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Europalette

Der Euro ist zwölf Jahre alt und schwer angeschlagen. Die Europalette ist fünfzig und kerngesund. Für den Unterschied sorgen gute Pflege und scharfe Kontrolle.




- Sein offizieller Titel ist Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Paletten (Gpal), aber Martin Leibrandt hat nichts dagegen, wenn man ihn Paletten-Papst nennt. Der 43-Jährige beschäftigt sich hauptamtlich mit dem stummen Packesel des Wirtschaftslebens. Und scheint ehrlich begeistert von dem Job. Die Europalette sei "genial einfach, einfach genial".

Sie besteht aus nur 20 Elementen - 9 Klötzen und 11 Brettern -, die von 78 Spezialnägeln zusammenhalten werden. Erstmals zusammengenagelt wurde sie von Eisenbahnern, deren Namen leider in Vergessenheit gerieten. Dank der Europalette lässt sich beim Be- oder Entladen eines Waggons bis zu 90 Prozent Zeit sparen. 1961 eingeführt, schrieb sie eine logistische Erfolgsgeschichte, nur vergleichbar mit der des Containers. Heute sind weltweit bis zu 500 Millionen unterwegs.

Der Clou ist die Normierung. Weil alle Europaletten gleich sind - 120 mal 80 mal 14,4 Zentimeter -, konnte man Lkw, Lager und Verpackungsmaschinen auf sie zuschneiden. Und dank eines Mehrwegsystems noch mehr Zeit gewinnen: Wenn ein Spediteur sechs Paletten anliefert, braucht er nicht zu warten, bis die abgeladen sind, sondern nimmt einfach sechs andere mit. Das funktioniert nur, wenn sie in einwandfreiem Zustand sind. Darüber wacht die European Pallet Association (Epal) mit elf Nationalkomitees wie der Gpal. Die Epal hat auch die Markenrechte.

Die Prüfer lizensieren und kontrollieren Betriebe, die Europaletten herstellen und reparieren, allein in Deutschland sind das rund 580. Was bürokratisch klingt, ist notwendig: Morsche oder schlampig reparierte Paletten und minderwertige Plagiate brechen unter der in der Norm festgelegten Last von bis zu zwei Tonnen schon mal zusammen. Wenn das auf dem Weg in eines der oberen Fächer eines Hochregal-Lagers mit einer Ladung Ketchup passiert, sind die Sauerei und der Schaden immens.

Neben Fälschungen gab es auch immer wieder Versuche, Alternativen zur hölzernen Europalette zu entwickeln: Die Zukunft gehört Kunststoffpaletten, prophezeite die "Welt" 2005. Doch die haben sich ebenso wenig durchgesetzt wie solche aus Pappe. Für das Original sagt der Paletten-Papst Leibrandt ein Rekordjahr voraus: "Wir rechnen in Deutschland mit einer Produktion von bis zu 30 Millionen Stück - so viele wie nie zuvor." -