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Eine Bäckerin in Bolivien





Monatliches Einkommen, Grundkosten

Für vier Brötchen erhält Maria Roxana Vaca einen Boliviano. Inzwischen läuft die Bäckerei ordentlich. Sie erwirtschaftet mit ihren Backwaren zwischen 80 und 90 Euro im Monat. Ihr Mann verdient als Lehrer 150 Euro monatlich. Die achtköpfige Familie wohnt in San Ignacio in einem Haus mit drei Räumen und einem großen Innenhof. Maria Roxana Vaca und ihr Mann sind nicht kranken- und rentenversichert.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Soll ich die Wahrheit sagen? Ich bin mit einem Mann verheiratet, der sich für nichts interessiert und bequem ist. Ich arbeite auch deshalb so hart in meiner Bäckerei, um ihm zu zeigen, dass man mit Arbeit etwas bewegen kann. Aber natürlich auch, damit es meinen Kindern gut geht. Sie sollen ein besseres Leben haben als ich. Ich liebe die Arbeit mit den anderen Frauen, und es ist schön, dass wir unser eigenes Geld verdienen. Seitdem muss ich mir nicht mehr sagen lassen, was ich tun und lassen soll.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Kinder.

Was würden Sie gern in Ihrem Leben verändern?

Ich wollte Anwältin werden, weil ich gesehen habe, dass wir armen Leute schlecht behandelt werden. Ich konnte nicht auf die höhere Schule und studieren, weil meine Mutter sehr plötzlich starb. Bei der Tante, bei der ich aufwuchs, habe ich mich nicht wohlgefühlt. Deshalb habe ich früh geheiratet und bekam sechs Kinder. Damit war mein Traum in weite Ferne gerückt.

Was sind die größten Probleme in Ihrem Leben, und wie gehen Sie damit um?

Als Chiquitana, als Frau aus der indigenen Bevölkerung, habe ich erfahren, was es heißt, ausgegrenzt zu werden. Leider ist das auch in meiner Ehe der Fall. Mein Mann wurde von einer deutschen Tante erzogen, er ist zurückhaltend und kalt. Wir passen nicht zusammen. Sage ich rot, sagt er weiß. Wir haben sehr jung geheiratet, ich war 18 und er 33 Jahre alt. Ich musste mich immer gegen ihn durchsetzen: als ich die Bäckerei aufziehen wollte oder jetzt, da ich mich weiterbilden will. Seit ich Erfolg habe, ist mein Mann einverstanden, aber er unterstützt mich nicht.

Kommen Sie überhaupt dazu, sich zu entspannen?

Wenn ich mich entspannen will, weine ich. Das knappe Geld, der Mann, die Kinder, die Bäckerei – das alles übersteigt manchmal meine Kraft.

Was erwarten Sie von der Zukunft?

Eine gute Bildung für meine Kinder, damit sie sein können, was ich nicht sein durfte. Ich bilde mich weiter, belege Kurse, lerne zu führen. Mit 40 Jahren will ich Bürgermeisterin in San Ignacio werden; bei der Wahl in diesem Jahr haben sie mich schon gefragt. Vielleicht bringe ich es mit 50 Jahren zur Präsidentin von Bolivien.

Wie geht es Ihnen mit Evo Morales, dem ersten Präsidenten der Armen, der auch einmal Bäcker war?

Er hat während seiner Schulzeit als Bäcker gearbeitet – das macht Mut. Er unterstützt Bauernorganisationen, die sich für Frauen einsetzen. Und er hat die Elternzeit für Männer im Arbeitsgesetz festgeschrieben. Ich hoffe, das verändert die Männer. ---
Bolivien:
Einwohner: 10,1 Millionen
Währung: Boliviano (BOB) (9,33 BOB = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 1407 Euro
Human Development Index: Platz 95 (Deutschland: Platz 10 von 169 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 l Benzin: 0,37 Euro
1 l Milch: 0,5 Euro
1 kg Mehl: 0,5 Euro
1 kg Reis: 0,65 Euro
1 kg Fleisch: 2 Euro
1 kg Kartoffeln: 0,45 Euro
1 Packung Zigaretten: 0,4 Euro