Partner von
Partner von

Die kleine Unbekannte

Fast alle kennen Flexi-Hundeleinen. Aber kaum einer weiß, dass eine Markenfirma dahintersteckt. Das will der Chef nun ändern.




• Erste Station bei Manfred Bogdahns Firmenführung ist die Folterkammer. Dort werden seine Roll-Leinen mit allerlei Apparaturen malträtiert: immer wieder ein- und ausgezogen, extremen Temperaturen und Kräften ausgesetzt und sogar mit Schmirgelpapier bearbeitet. Denn Flexi sei keine triviale Sache, sondern ein "Qualitätsprodukt, handmade in Germany" – das ist die Botschaft des gertenschlanken und von den Schuhen bis zum Einstecktuch in Blau gekleideten Chefs. Der 69-Jährige hat die Leine, mit der man seinem Vierbeiner Auslauf gewähren kann und doch immer im Griff hat, vor fast 40 Jahren erfunden – und ist damit zum Weltmarktführer geworden. 50 000 Stück werden heute täglich in dem schleswig-holsteinischen Städtchen Bargteheide hergestellt, 90 Prozent gehen in den Export.

Derzeit arbeitet seine zehnköpfige Entwicklungsabteilung an einer neuen Produktgeneration, die 2013 auf den Markt kommen soll. Mehr will Bogdahn nicht verraten, alles streng geheim. Er ist ein manischer Kontrollfreak und setzt ganz auf seine Nische. Der intelligente Kern des Produktes, das Federaufhängungssystem im Griff, ist patentiert; die Schalen werden mit eigenen Spritzgussmaschinen hergestellt und alle Einzelteile tatsächlich in Bargteheide per Hand zusammengefügt. "Wir haben mit einer automatisierten Montage experimentiert, waren aber mit der Qualität nicht zufrieden", sagt der Patriarch und führt stolz durch seinen wie geleckt aussehenden Betrieb, in dem viele Mitarbeiter vietnamesischer Herkunft werkeln. Sie produzieren rund 380 Flexi-Varianten in allen möglichen Looks von klassisch bis gewagt. "Leopard geht super", erzählt der Chef. Die glamourösesten Modelle werden, ebenfalls von Hand, mit Swarovski-Glitzersteinchen beklebt und kosten die modebewusste Kundin rund 150 Euro.

Man darf sich Bogdahn, der sich freut, von Banken unabhängig zu sein, als glücklichen Unternehmer vorstellen – wären da nicht zwei Luxusprobleme. Erstens sind seine Produkte sehr langlebig. So schrieb eine begeisterte Kundin aus England, dass ihre Anfang der achtziger Jahre gekaufte Leine einen Collie, einen Labrador, vier Dackel und zwei Windhunde überlebt habe. Zweitens kennen zwar die meisten Hundehalter Flexi – der Name ist zum Synonym für Roll-Leinen geworden –, doch kaum einer weiß, dass ein Markenunternehmen dahintersteckt.

Das ärgert Bogdahn, er arbeitet an einem neuen Markenauftritt – nicht zuletzt, um seine Position gegenüber dem übermächtigen Handel zu stärken. Der größte Abnehmer ist der US-Gigant Wal-Mart. Die Zukunft für sein Ein-Produkt-Unternehmen sieht er rosig. Er schwärmt von "den immensen Märkten" in Brasilien, Russland und China, wo die wachsende Mittelschicht auf den Hund kommt und mit der Flexi-Leine das kontrollierte Loslassen lernen könnte.

Er selbst tut sich damit schwer. Einen längeren Testlauf mit seinem Schwiegersohn, der als Nachfolger aufgebaut werden sollte, habe man im beiderseitigen Einverständnis beendet. Aber die Zeit dränge ja auch nicht, denn, so Bogdahn: "Ich fühle mich noch topfit!" •

Auf die Idee kommt Manfred Bogdahn, der damals bei einem Sägehersteller arbeitet, beim Gassigehen mit seinen beiden Foxterriern: Eine Leine, die mehr Auslauf erlaubt, wäre prima. So bastelt der gelernte Maschinenbauer aus dem Startmechanismus einer Motorsäge und zwei Holzschalen eine, probiert sie aus – und wird gleich von anderen Hundehaltern interessiert beäugt. 1973 bringt er das erste Serienmodell auf den Markt, das sofort einschlägt. Bogdahn erkennt früh die Chancen in Ländern wie Japan und den USA, wo die Hunde-Dichte deutlich höher ist als hierzulande. Wichtigster Markt sind die Vereinigten Staaten, wo das Geschäft allerdings wegen der scharfen Produkthaftung seine Tücken hat. Eine Frau, die ihre Flexi-Leine statt am Halsband am Ring für die Hundemarke befestigt, von wo sie sich löst, zurückschnellt und sie am Auge verletzt, droht mit Klage und wird mit einer halben Million Dollar abgefunden. Ein anderer Kunde behauptet gar, sein Hund habe ihm mithilfe der Leine die Fingerkuppe abgetrennt – was durch ein Gutachten der Universität Hamburg widerlegt werden kann. Trotzdem prangen auf der für Nordamerika bestimmten Ware seitdem unübersehbare Hinweise, die vor Strangulations- und Amputationsgefahr warnen. Sicher ist sicher. Flexi - Bogdahn International GmbH & Co. KG Mitarbeiter: rund 300; Umsatz 2010: etwa 50 Millionen Euro; Gewinn: k. A.