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Ein afghanischer Kamelhändler in Abu Dhabi

Monatsverdienst, Monatsgrundkosten, Altersvorsorge

Für ein Kamel bezahlt Aziz Masia rund 3000 Euro. An seinem Marktstand verlangt er für das Tier das Doppelte. Im Monat verkauft er zwei bis drei Tiere. Der Stand kostet ihn 420 Euro Miete, Trinkwasser inklusive, für Futter kommen weitere 400 Euro hinzu. Auf seinen Gewinn bezahlt er rund 900 Euro Steuern im Monat. Die Krankenversicherung schlägt mit zehn Euro zu Buche. Eine Altersvorsorge hat er nicht. Die Miete für sein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet 125 Euro. Weitere 350 Euro pro Monat braucht er für Alltägliches, wie Essen, Trinken und Kleidung. Seinen zwei nebeneinander wohnenden Frauen und drei Kindern schickt er monatlich 1500 Euro, plus 200 Euro an den Vermieter ihrer Häuser. Den Rest spart er für die Zukunft. Alle paar Wochen ruft er seine Familie an: Ein 30-Minuten-Telefonat nach Afghanistan kostet 40 Euro.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Meine Arbeit macht mich glücklich. Ich kenne mich mit Kamelen gut aus. Viele in meiner Familie züchten die Tiere, trainieren und verkaufen sie. Um ein gutes Rennkamel früh zu erkennen und es dann gut zu verkaufen, braucht man viel Erfahrung. Ich bin stolz, dass ich damit meine Familie ernähren kann.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Das Wichtigste sind mir meine Kinder. Für sie würde ich alles tun. Ich vermisse sie sehr, aber sie hierher zu holen, kann ich mir nicht leisten.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Meine größte Sorge ist der Krieg zu Hause. Ich lebe in ständiger Angst um meine Familie. Sie lebt in der Stadt Khost, etwa 150 Kilometer von Kabul entfernt, an der pakistanischen Grenze. Ganz in der Nähe gibt es einen Nato-Stützpunkt und immer wieder Attentate. Ich bete zu Allah, dass der Krieg bald ein Ende hat.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Manchmal treffe ich mich nach Feierabend mit ein paar Kollegen vom Markt in einem indischen Biryani-Restaurant. Auf dem Markt arbeiten nur Ausländer. Die meisten stammen aus Afghanistan, Pakistan oder Iran. Aber die Herkunft spielt bei uns keine Rolle – wir sind hier alle gleich. Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile zusammen, reden, trinken Tee und spielen Backgammon.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Dann würde ich auf der Stelle meine Sachen packen und zu meiner Familie fahren. Ich könnte dann auf meine Frauen aufpassen und mit den Kindern durch die Berge streifen. Afghanistan ist ein so schönes Land!

Abu Dhabi ist eines der reichsten Länder der Erde. Wie fühlt es sich an, aus einem der ärmsten Länder der Erde hierher zu kommen?

Das schnelle Geld hat die Einheimischen arrogant gemacht. Sie denken, ihnen gehöre die Welt, und so benehmen sie sich auch uns Ausländern gegenüber. Aber ich will mich nicht beschweren. Schließlich verdiene ich durch sie eine Menge – deutlich mehr, als es in Afghanistan jemals möglich wäre. ---
Vereinigte Arabische Emirate:
Einwohner: 5 Millionen
Währung: Dirham (AED) (5,05 AED = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 39 097 Euro
Human Development Index: Platz 32 (Deutschland: 10 von 169 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
250 Gramm Türkischer Honig: 1 Euro
1 gegrilltes Hähnchen: 2,50 Euro
1 Stadtfahrt mit dem Bus: 20 Cent
1 Päckchen Zigaretten: 1,401 Euro
1 Liter Benzin: 34 Cent
1 Cappuccino: 3 Euro
1 Kilo Kamelfleisch: 7,90 Euro