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Freiherr Johannes von und zu Bodman

Freiherr Johannes von und zu Bodman (rechts) führt ein Familienunternehmen, das sich weigert, mit der Zeit zu gehen. Mit Erfolg.




- Neun Uhr früh, der See dunkel und glatt wie ein Spiegel. Er stellt den Motor ab, zündet sich eine Zigarette an und erzählt. Von der letzten Eiszeit, in der der Bodensee entstanden ist, von Mesolithikum und Jungsteinzeit. Von erster Besiedlung und den Pfahlbauten, von Kelten, Römern und Alemannen, die blieben, "weil du hier alles hast, was du brauchst: gutes Klima, guten Boden, Wasserwege für Handel und Transport". Was auch die deutschen Könige und Kaiser zu schätzen wussten, die bis 912 in Bodman eine Kaiserpfalz unterhielten.

Morgenstunde, Heimatkunde. Nur wann und von woher seine Ahnen an den Bodensee kamen, das kann Freiherr Johannes von und zu Bodman nicht genau sagen. Es ist nicht dokumentiert. Erstmals urkundlich erwähnt wurden sie 1146, vielleicht stammen sie von den Grafen von Lindau ab, darauf würden die drei Lindenblätter im Familienwappen hinweisen. Fest steht, dass ihnen Rudolf von Habsburg 1277 den ehemaligen Königshof Bodman verpfändete. Der Baron deutet auf einen dichten Wald am Ufer. Ob man das Kloster sehe, den Frauenberg, die Burgruine daneben, da, wo gerade Nebel aufsteigt? Und schon sind wir zurück im Jahr 1307. Die Ritter von Bodman feiern ein Gelage. Der Blitz schlägt ein, das Gebälk fängt Feuer, die Burg brennt. Alle Familienmitglieder sterben. Bis auf den einjährigen Stammhalter Johannes - so die Legende -, den die Amme in einem Kessel den Burgberg hinuntergelassen hatte.

Der Bootsausflug war seine Idee. Der See, die Natur, die Historie, sagte Bodman am Telefon, "das muss man erleben und erfahren". Damit sie sich einem schneller erschließt, die Geschichte der Familie, die den Namen der Ortschaft am nordwestlichen Zipfel des Bodensees trägt, der wiederum nach Bodman benannt ist. "Die Verbundenheit", sagt der Baron, "ist einfach da, sie war schon immer da." Und so blieben sie und herrschten durch die Bauernkriege, die Aufklärung, die napoleonische Zeit, die Badische Revolution. "Das letzte Mal umgezogen", scherzt Bodman, "sind wir vor 800 Jahren."

Was früher ein Gut war, ist heute ein forst- und landwirtschaftlicher Betrieb. Die Geschäfte führt der 42-jährige Johannes Bodman. Dieses Jahr werden sie etwa 13 000 Festmeter Holz auf dem Bodanrück schlagen; etwa 900 Tonnen Tafelobst ernten, hauptsächlich Äpfel und Birnen, dazu Sauerkirschen für Fruchtsaft. Aus einer heimischen Wildpflaumenart wird Schnaps gebrannt. Sie bauen auf 1,3 Hektar Wein an, Müller-Thurgau und Spätburgunder, hinzu kommen 200 Hektar Ackerland, auf dem Getreide wächst. Dass sie für Bootsbesitzer Liegeplätze, Reparatur- und Servicedienstleistungen anbieten, ist eher eine Randnotiz. Mit etwa 20 Angestellten und einigen Dutzend Saisonarbeitern wird der gräfliche Betrieb 2011 etwa drei Millionen Euro Umsatz machen, dessen Überschüsse überwiegend in Verwaltung und Unterhalt der Immobilien fließen. "Nimmt man die Großen in dieser Branche", sagt Bodman, "sind wir Kleingärtner, aber Expansion oder Gewinnmaximierung war nie unsere Grundidee."

Andernfalls wäre der Bodanrück kein Biotop, nahezu einzigartig in Baden-Württemberg mit 18 verschiedenen Baumarten. Eschen, Erlen, Eichen, Douglasien, Eiben, Tannen und Lärchen stehen an steilen Hängen, in tiefen Schluchten. Viel Lebensraum für Wildschweine, Füchse, Hirsche, Höhlenbrüter. Auch weil anders als fast überall am Bodensee - das Ufer nicht von einer Straße erschlossen wurde. Gegen diese haben sich die Bodmans jahrzehntelang gewehrt, weshalb der Bodanrück "seinen jahrhundertealten Charakter bewahren konnte", sagt Förster Reiner Bickel. Die Kehrseite: "Wir haben es mit bis zu 300 Meter Höhenunterschied zu tun, ausgewurzelten Bäumen, wir müssen auf Erosion achten, Hangsicherung, der Wald ist ja auch durchzogen von vielen öffentlichen Wanderwegen."

Ähnliche Geschichte bei Obst und Wein, wenngleich keine Sensation am Bodensee, wo biologischer Anbau Tradition hat. Die Bodmans produzieren nach den Richtlinien des ökologischen Landesverbandes Naturland, teils auf Streuobstwiesen. Wer den gräflichen Betriebsleiter Obst- und Weinbau, Ulrich Schmid, trifft, erfährt allerhand über natürliche Düngung mit Malzkeimen und Esparsetten. Gegen Pilzkrankheiten hilft Schwefel, und gegen den Apfelwickler hilft Pheromon, ein Sexuallockstoff, der den Schädling orientierungslos macht.

"Bei uns läuft um sechs Uhr morgens der erste Traktor auf dem Hof", sagt Schmid. "Von März bis November arbeiten wir täglich zehn Stunden, sechs Tage die Woche, Kunstdünger und chemische Keule wären einfacher." Fast hätte er die Weinreben vergessen. Die werden - sollte es vor der Ernte geregnet haben - per Hand entblättert, damit die Stöcke schneller trocknen und nicht schimmeln. Ob sich das lohnt bei rund 7000 Flaschen, die jährlich gekeltert werden, ist nicht das Thema. Auch hier wächst die Verpflichtung aus der geschichtlichen Verbundenheit. Den Bodmaner Königsweingarten ließ 884 Kaiser Karl der Dicke anlegen, der dazu die Burgunderrebe an den Bodensee brachte.

Sanft plätschert das Wasser gegen den Bug, während der Baron das Boot wieder auf Bodman zusteuert. Linker Hand Alt-Bodman mit der Kirche, dem ehemaligen Kornspeicher, einem Badehaus von 1870. Dazwischen das rosarote Schloss. Rechter Hand der neuere Teil des Ortes. Rathaus, Schulgebäude, Obsthalle und direkt hinter dem Fähranleger ein imposantes, gelbes Gebäude aus der Gründerzeit: Das Hotel Linde war einst Poststation, dann Herberge, vor dem Zweiten Weltkrieg, als Bodman als mondäner Badeort galt, wohnte darin die bessere Gesellschaft inklusive dem König von Siam. "Die Linde", sagt Bodman, "war aber auch immer Mittelpunkt des Ortes." Dorthin ging es bei Taufe, Kommunion, Hochzeit. Bis 1991, als sich das Unternehmen nicht mehr rechnete und es der Linde erging wie etlichen anderen der etwa zwanzig Objekte im Bodman'schen Immobilienbesitz: Unterhalt zu teuer, Nutzung unrentabel, Umbau wegen Denkmalschutz schwierig. "Da bleibt", sagt der große Mann mit dem markanten Gesicht, der auf dem Fähranleger steht, "nur noch der schleichende Verfall."

Er heißt Tobias Jaklin und ist der Schwager von Johannes Bodman. Nach Bodman kam Jaklin, von Beruf Architekt, um das Wohnhaus des Barons umzubauen. Irgendwann reifte bei dem dann eine Idee. "Was, wenn wir all diese Immobilien nehmen, restaurieren, modifizieren und behutsam ergänzen und damit den alten Kern des Ortes wieder herausarbeiten?" Oder wie Jaklin es formuliert: "Langfristiger Werteerhalt durch Charme und Ortsbezogenheit statt Abriss und Neubau." So entstand das Konzept "Domäne Bodman". Jaklin kündigte sein Büro in Berlin und zog mit Frau und fünf Kindern aus der Millionenstadt in ein Dorf mit 1000 Einwohnern, das mit dem Boot leichter zu erreichen ist als mit dem Auto. "Wir mochten Berlin sehr", sagt Jaklin, aufgewachsen in Braunschweig, "aber hier habe ich eine berufliche Herausforderung, die ich dort nicht gehabt hätte."

Altes erhalten, damit alle etwas davon haben

Domäne Bodman also. Eine alte Villa mit fulminantem Seeblick haben sie schon aufwendig restauriert, ein Wirtschaftsgebäude des Schlosses weniger aufwendig. Die Villa wurde vermietet für zwölf Euro pro Quadratmeter, die Räume im Wirtschaftsgebäude für sechs Euro. Irgendwann wird der Gasthof Adler dran sein, eine Scheune dahinter, ein altes Fachwerkhaus, dazu ein Holzhackschnitzelheizwerk, 460 kW, das die Domäne mit Wärme versorgen soll. Doch im Zentrum der Überlegungen steht das Areal um das alte Hotel Linde, 12 000 Quadratmeter, die zum Verkauf stehen. Was nicht die Herausforderung sein kann, von der Jaklin gesprochen hat. Nicht in einer der begehrtesten Wohngegenden Deutschlands.

Die Gegend am Bodensee ist voll von Promenaden, Wellnesscentern, Jachthäfen. Das hügelige, teils noch dicht bewaldete Hinterland ist voll von barocken Klöstern und Kirchen, idyllischen Bauerndörfern mit rustikalen Gasthöfen. Der Schwarzwald, die Schweiz, die österreichischen Alpen sind nicht weit. Kaum irgendwo in Deutschland scheint öfter die Sonne. Eine Studie hat vor einigen Jahren ergeben, die glücklichsten Deutschen lebten am Bodensee. "Wir hätten", meint Jaklin, "sagen können: Prima, wir haben hier ein Superprivileg, lasst uns das ausschlachten und eine Super-Marina mit einer Gated Community machen."

Erstaunlich ist weniger, dass sich für Projekte dieser Art, gern mit angeschlossenem Golfplatz, schon Investoren angeboten haben. Sondern vielmehr, dass Jaklin brummelt: "Wollen wir, dass der Ortscharakter geprägt wird von Zürcher und Stuttgarter Besserverdienern, die jede Woche auf ihren Booten eine neue Bikinischönheit vorzeigen?" Wollen sie nicht. Bodman sagt: "Was hier ist, ist gewachsen. Es soll auch weiter wachsen." Und zwar in einer Form, die zum Ort passt, zur Region und vor allem zur lokalen Bevölkerung und deren Geldbeutel. Es sollen Häuser entstehen, "in denen Menschen wohnen, die hier arbeiten und leben und deren Kinder später einmal auch noch hier sein wollen". Das Modell, für das sie sich entschieden haben, das der Gemeinderat bereits genehmigt hat und für das nun ein Bebauungsplan entsteht, umschreibt Jaklin mit "klassische Bautradition" oder "organisches Weiterbauen der vorhandenen Strukturen".

Vom Hafen hinauf zum Schloss. Vorbei an gepflegten Vorgärten, schmucken Eigenheimen, an den Balkonen Geranien. Im Schloss befindet sich das Gräflich von Bodman'sche Rentamt, die Verwaltung des Betriebes. Kaffee im Büro. Irgendwann müssen sie kommen, denkt man, die marketinggerechten Slogans. Heimat braucht Nachhaltigkeit. Alter Adel meets Corporate Social Responsibility. Was kommt, sind mehr Geschichten. Bodman erzählt, dass er die Büromöbel auf dem Speicher entdeckte; benutzt wurden sie zuvor von seinem Urgroßvater Graf Othmar. Jaklin erzählt, wie er nach Bodman kam, und "mein erster Eindruck war: freundlich und langsam, diese Entspanntheit hat mich skeptisch gemacht". Inzwischen singt er im Kirchenchor, ist Mitglied beim TSV Bodman und im Pfarrgemeinderat. Und der Baron ist sowieso überall dabei: Kreistag, Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband, Forstkammer, Obstbauverein. Ob Oldtimer-Rallye oder Strandfest, die Bodmans machen mit. Ihre Belange sind die des Dorfes und umgekehrt.

"Das ist althergebrachte Denke", sagt Bodman. "Die Kinder sehen das bei den Eltern und setzen das fort." Wie er bei seinem Vater, der Wilderich heißt und als Familienoberhaupt den Titel Graf trägt. Den er von seinem Onkel übernommen hat, der kinderlos geblieben war und von dem er adoptiert wurde, damit er die gräflichen Geschäfte übernehmen konnte.

Plötzlich steht er im Flur des Schlosses. Ein freundlicher, älterer Herr in einer hellbraunen Trachtenjacke. Und natürlich kommt er mit auf die Terrasse und erklärt den Schlosspark, angelegt im englischen Stil. Ein 200 Jahre alter Gingko, ein Mammutbaum, japanischer Ahorn, chinesisches Rotholz. Der Schlosspark ist öffentlich zugänglich.

Die Liebe zur Natur hat Graf Wilderich von seinem Vater Baron Nikolaus. Der hatte die Vogelwarte auf der Kurischen Nehrung nach dem Krieg zu sich auf das Wasserschloss Möggingen geholt. Aus dem Kreis der in Möggingen versammelten Naturfreunde entstanden Umweltorganisationen wie BUND und Deutsche Umwelthilfe. Zur Naturverbundenheit kam bei Graf Wilderich, gelernter Landwirt, später die Leidenschaft für Historisches. Weshalb er nun dozierend vor einem sehr großen Gemälde im Foyer des Schlosses steht. Zu sehen sind etliche Ritter von Bodman, die gottesfürchtig knien. Viele Namen, viele Jahreszahlen, es geht offenbar um das Jahr 1309 und wohl um die Schenkung des Frauenbergs an das Kloster Salem. Wegen des Brandes. Aus Dankbarkeit für die Rettung des Stammhalters. Der rettende Kessel steht ein paar Meter weiter im Treppenhaus.

Für Johannes Bodman, ältestes von vier Geschwistern, war es "von Kindesbeinen an klar, dass ich den Betrieb einmal übernehmen werde". Schon als er ins jesuitische Internat Sankt Blasien im Schwarzwald ging. Abitur machte er dann doch lieber im Gymnasium in Stockach. Nach dem Wehrdienst wollte er "möglichst weit weg und Spanisch lernen". Das hieß: Argentinien. Zunächst arbeitete er in einer Keramikfabrik in Buenos Aires, dann in einem Forstbetrieb in den Anden. Es gab durchaus Zeiten, in denen er daran zweifelte, ob "ich der Richtige für den Job zu Hause bin". Dann absolvierte er doch noch ein BWL-Studium. In der Diplomarbeit ging es um Baden-Württemberg: "Wie aus einem alten feudalen das heutige System wurde."

Was wird man als Betriebswirt, fragte sich Bodman. Als er bei einer Unternehmensberatung nicht genommen wurde, landete er in einem Obstgroßmarkt in Meckenbeuren, der kurz vor der Insolvenz stand. Er besorgte einen Kredit, lernte Gabelstapler fahren, Mitarbeiter führen und baute das Unternehmen in vier Jahren wieder auf; es ist bis heute Teil des gräflichen Reichs. Von Meckenbeuren aus ging er ins Rheinland, wo er Vorstand Produktion bei einer Genossenschaft für Obst- und Gemüsehandel wurde mit der Aufgabe, "der Macht der Edekas, Rewes und Aldis zu begegnen".

Womit? Mit Fusionen der regionalen Genossenschaften. "Dabei haben wir immer versucht, aus der bäuerlichen Perspektive zu agieren. Wir sagten: 1,7 Prozent des Umsatzes mussten wir als Gewinn machen, um das Unternehmen gut führen zu können, der Rest ging an die Bauern." Als Bodman kam, machten sie mit 200 Mitarbeitern 100 Millionen Mark Umsatz; als er 2005 ging, waren es mehr als 2000 Mitarbeiter und eine knappe Milliarde Euro Umsatz. Schöner Erfolg, wichtige Erfahrung, verheiratet und Vater geworden war er inzwischen auch. "Danach bin ich mit Freuden nach Hause gekommen."

Tradition braucht neue Ideen

Es war, als sei er nie weg gewesen. Sein bester Freund aus Schulzeiten ist auch heute noch einer seiner besten Freunde. Für die Leute im Dorf ist er immer noch der " Junior". Auf dem Weg zum Mittagessen geht er immer noch durch die Wiese, weil das kürzer ist. Und natürlich geht er mit Förster Bickel auf Pirsch. Dann philosophieren sie im Unterholz gemeinsam, warum Forstwirtschaft Zeit braucht. Bickel: "Man pflanzt, man schaut, dass sich das natürlich verjüngt, in aller Regel sprechen wir über einen Zyklus von 100 Jahren." Und weil der Laden nicht erst seit gestern läuft, mischt sich Bodman grundsätzlich selten ein. Betriebsleiter Schmid sagt: "Wo, wie, was bei Obst und Wein läuft, entscheide in aller Regel ich." Er ist schon ein paar Jahre länger dabei. Sein Chef steht daneben und lacht. Und als Schmid von einem Saisonarbeiter erzählt, der während der Ernte nach Hause musste, weil seine Frau einen Autounfall hatte, und dem der Baron spontan 5000 Euro gab, scheint dem das peinlich zu sein.

"In puncto Menschlichkeit und Bescheidenheit", sagt Bickel, der auch für andere adelige Betriebe der Region gearbeitet hat, "unterscheiden sich die Bodmans schon sehr." Bickel sagt auch, daran habe sich unter dem Junior nichts geändert. Wenn man fragt, ob das auf die Art der Geschäftsführung auch zutreffe, muss er lange überlegen und sagt: "Also dass er anders, quasi moderner an die Sache herangehen würde, könnte ich nicht sagen." Jaklin sieht es so: "Der Junior hat vielleicht durch sein Studium und die Berufserfahrung mehr Sicherheit bei wirtschaftlichen Entscheidungen, er ist neugieriger, probiert mehr aus."

Eine Domäne Bodman hätte es unter Graf Wilderich wohl nicht gegeben, wie auch das Bestattungsmodell Waldruh St. Katharinen auf dem Bodanrück nicht - bis zu zwölf Urnen pro Baum können dort gegen Pacht und Gebühr bestattet werden. Der Vorschlag, Obst für Saft und Babynahrung anzubauen, kam ebenfalls vom Junior. Damit auch Früchte, die für Tafelware nicht ansehnlich genug sind, verwertet werden. Schmid: "Manchmal hat ja auch ein Fachfremder eine Idee, auf die man selber nicht kommt."

Doch das sind Details. Der Kern des gräflichen Betriebes wird bleiben, wie er immer war. Der Bodanrück wird in seiner jetzigen Form erhalten, auch wenn das wegen einer mehrfachen Überlagerung von Schutzkategorien mit enervierender Bürokratie verbunden ist. Der Bodanrück ist Wandergebiet, vom Tourismus wiederum leben die Hotels, Fremdenzimmer und Restaurants in Bodman und Umgebung. Im Obstbau werden sie erweitern, doch nur zulasten des eigenen Ackerbaus. Andernfalls müssten sie einigen Obstbauern die verpachteten Flächen, die insgesamt größer sind als die selbst bewirtschafteten, wegnehmen. "Natürlich wollen wir, dass unser Betrieb profitabel ist", sagt Bodman, "wir müssen aber immer auch an andere denken."

Womit wir wieder bei der Domäne Bodman und dem Hotel Linde wären. Die Domäne werde "behutsam aus eigener Kraft selbst entwickelt". Weshalb sie für das Areal um die Linde herum "keinen klassischen Investor suchen, sondern einen Partner, der unsere Idee des generationenübergreifenden Denkens mitträgt". Was dabei für ihn herausspringt? "Genauso wie für uns eine auf Langfristigkeit angelegte solide Rendite." Der Baron sagt, das sei durchaus auch wirtschaftlich gedacht: "Wenn Bodman an Qualität gewinnt, haben alle was davon. Der Partner auf dem Linde-Areal, der Ort, seine Bewohner und nicht zuletzt das gräfliche Unternehmen."

Es war auf dem Boot am Morgen, ziemlich am Anfang des Gesprächs. Bodman sprach von der gegenwärtigen Lage auf den Finanz- und Aktienmärkten, von der "anonymen Besitzerschaft" der Kapitalgesellschaften, in denen es nur noch um Shareholder-Value gehe und für die leitenden Manager darum, "sich innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre zu beweisen". Er zündete sich noch eine Zigarette an, blickte über den See zum Bodanrück und sagte: "Der Wald ist das Manifest für die Verankerung, die wir hier haben. Jeden Baum, den ich pflanze, werden frühestens meine Enkel oder Urenkel ernten. Zwei, drei Jahre sind für uns ein völlig vernachlässigbarer Zeitraum."

Das muss er jetzt nur noch seinen drei Kindern beibringen. Auch sein ältester Sohn soll einmal das Unternehmen weiterführen. Verkaufen würde ihm nie einfallen: "Wozu? Die Jacht im Mittelmeer interessiert mich nicht." Wenn er segeln geht, dann in einer Elan 660, einem gebraucht gekauften Plastikboot, 6,60 Meter lang, Platz für vier Personen. Sie heißt "Minouch". Warum? "Weil sie schon so hieß, als ich sie kaufte. Den Namen von Booten ändert man nicht." -