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Glasgow Jugendkriminalität

Glasgow war die Hauptstadt gewalttätiger Gangs. Bis die Polizei erkannte, dass deren Mitglieder beides sind: Täter und Opfer. Von einem gewagten Experiment, das Erfolge zeigt.




- Es war 5.30 Uhr, als sie an einem Wintermorgen des vergangenen Jahres kamen, um ihn zu holen. Ein Streifenwagen parkte vor dem Haus. Die Beamten klingelten. Als die Mutter öffnete, war es ihr, als hätte ein Blitz in ihre Welt eingeschlagen. Nachdem sie sich gefasst hatte, trat sie an das Bett von Scott, ihrem Sohn, und weckte ihn. "Es ist die Polizei. Sie suchen dich!" Benommen stand er auf, zog sich rasch etwas über und hörte einen der Beamten sagen: "Sie sind festgenommen." Damals war Scott Taylor 15 Jahre alt.

In Manchester, Liverpool oder Newcastle wäre es das Ende einer Jugend und der Beginn einer kriminellen Karriere gewesen: Gericht, Gefängnis, Absturz. In Glasgow ist es eine Chance.

Taylor gehörte der Gang Gyto an, dem Garthamlock Young Team. Sie verteidigten ihr Viertel Garthamlock gegen Eindringlinge aus den Nachbarvierteln. Es waren brutale Schlachten, bei denen Flaschen flogen, Messer gezückt wurden, mit Baseballschlägern geprügelt wurde. Taylor schlug mit einem Golfschläger zu. Die Polizei hatte ihn auf Bildern von Überwachungskameras identifiziert. Rund 170 solcher Gangs gibt es in Glasgow. Etwa 3500 Jugendliche sind darin organisiert. Schon seit den fünfziger Jahren fechten sie in den Randgebieten der Stadt Gebietskonflikte aus.

"Mit klassischen Methoden kommen wir da nicht mehr weiter", sagt der Polizist Robert Stevenson, Hauptkommissar bei der Violence Reduction Unit. 2008 baute die Polizei zwei Spezialeinheiten auf: Stevensons Abteilung und die Gangs Task Force von Bob Hamilton. Flankiert werden beide Einheiten von Sozialarbeitern. Gegen die extrem hohe Arbeitslosigkeit, die erbärmlichen Sozialbauten, den tristen Alltag, die zerrissenen Familien, sind sie machtlos. Aber sie können versuchen, den Jugendlichen Alternativen zu bieten. "Viele kennen nichts anderes als die Gang. Das ist ihre Familie", sagt Stevenson.

Die Ergebnisse des Experiments, das im East End getestet wird, sind bemerkenswert. Delikte wegen des Tragens von Stichwaffen gingen zurück, in ganz Glasgow um 18 Prozent. 400 Gang-Mitglieder haben das Programm durchlaufen. Fast die Hälfte aller Jugendlichen, die daran teilgenommen haben, wurde nicht wieder auffällig. In Glasgow hat man eine Methode gefunden, wütende junge Männer von ihrem kriminellen Weg abzubringen.

Die Feuerprobe kam am 6. August. Während im Londoner Stadtteil Tottenham Jugendliche ein Teppichlager in Brand steckten und Geschäfte plünderten, spielte Scott Taylor Fußball. Auch, als die Unruhen Bristol, Birmingham und Manchester erreichten, blieb es in Glasgow ruhig. Eine Tatsache, die auch Premierminister David Cameron registrierte. Bei der aktuellen Stunde zu den Gewaltexzessen Anfang August sagte er im Unterhaus, dass das Glasgower Modell ein Beispiel für das ganze Land sein solle.

Es ist kurz vor fünf Uhr am Nachmittag. Scott Taylor läuft mit Bauhelm, Jogginganzug und gelber Signalweste die London Road im East End entlang. Er hat gerade Feierabend. Dass die Polizei ihn morgens geweckt hat, ist jetzt fast ein Jahr her. An der Ampel vor der Polizeiwache blickt er sich zuerst um, ehe er stehen bleibt und sich eine Zigarette anzündet. Er ist ein stiller Junge, gut 1,80 Meter groß und schmal. Seine braunen Augen blicken neugierig, aber er fragt nichts. Plötzlich eine Hupe. An der Ampel hält ein dunkler Golf, der Fahrer winkt, Taylor rennt zu dem Wagen und schwingt sich auf die Rückbank.

In einem College besucht er einen Kurs für einfache Handwerksarbeiten. Malen, tapezieren, hobeln. Wenn es einmal später wird, holt ihn Ryan Todd mit dem Auto ab. Todd ist Sozialarbeiter und der Betreuer von Taylor. "Wenn es dunkel ist, kann ich nicht mit dem Bus fahren", sagt Taylor. "Das ist gefährlich. Der Bus fährt durch feindliches Gebiet." Todd nickt, sagt dann zur Erklärung: "Scott hat sich viele Feinde gemacht, die vergessen ihn nicht so bald." An der nächsten Kreuzung wendet er den Wagen und nimmt die London Road Richtung Osten.

Glasgow ist eine der gewalttätigsten Städte in Großbritannien. Der liberale "Independent" nannte die Stadt "Mörder-Hauptstadt". Kaum irgendwo werden die Gang-Kämpfe brutaler ausgefochten. 600 000 Einwohner leben in der größten Stadt Schottlands, die Arbeitslosenrate liegt bei 11,7 Prozent. Doch in den einstigen Arbeitervierteln am Stadtrand lebt kaum einer von seiner Arbeit. Fast jeder Haushalt bezieht Sozialhilfe. Scott Taylors Mutter geht in einem Pub putzen, mit dem erbärmlichen Gehalt bringt sie vier Kinder durch. Sein Vater starb früh.

Früher lebte die Stadt von den Werften, Hochöfen und Kohlegruben. Heute sind es vor allem Dienstleistungen. Doch in den ehemaligen Arbeitervierteln ist der Strukturwandel nicht angekommen. Die Stadt ist tief gespalten.

An der Shettleston Road, wo der Sozialarbeiter Ryan Todd sein Büro hat, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 63,9 Jahren, 14 Jahre unter dem Landesdurchschnitt; es ist der niedrigste Wert in Großbritannien. Nur wenige Kilometer weiter liegt sie bei 85 Jahren. Mehr als andernorts entscheidet in Glasgow der Geburtsort darüber, wie das Leben einmal ablaufen wird. Das ist die bittere Wahrheit der Vororte einer Stadt, in deren Zentrum sich Art-déco-Fassaden neben viktorianischen Baudenkmälern reihen, die geliebt wird von Touristen und auch von Brad Pitt, der dort gerade einen Film dreht.

Eine ganz andere Art von Film schaut sich der Gangs-Task-Force-Chef Bob Hamilton einmal in der Woche an. Der gedrungene Mann mit dem schwarzen Bürstenschnitt klickt auf seinem Computer ein Video an. Die Bilder sind undeutlich und grob gepixelt. Zu erkennen ist ein Mann, der während einer Straßenschlacht mit einer Armbrust Pfeile abfeuert. Im Hintergrund einer, der versucht, mit der Hand eine blutende Stichwunde zu stillen. Es sind Aufnahmen von Überwachungskameras, die Hamilton einmal in der Woche mit seinem Team auswertet.

Das nächste Video stammt von einem beschlagnahmten Mobiltelefon: Zehn Jugendliche prügeln auf einen Jungen ein. Als der am Boden liegt, treten sie ihm mit den Füßen gegen Kopf, Bauch, Rücken, Brust und in die Genitalien. Mit aller Kraft. "Er fiel ins Koma. Zwei Tage später ist er im Krankenhaus gestorben", sagt Hamilton. Die Täter wurden wegen Totschlags angeklagt. Die Zuschauer als Komplizen. "Ob man als Gang-Mitglied zum Opfer oder zum Täter wird, entscheidet oft der Zufall, mal sind die einen stärker, mal die anderen", sagt Hamilton.

Dann steht er auf und geht zu einem Schrank, der in seinem engen Büro steht. Heraus holt er eine beschlagnahmte Machete. Sie hat eine Klinge von 40 Zentimetern Länge. Solche Waffen waren das bevorzugte Werkzeug der Gangs. Auf einem seiner Videos ist zu sehen, wie ein junger Mann damit auf einen anderen einhackt. Erfährt Hamilton, dass jemand so etwas besitzt, schickt er einen Streifenwagen vorbei, und die Beamten sagen: "Wir wissen, du hast ein Messer. Überlege dir gut, ob du es einsetzt." Manchmal hilft das. Wenn nicht, fahren die Beamten am nächsten Tag noch einmal vorbei. Dann am übernächsten. Und am überübernächsten. "Es reicht nicht, auf Verbrechen zu reagieren. Wir müssen vorbeugen."

In den Gang-Vierteln hat er ein enges Netz an Informanten, die ihm Neuigkeiten zuflüstern: Wer war wann bei welcher Prügelei dabei? Überall hängen Überwachungskameras, wenig bleibt ihnen verborgen. Wird ein neues Gang-Mitglied identifiziert, schickt ihm Hamilton seine Beamten vorbei. "Denke an die Folgen", raten sie ihm. Und hinterlassen eine Telefonnummer für Aussteiger. 24 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche nimmt an diesem Apparat jemand ab.

Die Polizei muss lernen, Menschen zu verstehen

In welchen Gegenden er häufiger patrouillieren lassen muss, erfährt er von Martin Smith, der in einem engen, fensterlosen Zimmer sitzt, hinter ihm eine Espressomaschine, vor ihm ein Computer. Smith ist Geograf aus Oxford und Computerspezialist. Mit einem Programm, das Onlinehändler für die Bewertung ihrer Kunden nutzen, kartografiert er die Stadt. Und zwar nicht nur nach der Zahl der Straftaten, sondern auch nach deren Schwere. "Eine Schlägerei mit Messern und eine ohne haben nicht die gleiche Qualität", sagt er. All das trägt Smith in Excel-Tabellen ein. So ist es ihm gelungen, exakt die Territorialgrenzen einzuzeichnen, die nur für Gang-Mitglieder sichtbar sind.

Für Scott Taylor sind diese Grenzen sehr real. Sie zu respektieren wird über seine Zukunft entscheiden. Eine Prügelei wäre das Schlimmste, was ihm gerade passieren könnte. Es wäre ein schwerer Rückfall. Er hat jetzt etwas zu verlieren.

"Wie war es im Kurs?", fragt der Sozialarbeiter Todd hinter dem Steuer und sieht Scott durch den Rückspiegel an. "Gut", ist die knappe Antwort eines Jungen, der ohne viel Worte auskommt.

"Was hab ihr gemacht?" "Gemalt."

"Irgendwelche Neuigkeiten?"

"Am Freitag habe ich ein Vorstellungsgespräch. Für ein Praktikum. Vielleicht nimmt mich die Firma."

Die Sozialarbeiter und das College knüpfen Kontakte zu Arbeitgebern, damit sie die Jugendlichen zur Probe arbeiten lassen. Eine Jobgarantie ist das noch nicht. Aber es verbessert die Chancen. "Wenn ich mich anstrenge und hart arbeite, jeden Tag pünktlich bin, dann kriege ich vielleicht eine Ausbildungsstelle als Maler. Das würde ich gern machen", sagt Taylor, dessen Sätze länger werden, wenn er über seine Träume spricht.

Todd parkt den Wagen hinter einem roten Sandsteingebäude an der Shettleston Road, der Zentrale von Includem, der Sozialarbeiterorganisation. Dreimal in der Woche treffen sie sich. Selten bleiben sie im Büro. Meist gehen sie Billard spielen, weil man dabei besser ins Gespräch kommt. An diesem Tag sitzen sie im Büro. Sie müssen noch üben. Für das Vorstellungsgespräch. "Jungs wie Scott haben damit oft Probleme", sagt Todd. "Sie mussten sich immer nur in der Gruppe beweisen."

Die Gangs nennen sich Parkhead Rebels, Calton Tongs und Gallowgate Mad Squad. Zwischen ihnen herrscht Krieg. Die Gangs gehören zur Kultur der Vorstädte wie billiges Bier und heruntergekommene Sozialbauten. Viele von ihnen existieren seit Jahrzehnten. Die Jugendlichen schlagen sich, weil ihre Väter einmal in der Gang waren. Und die waren in der Gang, weil schon deren Väter in einer Gang waren. Es geht nicht um die Kontrolle des Drogenhandels. Nicht darum, dass die einen etwas haben, was man selber gern hätte. Es geht um das Prügeln an sich. Was wirr klingt, hat durchaus eine Logik: Die Gang vermittelt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, Glücksmomente und Erfolge.

375 West George Street, erster Stock. Ein Bürogebäude in der Innenstadt. Das Hauptquartier der Violence Reduction Unit von Robert Stevenson. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Bilder von Bandenmitgliedern. Einer hat zwei Narben von Messerverletzungen unter der Brust. Einem anderen fehlen zwei Finger. Stevenson, ein ruhiger, besonnener Mann, bittet in einen Besprechungsraum. "Es gibt für Polizisten nichts Einfacheres, als Verbrecher zu jagen, zu schnappen und einzusperren. Doch damit ändert man die Menschen nicht. Wenn sie rauskommen, machen sie gerade so weiter", sagt er.

Als er sich vor gut drei Jahren mit den Sozialarbeitern von Includem zusammensetzte, war allen klar, dass sie gescheitert waren. An der eigenen Arbeit konnte es nicht liegen. Die Aufklärungsrate für Mord liegt in Glasgow bei 98 Prozent. Und das auch nur, weil am Stichtag einige Ermittlungen formell noch nicht abgeschlossen sind. Auch Gang-Mitglieder werden schnell geschnappt.

Was falsch war, war die ganze Methode dahinter. "Wir sind sehr gut im Ermitteln", sagt Stevenson. "Aber wir verstehen nichts von Menschen." Die Polizei, sagt er, habe einen zu engen Blick auf die Welt. Sie unterscheide zwischen Gut und Böse. Grautöne gebe es keine. "Wir verstehen nicht das Chaos, in dem sich das Leben vieler Menschen abspielt. Aber genau darum geht es bei Bandenkriminalität: um die kaputten Familien, die Isolierung und die soziale Situation der Leute."

Wird ein Jugendlicher festgenommen, ist das für Stevensons Beamte die Chance, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Dabei wird ihm ein Aussteigerprogramm angeboten. Regelmäßig werden Gangs auch zu einem simulierten Gerichtsverfahren geladen. 100 Jugendliche treffen dort auf 100 Nachbarn, die ihr Verhalten spiegeln. Am Ende tritt jedes Mal eine Mutter auf, die berichtet, wie furchtbar es für sie war, als mitten in der Nacht ein Arzt anrief, um ihr zu sagen, ihr Sohn liege nach einer Prügelei schwer verletzt im Krankenhaus. Dann, so Stevenson, kippe die Stimmung im Raum. Die Mutter ist im Leben vieler junger Männer die einzige Person, die sie nicht verlassen hat. Die Polizei ist ihnen verhasst. Der eigene Vater ist meist abgehauen. Auf der Straße lauert überall Gefahr. Eine Mutter aber bedeutet Schutz und Vertrauen, sie wird verehrt.

Natürlich kann man zornige junge Männer nicht in einer Stunde zu anderen Menschen machen. "Manche müssen zwei-, dreimal kommen", sagt Stevenson. Andere würden danach wieder festgenommen. Es gibt keine schnellen Lösungen.

Scott stieß mit 13 Jahren zur Gang. "Weil die Großen es auch gemacht haben." Mit 15 hatte er die Schule beendet und nichts mehr zu tun. Er hätte gern Fußball gespielt. Aber zum Sport-Club einen halben Kilometer weiter konnte er nicht, weil der auf dem Territorium einer anderen Gang liegt. Das wäre gefährlich gewesen. Wer in solch unsichtbaren Grenzen gefangen ist, für den bedeutet die Gang auch Schutz.

Garthamlock, seine Heimat, ist ein deprimierendes Viertel auf einem Hügel, in dessen Zentrum ein gigantischer Wasserturm steht. Die Einfamilienhäuser haben Spitzdächer, die Apartmentblocks Flachdächer. Überall hängen Satellitenschüsseln. Der Putz blättert von den Fassaden ab, die Farbe von den Fenstern. Scott Taylor traf sich mit den anderen vom Gyto, seiner Gang, vor der Postfiliale, in der auch Alkohol verkauft wird. Sie drückten den Erwachsenen die paar Pfund in die Hand, die sie hatten, damit die für sie Bier und Schnaps kauften. Dann soffen sie und warteten darauf, dass was passierte. "Irgendwann zogen wir dann los in den Kampf."

Feind Nummer eins waren Jugendliche aus Ruchazie, dem Nachbarviertel. Garthamlock und Ruchazie werden nur von der Stepps Road getrennt. Manchmal mussten die Autofahrer warten, bis die Schlacht vorbei war, wenn sie sich auf der Straße schlugen. Einige seiner Feinde waren Klassenkameraden. Warum sie sich bekriegten? "Wir kämpften um unser Territorium", sagt Scott. "Wenn einer ins Viertel kam, der da nicht hingehörte, gab es einen Fight." Eine Straßenzeile kämpft gegen die andere.

Der Weg aus der Parallelwelt: ehrliche Arbeit

Nicht immer ging die Mutprobe glorreich aus. Taylor musste auch einstecken. Ein Stein hat ihn einmal am Rücken getroffen, als er mit seinen Kumpels während eines Kampfes flüchten musste. Ein anderes Mal rammte ihm einer einen Billard-Queue in die Brust. Das war aber alles nicht so schlimm wie zusammengeschlagen zu werden. Zwei hielten ihn fest, einer hämmerte wie von Sinnen auf ihn ein. Natürlich hat er sich gerächt. "Ich hab' einen der Typen erwischt und ihn verprügelt." Tags darauf ging es wieder andersrum.

"Für sie ist das alles normal", sagt Ryan Todd, der Sozialarbeiter. "Sie lernen früh, dass sie an das Leben keine Ansprüche stellen dürfen." Darum geht es bei dem Glasgower Projekt: zu zeigen, dass es noch eine andere Welt gibt. Abseits der Straßenbanden. Aber oft funktioniert das nur über Druck.

Scott Taylor stieg aus, nachdem er verhaftet wurde. Auf der Polizeiwache boten sie ihm an, ein anderes Leben zu beginnen. Der Schreck der Festnahme hat gewirkt. Womöglich weil er ein Mitläufer war, kein Anführer. "Heute versuche ich mich aus Problemen rauszuhalten", sagt er. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: "Kämpfen ist doch dumm. Wirklich nur dumm."

So sehen es auch seine Freunde. Sie sind ebenfalls ausgestiegen. Einer hat einen Job gefunden. Ein anderer möchte gern zum Militär. Taylor lacht, als er erzählt, dass er als Junge immer Polizist werden wollte. Das gehe heute aber nicht mehr. "Ich hasse Cops", sagt er. Als er von einem realistischeren Traum spricht, strahlt er wieder. Er möchte einmal Maler werden. Oder Raumausstatter. "Das gefällt mir gut. Ich hoffe, dass ich es in diese Branche schaffe. Ich verdiene jetzt schon 70 Pfund in der Woche. Und das ist mein eigenes Geld." Das Gyto hat aufgehört zu existieren, weil alle ehemaligen Mitglieder arbeiten. Nach Feierabend gehen sie jetzt anderen Hobbys nach.

Vor zwei Monaten wurde in Garthamlock ein Fußballplatz gebaut. Jetzt kann Taylor das tun, was er am liebsten tut: kicken. Sie spielen immer zwei gegen zwei. Jeder darf den Ball pro Spielzug nur zweimal berühren. Es sind schwierige Regeln, die viel Geschick verlangen. Nach dem Spiel geht er zeitig ins Bett. Er will pünktlich im College sein.

Es ist seine Chance. Und ein Geduldsspiel.

Für alle Beteiligten. -