Partner von
Partner von

Vor allem gut gemeint

Sie haben für Tsunami-Opfer gespendet. Doch ihre Hilfe lief ins Leere. Nun wollen sie von dem Flop nichts mehr wissen. Ein Lehrstück aus Thailand.




Geisterdörfer auf Phra Thong Die Insel

Die Insel Phra Thong liegt an der Westküste Thailands, in der Andamanen-See, etwa 125 Kilometer nördlich der bekannten Ferieninsel Phuket und 50 Kilometer nördlich von Khao Lak. Sie ist 15 Kilometer lang, neun Kilometer breit und hat eine Gesamtfläche von 88 Quadratkilometern. Die Insel wurde um 1930 zuerst von Seenomaden besiedelt. Sie gehört zur Provinz Phang Nga.

Auf dem Eiland leben etwa 1100 Menschen in drei Dörfern: Pak Chok, Tha Phe Yoi und Thung Dap. Es gibt kaum Infrastruktur. Eine schmale Straße verbindet Pak Chok und Tha Phe Yoi. Es gibt keine Geschäfte, keine Restaurants, keine Bank, keine Ämter, keinen Markt und keine Tuk-Tuks, die in Thailand üblichen Motorradtaxis. Strom wird stundenweise mit Generatoren erzeugt, soweit vorhanden. Die Insel ist nur über Wasser zu erreichen. Die Überfahrt vom Festland, von der nächstgelegenen Kleinstadt Kuraburi, dauert anderthalb Stunden.

Phra Thong gilt wegen ihrer Artenvielfalt als Naturparadies. Seltene Vogel- und Orchideenarten sowie Schildkröten sind dort heimisch. Im Inland erstrecken sich weit ausgedehnte Savannen, die Ufer sind gesäumt von Palmen und Mangroven. Sümpfe und Priele reichen bis weit ins Inselinnere.

Der Boden ist sandig und salzig und für landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet. Zudem gibt es keine Süßwasserquelle. Um Gemüse oder Obst anzubauen, müssen die Menschen das Land düngen und mit aufgefangenem Regenwasser bewässern. Auf ihrem Speiseplan stehen daher in erster Linie Fisch, Meeresfrüchte sowie verschiedene haltbare Pasten aus fermentiertem Fisch oder kleinen Garnelen. Reis wird vom Festland importiert.

Der Tsunami

Ursache für die Katastrophe am 26. Dezember 2004 war ein Seebeben im Indischen Ozean. Das Epizentrum lag im sogenannten Sundagraben, 85 Kilometer vor der Nordwestküste Indonesiens. Mit einer Stärke von 9 auf der Richterskala handelte es sich um das drittstärkste je gemessene Beben. Die Flutwelle tötete in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand, Somalia, auf den Malediven und den Seychellen, in Malaysia, Myanmar, Tansania, Bangladesch und Kenia insgesamt mindestens 230 000 Menschen.

Etwa anderthalb Stunden nach dem Seebeben erreichte der Tsunami Thailands Westküste. Mit 5395 Toten war Thailand nach offiziellen Angaben das nach Indonesien, Sri Lanka und Indien am stärksten betroffene Land. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Opfer jedoch bei knapp 8000 Toten und 2500 Vermissten.

Mit Abstand am schlimmsten betroffen war die Provinz Phang Nga mit 4224 Toten und 1733 Vermissten. Die meisten Opfer waren im Feriengebiet Khao Lak zu beklagen. In Krabi gab es 721 Tote und in Phuket 279 Tote.

Gegen zehn Uhr morgens trafen drei aufeinanderfolgende Flutwellen die Insel Phra Thong. Augenzeugen berichteten, dass sich die erste Welle wie eine Explosion anhörte. Die Wassermassen erreichten eine Höhe von bis zu 20 Metern und drangen - eine Geröll- und Schlammlawine mit sich reißend - bis weit ins Inselinnere vor. Insgesamt starben 71 Menschen. Weite Teile der Insel wurden verwüstet.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe wohnten 955 Menschen dort: 409 in Tha Phe Yoi, dem ältesten, traditionellsten Dorf an der geschützten Nordostspitze der Insel; 274 im Fischerdorf Pak Chok an der am Meer liegenden Nordwestspitze; 272 in Thung Dap an der Südspitze, wo noch viele Seenomaden leben. Sie ernähren sich vom Fischfang, sind nur in der Zeit des Monsuns sesshaft und ziehen sonst mit Booten von Insel zu Insel.

Pak Chok wurde dem Erdboden gleichgemacht. 37 Menschen starben. Die Häuser des Dorfes Thung Dap an der Südküste der Insel wurden komplett zerstört oder stark beschädigt; dort starben 17 Menschen. Tha Phe Yoi erlebte dagegen nur eine ungewöhnlich starke Flut und hatte keine Todesopfer zu beklagen.

Die Spenden

Unmittelbar nach der Katastrophe brach eine nie da gewesene Welle der Hilfsbereitschaft los. Deutschland war mit großem Abstand an der Spitze der Geberländer. Die Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder spendete 500 Millionen Euro. Japan spendete beispielsweise 378 Millionen Euro und die USA 265 Millionen Euro. Hinzu kamen 670 Millionen Euro von privaten Spendern und nichtstaatlichen Organisationen.

Da Thailand um seine Kreditwürdigkeit bangte, lehnte es staatliche Finanzhilfe früh ab. Die Regierung konzentrierte sich auf die Wiederherstellung des Images als Reiseland, wobei Phuket besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Kleinere Tourismusorte wie Khao Lak erhielten weniger staatliche Finanzhilfe - obwohl die Region um ein Vielfaches stärker betroffen war.

Hilfe beim Wiederaufbau erhielten die Menschen dort vor allem von in- und ausländischen Hilfswerken. So waren beispielsweise im Distrikt Kuraburi zeitweise bis zu 50 Organisationen gleichzeitig aktiv. Auf der Insel Phra Thong waren 20 tätig, sieben davon haben sichtbare Spuren in Form von baulichen Maßnahmen hinterlassen.

Die DEZA-Häuser

Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey besuchte das Krisengebiet im Januar 2005. Zum Dank für die schnelle Rettung von Schweizer Touristen bot sie der thailändischen Regierung Hilfe beim Wiederaufbau an. Die wies der Schweiz zwei Inseln zu, um dort zu helfen: Phra Thong und Kho Khao.

Als Sofortmaßnahme spendete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), die dem Außenministerium unterstellt ist, 73 Fischerboote inklusive Netze. Zusätzlich wurde das Projekt "Rehabilitation von Fischergemeinden in Thailand" beschlossen. Laut DEZA-Unterlagen wurde es von der Humanitären Hilfe des Bundes (DEZA/HH) "in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Behörden, der Bevölkerung und Partnerorganisationen wie The World Conservation Union (IUCN) und einer ethnologischen Forschungsgruppe geplant und durchgeführt". Das Geld kam von der DEZA, der Schweizer Glückskette (eine Stiftung, die Spenden für humanitäre Projekte sammelt) sowie von Privatleuten, Firmen und Organisationen.

Als Gesamtkosten wurden 5 491 660 Schweizer Franken veranschlagt, darunter 690 000 Franken für 28 Häuser. Auf Phra Thong wurden sieben frei stehende, einsam gelegene Häuser außerhalb von Thung Dap gebaut, an Stellen, an denen auch schon vor dem Tsunami Häuser gestanden hatten. Alle sieben Häuser standen im Februar 2010 leer.

Lions Village

Für das dem Erdboden gleichgemachte Pak Chok wurde zunächst auf Geheiß der thailändischen Königsfamilie und unterstützt durch die Caritas ein Ersatzdorf auf dem Festland erbaut. Außerdem ließ Lions Clubs International etwa einen Kilometer landeinwärts eine Reihenhaussiedlung errichten. Das neue Pak Chok wird auch Baan Lions oder Lions Village genannt.

Die Siedlung besteht aus 115 baugleichen Häusern aus Beton und Holz. Etwa 50 waren im Februar 2010 bewohnt. Viele frühere Bewohner haben das Dorf nach dem Tsunami verlassen und sind nicht wieder zurückgekehrt. Andere haben ein neues Haus zwar kurzzeitig bewohnt, dann jedoch das Dorf verlassen, weil sie mit der dortigen Lebensweise nicht zurechtkamen. Und wieder andere besitzen mehrere Häuser, sowohl in Pak Chok als auch auf dem Festland.

Bauweise und Standort entsprechen nicht den Vorstellungen vieler Bewohner des früheren Pak Chok, denn als Fischer bevorzugen die meisten eine Lage direkt am Meer. Dort können sie die Gezeiten beobachten und das Boot direkt unter dem Haus festmachen. Und es weht meist ein leichter Wind, der das tropische Klima erträglich macht. Dies alles bietet das Lions Village nicht. Nun trennt die Menschen ein zehnminütiger Fußmarsch, der zu einem Priel führt, von einem Zugang zum Meer.

Die neuen Häuser taugen nur bedingt für die klimatischen Bedingungen der Insel. Sie verfügen über zu wenig Schatten spendende Dachüberstände, sind zu nah aneinander gebaut, sodass Luftzug zwischen den Häusern ausbleibt, und sie heizen sich aufgrund des verwendeten Betons und der engen Raumaufteilung tagsüber unerträglich auf. Um der Hitze dort zu entkommen, haben die Menschen aus Wellblech und Naturmaterialien Anbauten geschaffen.

Auch verfügt keines der Häuser über eine Regenrinne - obwohl Regen der einzige Süß- und Trinkwasserspender auf der Insel ist. Daher haben die Bewohner einfache Auffangbehelfe konstruiert. Die von Lions Clubs International beauftragte Baufirma hatte zudem keine Stromversorgung eingeplant. Auch dieses Manko haben die neuen Bewohner behoben. Etwa die Hälfte der Häuser ist inzwischen an Strom erzeugende Dieselgeneratoren angeschlossen. Insgesamt gibt es drei Generatoren, die zwischen 19 und 22 Uhr betrieben werden.

Um von Lions Clubs International ein Haus zu erhalten, muss lediglich eine Bedingung erfüllt sein: Man muss die thailändische Staatsbürgerschaft besitzen. So kommt es, dass die Bewohner des neuen Dorfes aus allen Teilen Thailands stammen und meist keine Tsunami-Opfer sind, während viele der ursprünglichen Dorfbewohner, für die das Ersatzdorf eigentlich gedacht war, die Insel verlassen haben. Viele sind traumatisiert und möchten nicht an den Ort der Katastrophe zurückkehren. Trotzdem ließ Lions eine zweite Siedlung - bestehend aus 50 baugleichen Häusern - errichten. Sie schließt an die erste Siedlung an und wurde im Sommer 2009 fertiggestellt. Seither steht sie leer (Stand: Februar 2010).

Die Schulen

Nach dem Tsunami wurden im neuen Pak Chok, in Thung Dap und Tha Phe Yoi Schulen gebaut. Nach Aussage des Lehrers Natapung Wungnoi gibt es auf der gesamten Insel 67 Schüler und acht Lehrer. Alle Lehrer leben in Tha Phe Yoi und haben zum Teil sehr zeitintensive Anfahrten mit Fahrrad, Moped und Boot zu ihrer jeweiligen Schule. Wungnoi unterrichtet im neuen Pak Chok sechs Schüler. Die von der DEZA mit Steuergeldern und Spenden gebaute Schule hat eine Kapazität für 120 Schüler.

Thung Dap konnte Anfang 2010 mit vier Schülern aufwarten. Auch hier baute die DEZA eine Schule, die für weitaus mehr Schüler ausgelegt ist. Diese Wiederaufbaumaßnahme wurde durch eine großzügige Spende der Deutschsprachigen Schule Bangkok (DsSB) unterstützt. Im Februar 2010 hieß es, sie soll geschlossen werden. Die Anreise des Lehrers sei zu beschwerlich und die Zahl der Schüler zu gering.

In Tha Phe Yoi finanzierte angeblich "Unilever Company Limited" den Bau einer dreistöckigen Schule mit 18 Zimmern und einem Auditorium - das geht aus einer Studie über Phra Thong aus dem Jahr 2006 hervor, die von der DEZA finanziert wurde. Demnach war die frühere Schule nicht vom Tsunami beschädigt worden, wurde aber dennoch durch die neue Schule ersetzt. Es ist die größte Schule der Insel, sie wird von etwa 50 Schülern besucht.

Gesundheitszentrum & Gemeindehallen

In Tha Phe Yoi hat die DEZA ihr Prestigeobjekt errichtet: ein zweistöckiges Gesundheitszentrum. Das überdimensionierte Gebäude beherbergt mehrere Behandlungs- und Wartezimmer. Trotz mehrmaliger Besuche war es jedoch unmöglich, dort Personal oder Patienten anzutreffen. Angeblich sollen zeitweilig zwei medizinisch geschulte Personen anwesend sein, die auch Hausbesuche in den anderen Dörfern machen. Trotz offensichtlichem Patientenmangel gibt es etliche Schilder und Tafeln im Gebäude, die penibel auf Zuständigkeiten und Konsultationszeiten hinweisen.

Im neuen Pak Chok und in Thung Dap wurden von der DEZA je ein Gemeinschaftszentrum gebaut. Die Halle im neuen Pak Chok hat eine Kapazität von 2000 Sitzplätzen. Da dort etwa zwei Drittel der von Lions Clubs International gebauten 165 Wohnhäuser leer stehen, wirkt die Größe des Gemeindezentrums absurd.

Der Pier

An einem Priel - einige Hundert Meter vom neuen Pak Chok entfernt - errichtete die DEZA einen Pier aus Beton. Er ragt wuchtig in den schmalen Wasserlauf, bietet Fischerbooten aber wenig Anlegefläche. Außerdem liegt der Pier bei Ebbe auf dem Trockenen und ist dann nicht zu benutzen. Viele Fischer landen daher ein Stück entfernt an - am Prielufer, auf dem Sandstreifen oder an kleinen, selbst gebauten Holzstegen. Hier zieht sich das Wasser auch bei Ebbe nicht so weit zurück.

Das Nachbeben

Die Hilfsgelder brachten das ökonomische Gefüge auf Phra Thong durcheinander. Die von der DEZA veranschlagten Kosten betrugen pro Wohnhaus 24 642,86 Franken. Zwei Piers und drei längere Gehwege wurden mit 1,17 Millionen Franken kalkuliert. Der durchschnittliche Nettoverdienst eines Arbeiters liegt in Thailand bei 80 Euro im Monat. Die Bewohner der armen Insel Phra Thong kommen an solch ein Einkommen nicht annähernd heran.

Die Hilfsmaßnahmen überforderten viele, riefen Neider hervor oder verführten dazu, Geld abzuzweigen. Im Jahr 2008 wurde zum Beispiel der Bürgermeister von Tha Phe Yoi ermordet. Er soll einen erheblichen Teil der Finanzhilfe für Phra Thong in sein Dorf umgelenkt haben, obwohl dieses vom Tsunami weitgehend verschont worden war. Auch er selbst soll Geld behalten haben. Bewohner der Insel erzählten mehrfach, dass er kurz vor seinem Tod in einem teuren Auto auf dem Festland gesehen wurde.

PS:

Ko Phra Thong bedeutet "Insel des Goldenen Buddha". Die Legende besagt, dass einst eine goldene Buddha-Statue auf der Insel vergraben wurde, die seither nicht mehr gefunden werden konnte. Die Einheimischen vermuten die Statue bei einem Felsen an der Westküste und verehren diesen Ort. Ein Geist, der mit mehreren kleinen Geisterhäuschen bedacht wurde, soll über die Statue wachen und Schatzsucher fernhalten.

"Ich kann mich nicht äußern" Den Spendern auf der Spur - Auszug aus dem Protokoll einer Recherche

18.2. Anruf bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Bern, Sprecherin Carole Wälti. Frage: Ist es möglich, mit der Abteilung Humanitäre Hilfe zu sprechen? Es geht um das Projekt "Rehabilitation von Fischergemeinden in Thailand", Programmbeauftragte ist nach DEZA-Unterlagen Verena Noser. Wälti sagt, Anfragen seien schriftlich einzureichen.

18.2. Anruf bei Rolf Grossenbacher, Atelier G+S, Architekt in Burgdorf, Schweiz, seit 1998 im Auftrag der DEZA mit Wiederaufbauprojekten beschäftigt, unter anderem in Phra Thong. Das geht auch aus einem von ihm verfassten Artikel in der Fachzeitschrift "TEC21" hervor ("Wieder aufbauen - und das Trauma überwinden"). Am Apparat Eliane Aebi. Sie bittet um Fragen per E-Mail, Grossenbacher sei am 21.2. zurück und werde sich dann melden.

18.2. E-Mail an die Unilever Schweiz GmbH, Communications & Public Affairs, Markus Abt, Thayngen, Schweiz. Fragen zum Bau einer Schule in Tha Phe Yoi. Laut der Studie "Turbulence on Ko Phra Thong", finanziert von der DEZA, wurde die Schule angeblich von "Unilever Company Limited" errichtet.

21.2. Antwort per E-Mail von Wälti: "Frau Noser arbeitet nicht mehr in Asia Sektion bei DEZA und ist im Moment in Urlaub. Ich habe Ihre Fragen sowieso weitergeleitet und jemand anders wird sich mit eure Anfrage kümmern."

22.2. E-Mail an Lions Clubs of Phuket Pearl, Multiple District 310, Thailand. Laut Website des Clubs waren für den Bau von Baan Lions die Takuapa Lions zuständig. Als Kontakt wird angegeben: Adrienne Tusoni. E-Mail an Tusoni.

23.2. Antwort per E-Mail von Franco Ferri, 3rd Vice President, Lions Clubs of Phuket Andaman Sea: "Bezüglich eines Kontaktes zum Lions District, welcher hoffentlich informiert ist über das von Ihnen genannte Projekt, wenden Sie sich bitte an meinen Lions-Kollegen und Club-Sekretär Thomas Gottschalk."

24.2. E-Mail an Gottschalk mit Hinweis auf die Takuapa Lions und die an Frau Tusoni geschickte E-Mail.

24.2. Antwort von Gottschalk per E-Mail: "Ich habe auch noch nie von dem von Ihnen erwähnten Bauprojekt gehört. Der Kontakt zu unserem Lions District Governor wird Ihnen nicht viel helfen, da dieser nur Thai spricht. Vielleicht kann der (die) Lions Zoneman Mrs. Vilaivan Dienel weiterhelfen."

25.2. Antwort per E-Mail von Wälti: "Vielen Dank für Ihr Interesse. Auf der Website der DEZA finden Sie umfangreiche und detaillierte Informationen ... Diesen Informationen haben wir zurzeit nichts hinzuzufügen."

28.2. E-Mail-Antwort von Abt: "Gemäß Unilever Thailand hat Unilever bei einer anderen als der von Ihnen erwähnten Schule Mittel für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt." Man könne beim dortigen Mitarbeiter Pongtip Thesaphu nachfragen.

1.3. E-Mail an Lions Zoneman Dienel mit Bitte um Kontaktaufnahme in Sachen Baan Lions.

1.3. E-Mail an Chaîne du Bonheur (Glückskette), Genf (die Glückskette hat Spenden von 2,5 Millionen Schweizer Franken zum DEZA-Budget, Projekt "Rehabilitation von Fischergemeinden ..." beigetragen). Fragen zum Kenntnisstand über das Ergebnis der Baumaßnahmen.

2.3. E-Mail von Ferri. Kommentar zu Baan Lions: "Bei erster Betrachtung schaut das Projekt eher nach einer halb kommerziellen Geschichte aus. Ich will und kann mich hierüber auch nicht äußern, da ich mit dem Projekt nicht vertraut bin."

2.3. E-Mail an Pongtip Thesaphu von Unilever Thai Trading Limited mit Hinweis auf einen Artikel in der thailändischen Zeitung "The Nation", in dem eine "Kiatpracha School" im selben Distrikt, in dem Phra Thong liegt, erwähnt wird. In dem Artikel wird Loic Tardy, Chairman of Unilever Thai Group, zitiert, der von Spenden der Firma in Höhe von 58 Millionen Baht spricht.

3.3. E-Mail von Aebi, Atelier G+S: "Besten Dank für Ihre Nachfrage. Sollten Sie an Informationen interessiert sein, wenden Sie sich bitte direkt an die DEZA."

7.3. E-Mail von Priska Spörri, Leiterin Kommunikation Glückskette: "Die Glückskette hat sich mit 1,95 Millionen Schweizer Franken (50 Prozent der direkten Investitionskosten; das Budget hatte 2,5 Millionen betragen) finanziell an diesem Projekt beteiligt. Die Situation war damals sehr komplex mit den Seenomaden, welche vor der Vertreibung (für Bau von touristischen Resorts) bewahrt werden sollten. Es war eine Investition in die Zukunft, sodass die Infrastrukturen in einer Art und Weise errichtet wurden, dass sie auch nachkommenden Generationen noch dienen sollten. Dies in der Hoffnung, dass sich die Situation vor Ort durchaus weiterentwickeln könnte. Statt dem erwarteten Wachstum der Gemeinschaft passierte das Gegenteil, was im Nachhinein vermutlich eine andere Beurteilung zulässt.

Die Glückskette hat mit den Tsunami-Geldern von 227 Millionen Franken 166 Projekte mitfinanziert. Die Lehren, die man aus gewissen Problemen, die sich gestellt haben, ziehen konnte, werden für die zukünftigen Projekte in jedem Fall hilfreich sein."

Bis einschließlich 7. März sind trotz weiterer Nachfragen keine weiteren Antworten eingegangen.

"Weitgehend sinnlos" Heinrich Wagner war Lehrer an der Deutschsprachigen Schule in Bangkok, die für den Wiederaufbau in Phra Thong gespendet hat. Auf Wunsch der Direktion sollte er vor Ort über den Verbleib der Gelder recherchieren. brand eins: Herr Wagner, was haben Sie bei Ihrem ersten Besuch auf der Insel Ko Phra Thong im Mai 2006 herausgefunden?

Heinrich Wagner: Dass dort weitestgehend am Bedarf der Menschen vorbeiinvestiert wurde. Das Geld war vorhanden, nun musste Gutes getan werden. Die Bewohner erhielten Segnungen der Zivilisation, egal, ob sie damit etwas anfangen konnten oder nicht. Und so stehen diese Dinge ungenutzt, weil überflüssig, in der Landschaft und rotten vor sich hin.

Wie reagierte die Schulleitung auf diese Erkenntnisse?

Sie entsprachen sicher nicht den Erwartungen. Allerdings hatte es sich schon herumgesprochen, dass da einiges schiefgelaufen war. Also beschränkte man sich im Wesentlichen auf die Feststellung, dass Gutes getan wurde und es nun Sache der Beschenkten sei, daraus etwas Vernünftiges zu machen.

Ohne Sie hätte Ihre Tochter nicht von Phra Thong erfahren, Ihre Tochter wiederum hat den Fall in ihrer Diplomarbeit dokumentiert. Darauf gab es bisher wohl keine großen Reaktionen?

Wer gibt schon gern zu, dass auf der Insel einiges in den schönen weißen Korallensand gesetzt wurde? Die Gelder waren schließlich erfolgreich ausgegeben und die Anschaffungen durchaus herzeigbar. Das genügt. Wenn die Insulaner damit nichts anfangen können oder wollen, so ist das deren Sache. So die Denkweise der edlen Spender.

Wem hat der Wiederaufbau genutzt?

Sicherlich dem guten Gewissen der Spender. Und natürlich einigen Baulöwen vom Festland. Die Helfer haben sich keine Gedanken gemacht, was die Erschließung der Insel überhaupt soll. Es gibt Hunderte Kilometer Küste in Thailand, die sich vom Strand der Insel kaum unterscheiden. Dort gibt es bereits Hotels, Resorts, Guesthouses und Hafenanlagen nebst Fischverarbeitung. Phra Thong eignet sich allenfalls für eine befristete Robinsonade. Eine gewaltsame Erschließung ist völlig überflüssig.

Die DEZA und ein Schweizer Architekt behaupten, die Einheimischen wurden an der Planung und Ausführung beteiligt.

Die Beteiligung der Einheimischen war - wenn überhaupt - recht verhalten. Ihr Interesse an den Bauarbeiten war jedenfalls gering. So ließen zum Beispiel die Seenomaden, die man am Bau der Betonpiste beteiligen wollte, bereits am dritten Tag wissen, dass sie Fischer und keine Straßenbauer seien, und erschienen danach nicht mehr zur Arbeit.

Ihr Fazit?

Der sogenannte Wiederaufbau ist für die Insulaner weitgehend sinnlos. Was man braucht, ist ein Holzhaus im landesüblichen Stil mit einem Dach aus Palmenblättern gegen die Sonneneinstrahlung und den gelegentlichen Regen. Wir Europäer würden sagen: "eine ärmliche Hütte". Für das Dach eignet sich auch Wellblech. Es heizt sich zwar mehr auf, ist aber haltbarer als Palmenblätter.

Gibt es keinen einzigen positiven Aspekt?

Die gespendeten Boote sind das einzig Zweckmäßige. Sie dienen der Versorgung mit Gütern vom Festland und dem Fischfang. Eine Verdienstmöglichkeit stellen sie dennoch kaum dar, da die Küstengewässer weitgehend leer gefischt sind und der Fang häufig die Kosten des Sprits nicht einbringt. Die Menschen auf Phra Thong arbeiten, um zu leben. Reichtümer wollen sie nicht erwerben. Ihre Bedürfnisse bestehen aus Essen, Trinken, einem stressfreien Leben. Die Segnungen unserer westlichen Zivilisation prallen an ihnen weitgehend ab. -

* Sie ist die Autorin der Diplomarbeit "Phra Thong - eine Post-Tsunami-Insel", die sie an der Fachhochschule Hannover im Studiengang Kommunikationsdesign 2010 verfasst hat.