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Auf ins Ungewisse!

Viele Errungenschaften der Menschheit erscheinen heute selbstverständlich. Dabei erforderten sie ungeheure Anstrengungen - mit ungewissem Ausgang. Eine Chronologie großer Unternehmungen.




Turmbau zu Babel

Idee: Während die Westeuropäer im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung noch mit Pfeil und Bogen Wildschweinen nachstellten, bauten die Menschen in Mesopotamien, dem heutigen Irak, bereits Städte. Jede Stadt brauchte ein Zentrum, und so türmten sie gebrannte Ziegelsteine bis zu einer Höhe von 90 Metern zu gestuften Tempeln auf, die sie Zikkurate nannten. Einer davon stand in Babylon. Er war in der flachen Schwemmebene schon von Weitem zu sehen. Da es damals noch keine Trennung von religiösem und weltlichem Leben gab, diente der Turm gleichzeitig als Kultzentrum, Handelsplatz, Schule und Sternwarte.

Hindernisse: Zwischen Euphrat und Tigris entwickelte sich die erste Hochkultur der Welt - also konnten sich die Gelehrten dort von niemandem etwas abschauen. Sie mussten erst Ackerwirtschaft, Arbeitsteilung, Mathematik und die Keilschrift erfinden, bevor sie mit dem Bau loslegen konnten. Die gebrannten Ziegelsteine schichteten sie wahrscheinlich mit Gerüsten auf.

Heutige Bedeutung: Die Witterung setzte den Ziegelsteinen stark zu, daher sind von den meisten Zikkuraten heute nur noch die Fundamente übrig. In der religiösen Deutung symbolisiert der Turmbau zu Babel die Anmaßung des Menschen, Gott gleichkommen zu wollen. Nach biblischer Darstellung strafte Gott die Völker deshalb mit der babylonischen Sprachverwirrung und verstreute sie über die gesamte Welt.

Pyramiden von Gizeh

Idee: Die Ägypter beteten die Sonne an, die sie für den Gott Re hielten. Diese Verehrung ging so weit, dass sie 2,5 Tonnen schwere Steinquader Hunderte Kilometer von Gizeh entfernt aus dem Fels meißelten, den Nil hoch schifften und anschließend durch die Wüste wuchteten, um ihrem Oberhaupt, dem Pharao, eine Treppe zur Sonne und damit zu ihrem Gott zu bauen.

Hindernisse: Der Transport der Steine gibt den Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Das Rad war noch nicht erfunden, daher zogen die Arbeiter die Steine wahrscheinlich auf Zugschlitten und schmierten die Kufen mit Fett ein. Ob die steinernen Ungetüme dann mit Rampen oder einem Flaschenzug gehievt wurden, ist nach wie vor unklar.

Heutige Bedeutung: Die Ehrfurcht vor dem Sonnengott hat am Nil nachgelassen; im Mittelalter missbrauchten Diebe die Cheops-Pyramide, die höchste der drei Pyramiden von Gizeh, als Steinbruch und mauerten damit ihre Häuser. Nun ist sie zehn Meter niedriger, aber mit 138 Metern nach wie vor die höchste der Welt. Anders als die Ziegelsteine der Zikkurate, überdauerte der verwendete Kalkstein die Jahrtausende.

Die chinesische Mauer

Idee: Aus Angst vor den nomadischen Stämmen des Nordens begann Qin Shihuangdi, der erste Kaiser Chinas, um das Jahr 220 vor unserer Zeitrechnung mit dem Bau eines Walls. 300 000 Arbeiter im Jahr zwang er auf brutale Weise zum Frondienst, um die 4100 Kilometer lange Grenzbefestigung aus gestampftem Lehm zu errichten. Der Einzelne zählte nichts, das große Ziel stand über allem. Mit dem Bau der bis zu neun Meter hohen Steinmauer begann der Kaiser Ming Tai-zu erst Ende des 14. Jahrhunderts. Durch ein ausgeklügeltes Frühwarnsystem mit 35 000 Wachtürmen konnten die Soldaten bei Angriffen schnell Alarm schlagen.

Hindernisse: Erst Anfang des 17. Jahrhunderts rauften sich Chinas Führungskräfte zusammen und bauten die Mauer zu einer durchgehenden Verteidigungslinie aus. Besonders schwierig für die Architekten war es, die Bergkämme in 1000 Metern Höhe zu bezwingen.

Heutige Bedeutun g: Längst hat die Chinesische Mauer jegliche militärische Bedeutung verloren. Da sie einst die Grenze zwischen dem chinesischen Reich und der Außenwelt markierte, dient sie heute als Symbol der nationalen Einheit. Bei Ausgrabungen kommen immer neue Fragmente ans Tageslicht. Neuesten Messungen zufolge hat der antike Schutzwall eine Länge von 8851,8 Kilometern, 2000 mehr, als bisher angenommen. Gemessen an Volumen und Masse ist sie damit das größte Bauwerk der Erde - vom Weltall aus kann man sie trotzdem nicht sehen.

Das erste Telegrafenkabel

Idee: Wichtige Mitteilungen passierten im Jahr 1858 zum ersten Mal in Stunden den Nordatlantik. Die Grüße von Queen Victoria an den US-Präsident James Buchanan, in elektrische Morsesignale zerstückelt, brauchten für die Reise durch die Tiefen des Ozeans 17 Stunden. Vorher waren Nachrichten verschifft worden. Die erste Leitung kam einer Nabelschnur gleich, welche die zwei Kontinente miteinander verband.

Hindernisse: Die Atlantic Telegraph Company sammelte 350 000 Britische Pfund Sterling ein, um das 4600 Kilometer lange Kupferkabel von Irland nach Neufundland zu legen. Von den Unebenheiten des Meeresbodens im Atlantischen Ozean wussten die Unternehmer nichts. Dreimal versuchten sie, ein Kabel zu verlegen. Dreimal scheiterten sie. Erst acht Jahre später verlegte der Segeldampfer "Great Eastern" das nunmehr fünfte Kabel. Es hielt den Kräften des Meeres letztlich stand.

Heutige Bedeutung: Trotz Erfindung von Satelliten werden noch heute Glasfaserkabel durch die Weltmeere verlegt. Sie übertragen Daten schneller und transportieren größere Mengen davon.

Der Panama-Kanal

Idee: Als im Jahr 1914 das erste Schiff den Panamakanal nahm, verkürzte sich der Weg von New York nach San Francisco von 21 000 auf 8000 Kilometer, da Frachter nun nicht mehr die Route um Kap Hoorn nehmen mussten.

Hindernisse: Der Franzose Graf Ferdinand de Lesseps, der auch den Suezkanal gebaut hatte, verhob sich an dem Projekt und scheiterte bei dem Versuch, die 26 Meter Höhenunterschied zwischen Atlantik und Pazifik mit Schleusen auszugleichen. Während der achtjährigen Bauzeit starben im Schnitt sieben Menschen pro Tag an Malaria. Die Kosten explodierten. Bestechung und gezielte Fehlinformation der Investoren lösten in Frankreich den größten Finanzskandal des 19. Jahrhunderts aus. Im Jahr 1889 gab die von Lesseps gegründete Panama-Gesellschaft auf.

Nachdem die USA Kolumbien unter Androhung von Gewalt gezwungen hatte, das Territorium abzutreten, riefen sie den Staat Panama aus und übernahmen den Bau zum Spottpreis von 40 Millionen Dollar. Die USA sicherten sich jedoch das Kanal-Territorium und ein Interventionsrecht durch Vertrag als Faustpfand für das politische Wohlwollen der "unabhängigen" Regierung. In der erneut achtjährigen Bauphase raffte die Malaria weiterhin fast zwei Menschen pro Tag dahin.

Heutige Bedeutung: Obwohl das Interventionsrecht bereits 1936 fiel, ließen die USA im Jahr 1989 abermals militärisch ihre Muskeln spielen, als ihnen der Präsident Manuel Noriega nicht passte. Erst zehn Jahre später zogen sie ihre Truppen ab. Seit 1999 gehört der Kanal zu Panama, seit 2007 wird er für 5,24 Milliarden Dollar ausgebaut - ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung des winzigen Landes. Im Schnitt zahlt ein Schiff 48 000 US-Dollar Gebühr, um den Kanal passieren zu dürfen.

Kampf gegen die Pocken

Idee: Luther sah die eitrigen Pocken-Pusteln als die sechste der biblischen Plagen an. Noch im Deutschland des 18. Jahrhunderts brachte das Virus einen großen Teil der Bevölkerung um; eine Heilung gibt es bis heute nicht.

Hindernisse: Die Varilation, eine Immunisierung durch das Schnupfen von zerriebenem Pockenschorf, wurde nachweislich im 11. Jahrhundert in Asien durchgeführt. In Europa blieb es hauptsächlich beim Beten um göttlichen Beistand. Die Pocken wüteten im 18. Jahrhundert schlimmer als die Pest. Im Jahr 1796 entdeckte der Engländer Edward Jenner, dass man nach einer Infektion mit Kuhpocken gegen die echten Pocken geschützt war. Nach und nach zwangen die europäischen Länder ihre Bürger, sich auf diese Weise zu schützen. Weltweit rottete die Weltgesundheitsorganisation das Virus erst aus, nachdem ein Impfstoff gefunden wurde, der den tropischen Temperaturen standhielt.

Heutige Bedeutung: Seit 1980 ist die Welt pockenfrei. Die Viren werden nur noch in wenigen Labors unter Verschluss aufbewahrt.

Erfindung des Internets

Idee: Als die Russen 1957 den ersten Satelliten ins All schossen, war dies ein Symbol für die Überlegenheit der russischen Forscher über ihre US-amerikanischen Kollegen. Um militärisch nicht ins Hintertreffen zu gelangen, gründete Präsident Dwight D. Eisenhower die Advanced Research Projects Agency (ARPA), aus dem das Arpanet hervorging. Dieser Vorläufer des Internets verband 1969 zunächst vier US-Universitäten miteinander, um die knappen Rechenressourcen bestmöglich zu nutzen. Dass die dezentrale Netzstruktur einem Atomschlag vorbeugen sollte, ist ein Gerücht.

Hindernisse: Während die Netzwerk-Technik immer weiter reifte, blieb sie lange Zeit hochkomplex und nur Programmierern zugänglich. Das änderte sich im Jahr 1989, als Tim Berners-Lee am Cern das WorldWideWeb erfand, um Untersuchungsergebnisse mit Kollegen einfacher austauschen zu können. Dies war ein Hypertext-System, mit dem man durch das Netz navigieren konnte und sich mit Links von einem Inhalt zum nächsten hangelte, statt, wie zuvor, jede Datei einzeln mit umständlichen Zahlenkombinationen aufzurufen. Das führte zum Durchbruch der Technik. Nun konnten auch Laien das Netz nutzen.

Heutige Bedeutung: Seit dem Buchdruck hat keine Erfindung die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren, so fundamental verändert. Derzeit verbindet das Datennetz weltweit zwei Milliarden Menschen. -