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Das schnelle Geld

Als im 17. Jahrhundert den modebewussten Franzosen die Biberfelle ausgingen, wusste ein Entdecker diesen Engpass auszunutzen. Er wurde reich - erreichte sein eigentliches Ziel aber nie.




• Wer im Paris zu Anfang des 17. Jahrhunderts etwas auf sich hielt, trug einen Hut. Nicht irgendeinen. Aus Biberfilz musste er sein, sonst hing die Krempe schlapp hinunter. Doch das Material war schwer zu bekommen. Die Hutmacher hatten so viel davon verarbeitet, dass die Tiere in Frankreich rar geworden waren.

Die Rettung kam aus Kanada. Dort segelte der Entdecker Samuel de Champlain im Auftrag des Königs die Flüsse auf und ab, um "einen Weg zu finden, der leicht von diesem Land (Frankreich) zu den Ländern Chinas und Indien führe", so sein Auftrag.

Weil solch eine Expedition viel Geld verschlingt, stieg Champlain in den Pelzhandel ein. "Für Handelsgüter, die in Paris ein Livre kosteten, bekam man Biberfelle, die 200 Livre wert waren, wenn sie die Hauptstadt erreichten", schreibt der Historiker Timothy Brook über die Gewinnspanne des Entdeckers. Diese Art Tauschhandel funktionierte aber nur, weil die Ureinwohner Kanadas glaubten, sie würden ihre weißen Geschäftspartner übers Ohr hauen.

Wenn abgesehen von den Bibern jemand bei dem Geschäft schlecht weg kam, waren es die Hutmacher in Paris. Denn ein königliches Dekret sicherte Champlain das Monopol auf den Handel und diktierte die Preise. Dem Kapitän war das nur recht. Denn er kannte nur ein Ziel: möglichst einfach Geld verdienen, um den Weg nach China zu finden.

1609 lief sein Monopol aus. Seine Geldquelle versiegte. Jeder konnte fortan Biberfelle an die Pariser Modebranche verkaufen. Die Preise halbierten sich – für Champlain ein schwerer Rückschlag. Dass er den Weg nach China nie entdeckte, hatte freilich einen anderen Grund. Er dachte, die Route führe durch die kanadische Landmasse -und nicht um sie herum.