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Ich glaube, es hackt!

Die finnische Firma Fiskars hat es auf den deutschen Hobbygärtner abgesehen. Und umgarnt ihn mit Gerät, das nicht nur praktisch, sondern auch schick daherkommt.




• Die Schneeschieber-Produktion bei der Firma Fiskars in Herford läuft auf Hochtouren. Und das schon seit April, wie Jan Witt, Zentraleuropa-Chef des Unternehmens beim Rundgang durchs Werk erfreut erzählt. Im vergangenen harten Winter waren die Räumgeräte vielerorts ausverkauft, und es gab lange Lieferfristen, weshalb sich die Leute – sicher ist sicher – nun offenbar rechtzeitig eindecken. Für das Modell von Fiskars müssen sie mit rund 33 Euro deutlich tiefer in die Tasche greifen als bei der Billigkonkurrenz im Baumarkt. Dafür bekommen sie einen leichten Alu-Stiel, einen ergonomischen Griff und fünf Jahre Garantie (auf den Stiel).

Der kernige und eher wortkarge Witt kennt sich mit der Arbeit an der frischen Luft aus, er kommt vom Bauernhof auf Fehmarn am nördlichen Rand der Republik und spricht auch noch so. Nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens war er beim Konsumgüter-Riesen Unilever, zuletzt in Österreich, bevor er 2004 zum hierzulande weithin unbekannten, ältesten finnischen Industrieunternehmen wechselte. Mit seiner Familie lebt der 41-Jährige aber nach wie vor bei Wien und arbeitet, wenn er nicht ohnehin für die Firma unterwegs ist, die halbe Woche von daheim: "Für Teams ist es gut, wenn der Chef nicht immer da ist, dann agieren sie selbstständiger."

Er und seine Kollegen haben eine interessante Zielgruppe im Visier: Hobbygärtner, die Wert auf Qualität legen, es bequem mögen und nicht auf den Cent achten. Mit Äxten hat sich Fiskars hierzulande schon einen Namen gemacht. Die Beile sind leicht, scharf und sicher, weil der Kopf ganz vom Schaft umschlossen ist – die Verbindung von Stahl und Kunststoff ist traditionell eine Stärke der Finnen. Bei solchem Männerspielzeug zählt aber natürlich nicht nur das Praktische. "Holzhacken ist cool", sagt Witt.

Damit sich dieses Gefühl auch beim Unkrautjäten einstellt, hat er zudem ein Gerät im Sortiment, mit dem "Sie nicht mehr auf Knien vor Ihrer Familie herumrutschen müssen". Im Werbespot hört sich das Repetieren des ein Meter langen Unkrautstechers mit Greifarmen an, als würde eine Pumpgun nachgeladen. Solche Werbung schaltet das Unternehmen zur Gartensaison unter anderem in der Sportschau und vor der Tagesschau, um möglichst viele ältere Herren – das ist die Kernzielgruppe – zu erreichen.

Die Angreifer aus dem hohen Norden haben Bewegung in eine Branche gebracht, die hierzulande lange allein von den Platzhirschen Gardena und Wolf dominiert wurde. Als Indiz für die Unruhe auf dem Markt nimmt Witt etliche Kopien seiner Produkte – bis hin zur Firmenfarbe Orange, die nur in Finnland geschützt ist, denn: "Schlechte Ware wird nicht kopiert."

Und fürs kommende Jahr kündigt er schon mal eine "Produktoffensive" an, die der Konkurrenz das Fürchten lehren soll: vom "Spindelmäher Momentum" über den "Hand-Erdbohrer Quickdrill" bis hin zur "Fugenbürste Quickfit". Über die allgemeine Wirtschaftslage macht sich der Schleswig-Holsteiner in Ostwestfalen dagegen keine Gedanken, denn sein Geschäft sei krisenfest: "Gegärtnert wird immer." •

Der holländische Kaufmann Peter Thorwörste gründet 1649 im finnischen Dorf Fiskars (das damals unter schwedischer Herrschaft steht) eine Manufaktur, wo er Gusseisen- und Schmiedewaren herstellt. 1822 übernimmt der Apotheker Johan Jacob von Julin die Firma. Er beginnt mit der Produktion von Dampfmaschinen, landwirtschaftlichen Maschinen und Haushaltswaren. Seine Nachkommen sind heute die Hauptanteilseigner. 1915 geht Fiskars in Helsinki an die Börse. Ein echter Hit kommt 1967 auf den Markt: die Haushaltsschere mit ergonomischen Plastikgriffen in Orange – seitdem Firmenfarbe. Der Klassiker hat sich bis heute mehr als 800 Millionen Mal verkauft. Ab Ende der Siebziger expandiert der Konzern ins Ausland, legt sich etliche andere Marken zu, die er weiterführt, und konzentriert sich auf Produkte für Haushalt, Garten und Outdoor-Aktivitäten. Im Jahr 2000 übernimmt Fiskars die Firma Ebert in Herford, einen Hersteller von Kunststoff-Blumentöpfen, der hierzulande Marktführer ist, und richtet dort seine Deutschland-Zentrale ein. Auch Ebert wird als lokale Marke weitergeführt und das Sortiment nach finnischem Vorbild aufgehübscht. Fiskars Gruppe
Mitarbeiter: weltweit 3600; Umsatz 2010: rund 716 Millionen Euro; Gewinn (EBIT): 49 Millionen Euro