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Roomvibes

Peter Resch hat aus einer Abneigung ein Geschäft gemacht. Weil er lieblose Hintergrundmusik hasst, beliefert er Restaurants, Bars und Hotels mit Songs, die zu ihnen passen.




- Musik sei gut fürs Geschäft, ein wichtiger Stimmungsmacher, sagt Raimund Katterbauer, Betreiber des "Magazins" in Salzburg, ein Restaurant mit Vinothek, Weinbar und Delikatessenladen. Alle Räume wollten beschallt werden, von zehn Uhr morgens bis Mitternacht. Früher hätten sich darum Mitarbeiter gekümmert, doch das habe sich als "fehleranfällig" erwiesen. Zu oft hätten sich die Titel wiederholt, oder es sei die falsche Musik zur falschen Zeit gelaufen. Die Lösung für sein Problem lieferte das oberösterreichische Unternehmen Roomvibes - seither wird der Betrieb vollautomatisch mit für ihn abgestimmter Musik bespielt.

Peter Resch, der Gründer von Roomvibes, verließ vor fünf Jahren die florierende Familienfirma Resch & Frisch, eine Bäckerei-Kette, um sich auf dieses neue Geschäft zu verlegen. Rund 400 000 Euro hat er bislang investiert.

Der Musikfreund legte als Jugendlicher bei Dorffesten Platten auf und ärgerte sich später immer wieder über die lieblose Beschallung öffentlicher Räume mit Konservenmusik, auch Muzak genannt. Auf die Geschäftsidee kam er, als er einer Freundin, die ein Hotel besitzt, im Auto eine Playlist von seinem iPod vorspielte. Sie war angetan, und schon am selben Abend lief Reschs Mix in ihrer Hotelbar.

Er und seine zehn Mitarbeiter verstehen sich als Berater für Leute, die Musik brauchen, selbst aber keine Ahnung davon haben oder sich nicht darum kümmern wollen. Am Anfang steht die Recherche. Die Roomvibes-Mitarbeiter hätten "das Verhalten der Gäste unserer Bar tagelang beobachtet", erzählt Markus Pfeffer, Marketingleiter der St. Martins Therme und Hotel im Burgenland.

Jeder Kunde bekommt einen einfachen Touchscreen-Computer - und eine maßgeschneiderte Playlist, die er nur noch zu starten braucht. Musikredakteure, DJs und Mitarbeiter von Platten-Labels wählen die Titel aus. Die werden dann nach Musikstilen und Tempi klassifiziert und verschiedenen Zielgruppen zugeordnet. Jeder einzelne Titel wird von Roomvibes bearbeitet. So muss man mitunter die Lautstärke eines Dreißiger-Jahre-Chansons anheben, damit der Titel in ein moderneres Programm passt.

Woran Reschs Kunden nicht vorbeikommen: Für das Abspielen urheberrechtlich geschützter Titel fallen Gebühren an. Diese erhebt die Verwertungs gesellschaft AKM - wie in Deutschland die Gema - in Form von Lizenzen, Roomvibes bezahlt ein Kopierentgelt für MP3-Titel zur Abdeckung entgangener CD-Verkäufe.

Mittlerweile hat Roomvibes 30 Kunden mit 50 "Musikzonen" gewonnen, der Jahresumsatz soll in diesem Jahr 230 000 Euro betragen. Im kommenden Jahr rechnet Resch bereits mit einer halben Million. Er ist ein Mann, der ungern etwas dem Zufall überlässt. Seine Mitarbeiter können via Internet auf jedes laufende Programm zugreifen und es ändern. Dazu braucht es immer noch Menschen. Man kooperiere zwar auch mit Forschern, die automatische Systeme zur Musikklassifizierung entwickeln. Doch wirklich befriedigend arbeiteten diese Programme noch nicht.

Die richtige Musik fürs richtige Publikum zur richtigen Zeit zu finden: Das ist keine exakte Wissenschaft, sondern eher eine Kunst. Bestimmte Tricks kennt man natürlich, so weiß jeder Diskjockey, dass die Leute bei Stücken mit hohem Tempo mehr tanzen, schwitzen - und trinken.

Die Arbeit von Roomvibes ist komplizierter, es kommt auf die Feinheiten an. Der Soundtrack darf nicht so aufdringlich sein, dass er die typische Geräuschkulisse des Ortes überdeckt, denn, so Resch: "In Restaurants gibt es nichts Schöneres als Gläserklirren, Tellerklappern und Tischunterhaltungen." Vor allem muss das Programm zur typischen Atmosphäre eines Ortes passen. Dass man eine Apotheke nicht mit Heavy Metal volldröhnen kann, leuchtet jedem ein. Aber auch Klassik könne "zu dynamisch" sein, sagt Resch. Zumal man dort meist mit gedämpfter Stimme spreche: "Da kann man kein Tralala spielen." Der Fachmann rät zu entspanntem Folk-Pop.

Der gute Tipp für Gastronomen: Es muss nicht immer "Hey Jude" oder "Satisfaction" sein

Der Mix für ein Hotel könnte zum Beispiel so aussehen: Vor dem Frühstück läuft Hardrock - das wünscht sich das Personal zum Munterwerden, um diese Zeit sind noch keine Gäste da. Am Vormittag geht es dann weiter mit relaxtem Lounge-Jazz, zu Mittag läuft etwas Mediterranes, am Nachmittag Folk-Pop, zum Abendessen stimulierender Flamenco, und später geht es dann Richtung Barmusik. Schließlich braucht es dann noch die richtigen Titel, um das werte Publikum in Richtung Bett zu bewegen.

Abgenudeltes versucht Resch zu vermeiden. So dürfen in einem Sechziger-Jahre-Programm die Beatles nicht fehlen, aber statt "Hey Jude" empfiehlt er dann eher "Blackbird". Und statt "Satisfaction" von den Rolling Stones "Memo from Turner" von Mick Jagger. Letztlich entscheidet aber der Kunde, weshalb die künstlerische Selbstverwirklichung der Roomvibes-Mitarbeiter ihre Grenzen hat. Einen, sagt Resch, habe er schon verloren, nachdem er dessen Bars "leer gespielt" habe. -