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Einfacher ist besser

Doppelnamen klingen doof. Das hat nun auch der Verleger von Deutschlands Gebrauchtwagen-Bibel erkannt. Und nennt sie wieder so, wie wir sie kennen: Schwacke.




• Michael Bergmann ist ein Mensch mit interessanter Vita. Der Kanadier mit österreichischen Wurzeln hat Karriere bei Opel gemacht und es zum Deutschland-Chef von Mazda gebracht. Um vor etwa zweieinhalb Jahren Geschäftsführer der Eurotax-Schwacke GmbH zu werden, einer vergleichsweise winzigen Firma. Aber mit großem Nimbus: Jeder, der mit Autos zu tun hat, kennt die Schwacke-Liste, Synonym für die Bewertung von Gebrauchtwagen.

"Die tolle Marke" sei ein Grund für seinen Wechsel gewesen, erzählt der 49-Jährige, der seinen englischen Akzent pflegt, am Firmensitz in Maintal nahe Hanau. Der zweite Grund: Bei Schwacke könne er, anders als als Landesfürst eines Autokonzerns, etwas bewegen. Zum Beispiel beim Markenauftritt: Nach der Internationalisierung Ende der sechziger Jahre firmierte das Unternehmen nicht nur unter Eurotax-Schwacke, sondern druckte den umständlichen Namen – den kein Mensch verwendet – auch auf alle Publikationen. Damit ist jetzt Schluss, denn, so Bergmann: "Wir sind Schwacke."

Auch im Kerngeschäft gab es Handlungsbedarf, um die Digitalisierung nicht zu verschlafen. Während der größte Konkurrent, die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), Gebrauchtwagenhändler schon mit CDs versorgte, operierte Schwacke noch mit telefonbuchdicken Folianten. Bergmann setzt nun aufs Netz. Privatleute und Firmenkunden können auf der Homepage gegen Gebühr Erkundigungen einziehen. Für 7,90 Euro erfährt man zum Beispiel, dass ein Golf V (2,0 TDI Goal DPF, 140 PS, Erstzulassung: 11/2006) mit 97 050 Kilometern auf dem Tacho noch 12 500 Euro bringen könnte.

Die Online-Strategie ist nicht ungefährlich, weil viele Leute ungern im Netz zahlen – und dort auch auf anderen Seiten recherchieren können. Bergmann betont deshalb, dass frei verfügbare Informationen oft "verwirrend" seien. Die Stärke seiner Firma sei das Sammeln und Aufbereiten dieser Informationen. Die Firma hat rund 13 000 Fahrzeugmodelle in allen Varianten erfasst, außerdem eine Datenbank für Restwerte, die ständig aktualisiert wird. Aus dieser Zahlensammlung, die die Schwackianer seit mehr als 50 Jahren betreiben und zu der auch die Unterhalts-und Reparaturkosten zählen, lesen sie allerlei heraus. Zum Beispiel den Wertverlust verschiedener Fahrzeugmodelle. Den Negativrekord in der Luxusklasse hält demnach der Jaguar XJ Super V8 (minus 75,8 Prozent in fünf Jahren).

Solche Informationen sind für die Autoindustrie, Sachverständige, Versicherungen und Leasing-Firmen nützlich. Die Interessen sind allerdings gegensätzlich. Während die Autohersteller sich hohe Restwerte wünschen, sind den Händlern niedrige lieber. Bergmann betont, dass sich Schwacke nicht beeinflussen lasse. Anders als der Konkurrent DAT, der Verbänden aus der Autobranche gehört, "sind wir vollkommen unabhängig".

Schwackes Eigentümer, die britische Private-Equity-Firma Candover, achtet vor allem auf eines: den Profit. Bergmann will dazu nur so viel sagen: "Wir schreiben schwarze Zahlen." •

Die Idee bekommt Hanns Wilhelm Schwacke frei Haus. Ein amerikanischer Soldat will seinen Chevrolet bei dem Autohändler in Zahlung geben, und der fragt sich, wie viel das in Deutschland rare Modell wert ist. Da zeigt der GI ihm das "Blue Book" der US-Autohändlervereinigung mit dem Restwert des Chevy. Schwacke beschließt, etwas Ähnliches herauszubringen. 1957 erscheint ein DIN-A-3-Blatt mit 35 Pkw-Typen und sechs möglichen Sonderaustattungen. Die Liste findet sofort Abnehmer und wird immer umfangreicher. Später erweitert Schwacke seine Firma um den Begriff Eurotax, verlegt die internationale Zentrale in die Schweiz und expandiert in mehrere Länder. Nur in Österreich bietet ihm der Konkurrent Helmuth Lederer Paroli. Schwacke macht ihn 1971 zum Teil- und später zum Alleininhaber. Der Gründer zieht sich 1980 zurück, um in Texas Pampelmusen zu züchten. Lederer fusioniert die Firma im Jahr 2000 mit dem britischen Konkurrenten Glass's Holding und verkauft sie an die Investmentgesellschaft HM Capital Partners. Die reicht sie 2005 für 480 Millionen Euro an Candover weiter. Die Gruppe mit 30 Ländergesellschaften setzt heute rund 100 Millionen Euro jährlich um. Eurotax-Schwacke GmbH Mitarbeiter: 75; Umsatz 2010 in Deutschland: rund 23 Millionen Euro; Anteil von gedruckten Listen am Umsatz: rund 20 Prozent