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Der Holzweg

Als die Niederlande die Welt eroberten, brauchte das Land Schiffe. Das Material dafür kam aus dem Schwarzwald auf abenteuerliche Weise.




• Der Schwarzwald hatte alles, was ein Wirtschaftsstandort im 18. Jahrhundert brauchte: Rohstoffe, Arbeitskräfte, und er war durch die Flüsse Kinzig, Murg, Nagold und Enz mit dem Rhein verbunden. Dieser Wasserweg war es auch, der den Schwarzwäldern dazu verhalf, die dicken Baumstämme aus ihren Forsten an den Mann zu bringen.

Die Händler banden die Stämme mit Weiden aneinander, fuhren auf den Flößen die Gewässer hinunter – und reisten so auf ihrer Ware bis nach Rotterdam. Im 18. Jahrhundert waren die Niederlande eine mächtige Kolonialmacht, deren Schiffe um die ganze Welt segelten. Das Holz für ihre Flotte kam aus dem Schwarzwald.

Der internationale Handel florierte, und die Floßherren brachten es zu Wohlstand. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte ein Floß einen Wert von damals 6000 Mark. Allein auf der Kinzig trieben damals jährlich rund 300 Flöße ins Tal. Nach heutigem Wert wären das aufs Jahr gerechnet etwa 20 Millionen Euro gewesen. Der Verkauf der Stämme war nicht die einzige Einnahmequelle der Floßherren. Auf den bis zu 600 Meter langen Gefährten, transportierten sie auch Hopfen, Rinden und Harz, was ihnen weitere Verdienste einbrachte.

Allerdings galt es auch Abgaben zu entrichten. Für die Durchfahrt mussten die Schiffer Gebühren bezahlen und die Floß- und Schiffsordnung beachten, über die ein Bachvogt wachte.

Der technische Fortschritt bedeutete das Aus für diese Branche. Mit der Eisenbahn konnte das Holz viel unbeschwerlicher aus dem Schwarzwald geschafft werden. Der Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob (1837-1913) bedauerte dies in seinem Buch "Waldleute": "Die Lokomotive pfiff ins waldige Kinzigtal hinein, sie rief die Straße wach im Tälchen des Heubachs und die Flößer sind verschwunden."