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Das Stimmungs-Rätsel

Fragt man die Leute, geht es ihnen stets besser als dem ganzen Land. Warum das so ist und auch eine Katastrophe optimistisch stimmen kann, lesen Sie hier.




- Auch wenn draußen der Sturm tobt, zieht durchs eigene Haus nur ein laues Lüftchen. So könnte man das Ergebnis einer repräsentativen Befragung über fast vier Jahre hinweg zum Thema Zufriedenheit im Auftrag der Allianz-Versicherung zusammenfassen. Demnach sehen die Deutschen ihre persönliche Lage stets deutlich optimistischer als die des Landes. Wie kann das sein?

"Die unmittelbaren Eindrücke der Menschen sind relativ stabil", sagt der Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, der die Studie betreut hat. Die Einschätzung des Großen und Ganzen sei dagegen vor allem von den Medien abhängig. Da Presse, Funk und Fernsehen dazu neigen, vor allem über Missstände zu berichten, trübe das die Stimmung.

Allerdings gibt es auch Ereignisse, die sich sowohl in der persönlichen als auch politischen Einschätzung stark niederschlagen. Dazu zählt die Atomkatastrophe in Fukushima im März. Nach dem Super-GAU sank die Zahl der Optimisten, was die Lage des Landes wie auch die persönliche Situation anbetraf, in etwa gleich stark. Bemerkenswert ist, dass beide Zufriedenheitswerte bereits einen Monat danach wieder in die Höhe schnellten - obwohl die Situation in Fukushima sich nicht verbessert hatte. Brettschneiders Erklärung: "Ursache hierfür ist der Schwenk in der deutschen Atompolitik." Die Menschen blickten optimistischer in die Zukunft, weil sie den Eindruck hätten, dass sich etwas zum Besseren ändere.

Allerdings hängt das persönliche Glück nicht allein vom Katastrophenklima ab. "Zuversicht geht auch durchs Portemonnaie", sagt Brettschneider. Weil der Aufschwung weitergeht, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Mensschen weniger Angst um ihren Job haben, sehen sie die Zukunft tendenziell rosig. -