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Mikroökonomie

Monatsverdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Mit 14 Monatsgehältern à 3000 Euro brutto gehört José Pimentel Marta in Portugal zu den Besserverdienern. Er führt rund 700 Euro für Steuern und 300 Euro für Sozialversicherung ab. Der Beitrag zur Krankenversicherung wird automatisch einbehalten. Eine private Rentenversicherung hat er nicht. Das Haus, das er mit seiner Frau gekauft hat, ist auf die Kinder übertragen.




Monatlich gibt er jeweils 500 Euro für Miete und den Unterhalt der Kinder aus. Die Spritkosten für sein Auto belaufen sich auf rund 150 Euro, weitere 150 Euro für Wohnnebenkosten und Telefon. Er unterrichtet jede Woche 27 Stunden, dafür arbeitet er während der Prüfungen wesentlich mehr: 35 bis 40 Stunden. Wegen der Finanzkrise muss Portugal sparen, und er bekommt seit Januar monatlich rund 600 Euro brutto weniger Gehalt.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Ich fühle mich gegenüber meinen Kollegen im öffentlichen Dienst benachteiligt. Wir haben denselben Beruf, aber ich habe nicht das Recht, meine Stunden im Alter zu reduzieren, und auch keine Obergrenze bei der Zahl der Unterrichtsstunden. Die ist nach oben offen.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Sie macht mir weniger Freude als früher. Es ist mein Lebensunterhalt, mehr nicht. Da ist Motivation verloren gegangen, weil sich in den Schulen ständig etwas ändert. Niemand weiß mehr, wo er steht. Die Schüler sind immer weniger interessiert. Sie pauken viel Stoff und können ihn nicht einordnen. Schlimmer noch: Wir fördern, dass sie immer mehr Information suchen. Für 14-, 15-Jährige ist das ein riesiges Durcheinander. Sie haben ganz andere Interessen als vor 15 Jahren. Heute interessieren sie sich für so gut wie nichts mehr.

Was möchten Sie in Ihrem Leben ändern?

Wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, würde ich hier in Coimbra gerne eine Kneipe aufmachen, die etwas mit Kino zu tun hat. Die Leute könnten sich dann bei mir treffen, etwas essen und über Filme reden.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Zurzeit bin ich pessimistisch, wie fast alle. Ich hoffe auf ein ruhiges Leben, ohne auf finanzielle Hilfe angewiesen zu sein. Ich würde mich gern noch einmal verlieben. Ich bemühe mich, neue Leute kennenzulernen. Einer der Gründe, weshalb ich wieder angefangen habe zu studieren.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Dann spare ich zuerst. Keine Schulden. In den Ferien fahre ich gern an einen Ort, der etwas Luxus bietet. Ich denke, das habe ich mir verdient.

Welche Auswirkungen werden die Sparmaßnahmen auf Ihr Leben haben?

Früher hat man gearbeitet und eine Rente bekommen, die fast so hoch war, wie das Gehalt. Man konnte bequem in den Ruhestand gehen. Die Kürzungen spüren bald alle Rentner. Bei mir wird es nicht schlimm, weil ich schon lange dabei bin. Im Moment liegt meine Rente bei etwa 80 Prozent. Wenn es noch 50 Prozent sind, wenn ich aufhöre, wäre das schon gut. ---
Portugal:
Einwohner: 10 638 000
Währung: Euro
BIP pro Kopf: 15 257,528 Euro
Human Development Index: Platz 40 (Deutschland: 10 von 169 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Kilo Stockfisch: 6 Euro
1 Liter Benzin (95 Oktan): 1,55 Euro
1 Liter Olivenöl: 3,50 Euro
1 Kilo Brot: 2,50 Euro
1 Kilo Kartoffeln: 80 Cent
1 Espresso: 50 Cent
1 Zug-Ticket Coimbra-Lissabon (200 km): ca. 20 Euro