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Der Prophet im eigenen Land

Wie Roger Babson den Zusammenbruch der New Yorker Börse von 1929 voraussagte – und sich dafür nichts als Ärger einhandelte.




• Roger Babson war ein Sonderling. Er war Ökonom und Verfechter des Alkoholverbots. Er glaubte an die Statistik, vertraute auf Marktanalysen und setzte sich zudem mit dem Gesetz der Schwerkraft auseinander. Womöglich erschien es ihm deswegen logisch, dass alles, was steigt, irgendwann auch wieder fallen muss.

Mit seiner Firma Babson's Statistical Organization beschäftigte er sich täglich mit der Börse und erwarb sich großes Ansehen. Daher wurde er am 5. September 1929 zu einer Rede vor der New Yorker Wirtschaftskammer eingeladen. Babsons Rede ließ mächtig aufhorchen. Er sagte: "Früher oder später wird ein Crash kommen, der den Dow-Jones-Index um 60 bis 80 Punkte in die Tiefe reißen wird. Es kann im Wirtschaftszyklus nicht immer nur aufwärtsgehen. Eine schwere Rezession wird die Folge sein."

Am selben Tag fielen die Kurse. In den Lehrbüchern wird dieser Knick als "Babson Break" bezeichnet. Und für den Propheten setzte es öffentlich Prügel. Das Börsenblatt "Barron's" warnte, dass keiner, der die "berüchtigte Ungenauigkeit" von Babsons Analysen kenne, ihn ernst nehmen solle. Das Handelshaus Hornblower & Weeks wiegelte ab: "Wir werden uns nicht zum Verkauf von Wertpapieren verleiten lassen, nur weil ein bekannter Statistiker unaufgefordert einen Zusammenbruch des Marktes vorausgesagt hat."

Der Rest ist Geschichte. Beginnend am 23. Oktober 1929, brachen die Kurse an der Wall Street um 90 Punkte ein, die folgende Depression dauerte zwölf Jahre und erfasste die ganze Welt.

Recht gehabt zu haben reichte Babson nicht. 1940 wollte er auch noch Präsident der USA werden, landete aber nur auf Platz drei. Womöglich fürchteten viele Wähler, dass er ihnen mit seiner Prohibitions-Partei wieder nur den Spaß verderben wollte.