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Job und Logis

Im 19. Jahrhundert gab es im Ruhrgebiet Arbeitsplätze in der neu entstehenden Industrie – aber keine Wohnungen. Also wurden Werkssiedlungen gebaut.




• Wilhelm Lueg hatte Mitte des 19. Jahrhunderts in Oberhausen ein für das Ruhrgebiet typisches Problem. Als Leiter der Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen fand er für deren Walzwerke keine Arbeiter. Für die gab es zwischen Ruhr und Lippe damals keinen Platz, weil Wohnungen fehlten. Also fasste er einen beherzten Entschluss: Er kaufte acht Hektar Ackerland und errichtete ab 1846 mehrere Häuser darauf. Die daraus entstandene Siedlung Eisenheim ist eine der ersten Werkssiedlungen Deutschlands.

Dresden hat den barocken Zwinger, Würzburg die Residenz, Fulda den Dom – im Ruhrgebiet kennzeichnen Arbeiterkolonien das kulturelle Erbe. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Region schwach besiedelt. Doch mit der Industrialisierung, mit immer neuen Hütten und Zechen, die nie still standen, wuchs auch die Bevölkerung – und mit ihr die Wohnungsnot. Zwischen 1860 und 1918 wurden allein in Gelsenkirchen 60 Werkssiedlungen gebaut.

1903 standen in Luegs Siedlung Eisenheim schon 51 Häuser mit je vier Wohnungen. Die Gebäude hatten zwei Stockwerke, und jede Wohnung besaß einen separaten Eingang, damit die Mieter sich wie im Eigenheim fühlen konnten. In schmalen Gärten hinter dem Haus bauten sie Kartoffeln und Karotten an und hielten neben ein paar Hühnern oder Kaninchen auch die "Bergmannskuh" – eine Ziege.

Für die Montanindustrie war der betriebliche Wohnungsbau alles andere als ein Zuschussgeschäft. Dank der Mieten rentierte sich die Investition. In Zeiten hoher Fluktuation war das Angebot Job plus Wohnung ein wichtiges Argument, neue Arbeitskräfte zu gewinnen und möglichst dauerhaft an das Werk zu binden: Wer seine Stelle verlor oder kündigte, musste ausziehen – und verlor mit dem Arbeitsplatz auch die Wohnung.