ er sich die Pakete einfach bringen.

Die beiden Gründer denken schon weiter und suchen Investoren: "In ein paar Jahren", so Leich, "wollen wir nicht nur Deutschland, sondern alle wichtigen europäischen Märkte bedienen können." -

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