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Bausparvertrag

Das Problem: Kleinen Firmen fehlt oft das Geld für Forschung und Entwicklung. Die Lösung: ein Finanzierungsinstrument, das jeder Bauherr kennt.




- Michael Petz ist Innovationsförderer bei den Industrie- und Handelskammern Stade und Lüneburg-Wolfsburg und beobachtet seit Jahren ein Dilemma kleiner Firmen. Sie müssen sich weiterentwickeln, um im Wettbewerb zu bestehen, doch für die notwendigen Zukunftsinvestitionen fehlt ihnen das Geld. Bei ihrer Hausbank beißen sie regelmäßig auf Granit: zu viele Unwägbarkeiten, keine Sicherheiten.

Öffentliche Fördermittel gibt es nur nach Überwindung bürokratischer Hürden, die Konzerne leichter nehmen. Und: Subventioniert werden vor allem Neuentwicklungen. "Die meisten Erfindungen", sagt Petz, "sind aber Weiterentwicklungen."

Er suchte nach einer marktwirtschaftlichen Lösung für das Problem und kam schließlich auf den guten alten Bausparvertrag: "Das Instrument ist dafür offen." Die Idee: Erst sparen Unternehmen 40 Prozent der Investitionssumme bei ihrer Bank an. Ist der Vertrag zuteilungsreif, kommen 40 Prozent als Darlehen von dem Geldinstitut dazu. 20 Prozent soll der Staat spendieren.

Auch den Anteil aus öffentlichen Mitteln hatte sich Petz zunächst nach dem Vorbild der Bausparzulage vorgestellt: als Innovationszulage. Bis ihn Horst Schade, Vizepräsident der Niedersächsischen Steuerberaterkammer, darauf brachte, dass ein geeignetes Instrument bereits existiert: der sogenannte Investitionsabzugsbetrag. Schon jetzt können Unternehmen maximal 40 Prozent der für eine geplante Investition nötigen Summe bis zu drei Jahre unversteuert zur Seite legen. Ein kleiner Zusatz in dem betreffenden Paragrafen könnte laut Schade reichen, um diese Steuerstundung auch für das Innovationssparen möglich zu machen.

Frohen Mutes ging Michael Petz zur Volksbank Stade-Cuxhaven. Mehrere Stunden saß er mit Bankmitarbeitern am Tisch, die auf ihren Taschenrechnern tippten. Ihr Fazit: Das könnte gehen, die Risiken seien überschaubar. Denn, so Jens Drexler, Bereichsleiter Vertriebsmanagement bei der Volksbank: "Wer es schafft, den Innovations-Vorsorge-Vertrag in zwei Jahren anzusparen, der wird voraussichtlich auch das Darlehen tilgen können." Zehn Pilotverträge legte die Volksbank vergangenen Herbst auf.

Kein Papierkrieg, überschaubare Ansparphase, faire Konditionen das sind die Vorteile des neuen Modells nach altem Vorbild

Einen unterschrieb Uwe Eigenmann, geschäftsführender Gesellschafter von HDE Consult GmbH in Stade, einem Ingenieurbüro, das unter anderem Software für digitale Fabriken entwickelt. Über zweieinhalb bis fünf Jahre spart die Firma nun 25 000 Euro. Die Volksbank verzinst diese Summe zum 90-Tage-Euribor - dem Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen - plus einen Prozentpunkt obendrauf. Für den Fall, dass der Euribor unter 0,5 Prozentpunkte sackt, garantiert das Geldhaus dem Sparer insgesamt mindestens 1,5 Prozent jährlich.

Ist der Vertrag zuteilungsreif, zahlt die Volksbank das Kapital aus und gewährt ein Darlehen über denselben Betrag: maximal fünf Jahre lang und zu 1,5 Prozent Zins zusätzlich zum 90-Tage-Euribor, insgesamt mindestens 3,5 Prozent jährlich.

Eigenmann freut sich schon auf den Zuteilungstermin: Seine Firma wird sich dann erstmals leisten können, einen Mitarbeiter voll auf die Forschung anzusetzen. Die laufenden Spar- und Tilgungsraten tun dem Unternehmer nicht weh.

Öffentliche Mittel kommen für ihn nicht infrage. "Zu den meisten Innovations-Förderprogrammen passen wir nicht", sagt er. Entweder brauche man bis zur Marktreife eines Produktes mehr Zeit, als das Förderprogramm erlaube. Oder das, was die Firma entwickle, passe nicht zu dem, was Bund, Länder und EU gerade für förderwürdig erachteten.

Einen weiteren der zehn Innovations-Vorsorge-Verträge über insgesamt 120 000 Euro unterzeichnete Hans-Jürgen Hantke, geschäftsführender Gesellschafter der HIM Stade GmbH. Ebenfalls ein Ingenieurbüro mit zehn Mitarbeitern, das unter anderem Belastungstests, etwa in der Luftfahrt, mitentwickelt. An Subventionen käme er durchaus, sagt Hantke. Aber er nähme sie nur, wenn seine Firma als kleiner Partner eines größeren Unternehmens mit im Boot sei - sonst wäre es ihm zu viel Papierkrieg.

Über das neue, unbürokratische Finanzierungsinstrument freut er sich. "Die Raten gleichmäßig vorher und nachher aufzubringen ist viel leichter, als die gesamte Summe auf einen Schlag aus der Liquidität nehmen zu müssen."

Auch ohne staatliche Zuschüsse erleichtert das Innovationssparen Mittelständlern schon heute das Geschäft. Mit einer entsprechenden Steueränderung wäre es noch attraktiver, Geld für Forschung und Entwicklung zurückzulegen. Darüber sind sich der Volksbanker Drexler und die anderen Beteiligten einig.

Schließlich finanzieren Unternehmen auch mit dem Innovations-Sparvertrag ihre Investitionen aus schon versteuerten Gewinnen - was sie sehr teuer kommt. -