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Eine DJane in Äthiopien

Monatsverdienst, Monatsgrundkosten, Altersvorsorge

Wenn Yemi Fisseha im Sheraton Hotel von Addis Abeba auflegt, verdient sie rund 86 Euro an einem Abend. Im Monat kommt sie auf mindestens 880 Euro. Davon lässt es sich in Äthiopien gut leben, besonders wenn man wie Fisseha noch bei den Eltern wohnt und keine Miete zahlt. Sie hat weder eine Altersvorsorge noch eine Krankenversicherung.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich liebe sie. Vor allem, wenn Fans kommen und ein Autogramm wollen. Dann freue ich mich riesig. In meiner Radio-Show macht es mir Spaß, zu den Menschen zu sprechen, ihnen etwas beizubringen. Ich kann da gut Botschaften rüberbringen. Zum Beispiel: Mädels, es ist nichts unmöglich. Ihr könnt auch DJ werden, wenn ihr nur wollt.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Musik und meine Familie. Früher dachte ich, dass ich mit 24 verheiratet sein werde, aber es kam eben anders. Das Kinderkriegen habe ich verschoben. Ich finde heute: Dreißig ist ein gutes Alter. Aber mal sehen, was ich dann sage. Auf jeden Fall will ich einmal Kinder.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Am Anfang haben die männlichen DJs über mich gelacht. Das hat wehgetan. Aber Aufgeben wollte ich nicht. Als sie mich dann auflegen sahen und vor allem als sie mitgekriegt haben, dass ich höhere Gagen bekomme als sie, wurde es besser.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, mit dem Plattenauflegen aufzuhören, aber auch nicht, mit 40 noch hinter dem Pult zu stehen. Das geht auf den Rücken. Nach meiner DJ-Karriere würde ich gerne selber Platten produzieren und die äthiopische Kultur auf die nächste Stufe heben: neue Dinge ausprobieren, die Kultur bewahren, aber eben auch zeigen, wie sie zu Hip-Hop oder Rhythm 'n' Blues passt. Das wäre großartig. Und ich hätte gern einen eigenen Club. Da könnte ich dann die Musik, die ich produziere, gleich promoten.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Ich würde genauso weitermachen. Musik ist einfach mein Ding. Außerdem gibt mir meine Arbeit die Möglichkeit, anderen zu helfen. Ich bin Mitglied der „Gender Based Violence Campaign Ethiopia“. Jedes Jahr gibt es eine Aktionswoche. Dort arbeite ich in Workshops und kläre Frauen über ihre Rechte auf.

Aus Äthiopien kommen in der westlichen Welt meist nur Negativschlagzeilen an: Hunger und Armut bestimmen das Bild. Wie erleben Sie das Land?

Ich liebe mein Land. Als ich in den USA lebte, habe ich bemerkt, dass die Leute denken, wir würden noch auf Bäumen hausen. Da habe ich ihnen einfach empfohlen, sich selbst ein Bild zu machen. Sie könnten dann sehen, wie Äthiopien wirklich ist. Wir haben eine große Geschichte, und hier leben wunderbare Menschen, das kann niemand leugnen. Ich sage: „Kommt und besucht Äthiopien. Genießt dieses tolle Land.“ ---

Äthiopien:
Einwohner: 90 Millionen
Währung: Birr (ETB) (24,73 ETB = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 294 Euro (2009)
Human Development Index: Platz 157 (Deutschland: 10 von 169 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 CD von DJ Yemi: 1,03 Euro
1 Liter Benzin: 0,77 Euro
1 Bier: 0,41 Euro
1-mal Schuhe putzen lassen: 0,81 Euro
1 Holzzahnbürste: 0,04 Euro