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Schweres Spiel

Borussia Dortmund ist Deutscher Fußballmeister und steht wirtschaftlich glänzend da. Die Aktie kommt trotzdem auf keinen grünen Zweig. Zu Recht.




Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahr um stolze 35 Prozent auf 136 Millionen Euro zu. 9,5 Millionen Euro Gewinn blieben hängen. Stramme Leistung - allein, sie hat nicht viel zu sagen: Der Umsatz bewegte sich Anfang des Jahrtausends schon mal auf ähnlichem Niveau, da betrug allerdings der Gewinn nur ein Drittel des heutigen. Am Ende der Saison 2006/07 wiederum verdiente der BVB sogar besser als jetzt, 15 Millionen Euro. Da lag aber der Umsatz fast 30 Prozent niedriger. Die Zahlen zeigen: Es gibt bei Borussia Dortmund - wie bei den meisten Fußballclubs - keine stabile Entwicklung, keinen klaren Zusammenhang zwischen Umsatz und Gewinn. Beides schwankt in Abhängigkeit einer Vielzahl von Faktoren. Der sportliche Erfolg ist zwar wichtig, garantiert aber keine wirtschaftlichen Höchstleistungen. 2002 wurde Dortmund Deutscher Meister, verdiente aber nur 1,4 Millionen Euro. Zwei Jahre später immerhin noch auf dem sechsten Tabellenplatz - fuhren die Kicker einen zweistelligen Millionenverlust ein.

Die Krux bei Fußballvereinen sind die Personalkosten, getrieben vor allem durch hohe Spielergehälter. Sie machen bei Borussia Dortmund 42 Prozent vom Umsatz aus. Zum Vergleich: Andere personalintensive Branchen wie etwa der Einzelhandel kommen auf 20 bis 30 Prozent. Dabei ist Dortmunds Kader noch relativ günstig. Die Kosten beim FC Bayern München liegen mit über 100 Millionen allein für die Mannschaft rund doppelt so hoch. Doch auch für Dortmund werden die Kosten steigen: Mit der Meisterschaft wurde die junge Mannschaft bekannt, der Marktwert der Spieler - und mit ihm ihre Gehaltsforderungen steigt nun rasant. Will der BVB seinen Kader nicht schwächen, muss er drauflegen. Gelingt es dann nicht, den sportlichen Erfolg zu halten, gerät schnell die Profitabilität in Gefahr.

Der Marktwert der Mannschaft wird von Experten derzeit auf rund 160 Millionen Euro geschätzt. Sie steht aber nur mit knapp 20 Millionen Euro unter dem Posten "immaterielle Vermögensgegenstände" in den Büchern. Dortmund könnte also gutes Geld verdienen, verkaufte es einen seiner Stars, etwa Mario Götze, für den bereits 40 Millionen Euro geboten wurden. Damit gefährdete der Verein aber seinen sportlichen Erfolg. Und den braucht er, um den insgesamt teurer werdenden Kader zu finanzieren.

Trotz dieser Gefahren: Die nähere Zukunft sieht rosig aus. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Meisterschaft einen enormen Umsatzschub gebracht. Die Einkünfte aus dem Spielbetrieb stiegen durch die vier zusätzlichen Europa-League-Spiele um 18 Prozent auf fast 28 Millionen Euro. Mehr war nicht drin, weil das rund 80 000 Zuschauer fassende Stadion auch in der vergangenen Saison stets zu mehr als 90 Prozent ausverkauft war. Noch stärker legten die Erlöse aus Werbung - etwa auf Trikots und Banden - und der TV-Vermarktung der Bundesliga zu. Sie liegen zusammen 37 Prozent über dem Vorjahr und trugen mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Die TV-Vermarktung ist es auch, die den finanziellen Erfolg für die nächste Saison jetzt schon sicherstellt: Mindestens 25 Millionen Euro an zusätzlichen Erlösen bringt allein die Teilnahme an der Champions League.

Banken wie Investoren misstrauen dem Geschäftsmodell der Fußballvereine. Das lässt sich zum einen am Börsenkurs der BVB-Aktie ablesen, der heute mit knapp 2,50 Euro fast 80 Prozent unter dem Ausgabekurs von vor elf Jahren liegt. Zum anderen gibt die Bilanz ein klares Signal: Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sinken seit Jahren, sie waren 2006 noch dreimal so hoch. Anstelle von Bankdarlehen arbeiten viele Fußballvereine, auch Dortmund, mit dem Geld von Sportrechtevermarktern. Das Prinzip ist einfach und gängig: Der Sportrechtevermarkter, beim BVB die Firma Sportfive, erhält einen langjährigen Vermarktungsvertrag mit üppiger Provision. Dafür zahlt er eine sogenannte signing fee, die dem Club als Finanzierung dient. Im Fall von Dortmund zahlte Sportfive 2008 50 Millionen Euro für einen Zwölf-Jahres-Vertrag. Da die signing fee kein Kredit im herkömmlichen Sinne ist, wird sie als Passiver Rechnungsabgrenzungsposten (PRAP) verbucht.

Der Ballspiel-Verein Borussia 09 e. V. Dortmund (BVB) wurde 1909 gegründet und ist mit sieben Deutschen Fußballmeisterschaften und Siegen in diversen internationalen Wettbewerben einer der erfolgreichsten deutschen Fußballclubs. 1999 wurden die ersten Fußballmannschaften in eine separate Gesellschaft ausgegliedert, die im Herbst 2000 - als bislang einziges deutsches Fußballunternehmen - an die Börse ging. Dortmund verpflichtete teure Spieler, gewann 2002 die Deutsche Meisterschaft, aber danach ging es sportlich wie wirtschaftlich abwärts. Die Aktie erreichte nie wieder den Ausgabekurs.