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Harry Markopolos Bernard Madoff

Harry Markopolos kam dem Milliarden-Betrüger Bernard Madoff auf die Schliche, lange bevor der pleiteging. Doch niemand wollte das wissen.




- Harry Markopolos ist einer, der sich gern in Probleme verbeißt. Seine große Stunde kam, als ihn sein Chef bei Rampart Investment Management in Boston 1999 auf den Konkurrenten Madoff ansetzte - um dessen Strategie zu kopieren. Doch das war leichter gesagt als getan.

Madoff war legendär, wohlhabende Kunden vertrauten ihm blind. Sein Hedge Fund brachte verlässlich hohe Renditen. Und das war offenbar alles, was seine Investoren interessierte. Wie er trotz fallender Märkte hohe Gewinne ausschütten konnte? Niemand kannte auf diese Frage eine Antwort.

Als Markopolos versuchte, sie zu finden, verzweifelte der Betriebswirt beinahe. Er las alles über Madoff, was er in die Finger kriegen konnte, baute alle Informationen in seine Formeln ein. Nur: Madoff schien immer Geld zu verdienen, egal, in welche Richtung sich der Markt bewegte.

Da wurde Markopolos misstrauisch. Er dachte sich: Man macht immer irgendwo Verluste. Es kann nicht immer alles glattgehen. Es sei denn, man wäre ein Hellseher. Mathematisch waren Madoffs Ergebnisse unmöglich. Und schließlich fand er das Geheimnis. Es war verblüffend einfach, es lautete: linke Tasche, rechte Tasche. Renditen an Investoren bezahlte Madoff mit den Geldern von Neukunden. Im Klartext: Betrug.

Markopolos wurde wegen Madoff bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) vorstellig. Aber niemand wollte ihm zuhören. Er gab nicht nach, schrieb Briefe, warnte die Beamten auch noch, nachdem er bei Rampart gekündigt hatte. Er arbeitete jetzt als privater Ermittler, Wertpapierbetrug war sein Spezialgebiet. Im Jahr 2005 wurde er besonders deutlich: "Der größte Hedge Fund der Welt ist Betrug", fasste er seine Ergebnisse zusammen. Man hielt ihn da wohl für eine tragische Figur, die sich verrannt hatte. Immerhin hatte er neun Jahre lang dasselbe Thema: Vorsicht vor Madoff. Doch niemanden schien es zu interessieren.

In seinen Briefen an die SEC begründete er seine Ansicht stets mit Rechnungen und Herleitungen. Sein Problem war wohl, dass bei der SEC viele Rechtsanwälte arbeiteten. Sie kannten die Gesetze, konnten aber nicht rechnen. "Wenn man keine Mathematik kann und wenn es einem nicht gelingt, die Finanzprodukte des 21. Jahrhunderts im Schlaf vorwärts und rückwärts auseinanderzunehmen, wird man nie Betrug an der Wall Street aufdecken können", sagte er in einem Interview der "New York Times".

Hätten die SEC-Beamten seine Rechnungen nachvollziehen können, wäre der Welt einiges erspart geblieben. Heute weiß man, dass Bernard Madoff seine Kunden um mindestens 50 Milliarden Dollar geprellt hat. Er wurde zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Bei einem Verhör nannte er Markopolos einmal "einen Witz in der Branche".

Inzwischen ist Markopolos ein gefragter Mann. Er sagte vor dem US-Kongress aus, Abgeordnete wollten ihn sprechen, das Fernsehen befragte ihn. Aber der Sohn griechischer Einwanderer ist ein scheuer Mensch. Er macht sich wenig aus seinem Ruhm, meidet die Öffentlichkeit.

Dass er am Ende recht behalten hat, befriedigt ihn weniger, als man annehmen sollte. "Warum glauben die Leute, ich wäre stolz darauf? Sie denken, ich sei ein Held. Aber ich habe ihn nicht gestoppt. Er hat sich selbst gestoppt", sagte er in einem Interview. Immerhin haben sich Markopolos' Erinnerungen "No One Would Listen" * gut verkauft. Die Hollywood-Studios werben um die Filmrechte. Das Geld aus seinem Buch will er gut investieren. In die Ausbildung seiner drei Söhne. -

*Harry Markopolos: No One Would Listen - A True Financial Thriller. Wiley, 2011; 354 Seiten; 14 Euro