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Eine Box auf großer Fahrt

Rainer Koch hat zu DDR-Zeiten Fernsehgeräte repariert. Und dann etwas erfunden, das den Containerverkehr weltweit sicherer macht.




- Er ist ein Mann der Praxis, direkt und geradeaus. Er kann sich wie ein Kind für seine CSB begeistern, die Container Security Box. "Jetzt - da isser! Hat sich gerade gemeldet. Und sehen Sie, wo er ist? An der kasachischen Grenze. Ist das nicht verrückt?" Der Container, der Ausrüstung enthält für die Isaf-Truppen in Afghanistan, hat eine SMS abgesetzt: Alles okay. Die Landkarte auf dem Bildschirm zeigt den Standort metergenau an und meldet: Der Container hat seine vorgegebene Route nicht verlassen, wurde nicht geöffnet, nicht beschädigt. Die CSB oder das Device, wie Rainer Koch, ihr Erfinder sie nennt, misst auf Wunsch auch die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Container. So kann der Logistiker schnell eine neue Ladung auf den Weg bringen, wenn die erste zu vergammeln droht.

Die schlaue Box sieht simpel aus. Das schmale, flache Basisgerät wird per Magnet zwischen den Rippen auf dem Containerdach angebracht. Ein Sensor, innen an der Tür befestigt, alarmiert die Basisstation, wenn Licht einfällt, die Tür geöffnet oder der Temperaturgrenzwert überschritten wird.

Dass Koch solch ein Gerät als Erster herausbrachte, ergab sich eher per Zufall. Der Sachse mit dem Schnurrbart, heute 64 Jahre alt, war einst jüngster Rundfunk- und Fernsehmechanikermeister - und einer der wenigen Selbstständigen in der DDR. Nach der Wende wird er der erste Funkfachhändler für Siemens in den neuen Bundesländern. Schnell dehnt er sein Geschäft auf Flottenmanagement aus.

2004 wird Koch vom Logistikkonzern Kühne+Nagel beauftragt, 250 Tabakwaren-Transporter mit einer GPS-Alarmanlage auszustatten. Beim Projektabschluss fragt man ihn, ob er das gleiche System auch für Seefrachtcontainer entwickeln könne. Ein Kunde wolle seine wertvollen Potenzpillen sicher per Schiff und Lkw nach Südamerika ausliefern.

Mit Containern hatte Koch bis dahin nie zu tun, aber er erkennt das Potenzial und denkt sich: "Nein sagen kannst du immer noch." Auf einem Lagerplatz schaut er sich Container an und markiert mangels Zollstock die Vertiefungen in den Stahlwänden auf einer Visitenkarte. Zurück in Leipzig, beginnen er und sein Techniker Wolfgang Thömel mit der Entwicklung.

Knifflig daran: Container haben keine eigene Stromversorgung und sind teils wochenlang unbeaufsichtigt unterwegs. Wie hält die Alarmanlage so lange durch? Die beiden finden eine Strom sparende Lösung: Das Gerät ist die meiste Zeit im Ruhezustand. Ohne Störungen und Zwischenfälle wacht es nur alle acht Stunden auf, bestimmt per GPS die Position und verschickt die Daten einmal täglich als SMS. Das kostet kaum Energie, und Mobilfunk gibt es fast überall. Bis zu 80 Tage bleibt die CSB aktiv. Eine Solarzelle lädt die Akkus auf.

Nach vier Monaten Bastelei präsentiert Koch einen funktionstüchtigen Prototypen auf einer Fachmesse und erhält viel Echo. Das macht ihn euphorisch, denn pro Jahr sind weltweit rund 500 Millionen Standard-Container-Einheiten auf den Meeren unterwegs. "Ein Riesenmarkt", sagt Koch. Er lässt 250 Geräte produzieren, verkauft 50 davon im September 2005 an Bosch Security Systems, das sie an Kühne+Nagel weiterreicht, für die das Unternehmen die Sicherheitslogistik bereitstellt.

Die CSB ist auf dem Markt angekommen. Erst nach und nach treten große Unternehmen wie Siemens, IBM, EADS mit ähnlichen Systemen an. Beeindruckende Wettbewerber, gleichzeitig Ausdruck für starkes industrielles Interesse. Die kleine Rainer Koch Kommunikation GmbH mit 16 Mitarbeitern sieht sich im Vorteil. Sie sei flexibler und pfiffiger, könne auf Wünsche reagieren. Ihr Gerät sei einfach, mobil und bereits erprobt. Daneben gebe es nur noch zwei weitere einsatzfähige Systeme.

Trotzdem lässt der Durchbruch auf sich warten. Neben den 50 Exemplaren, die bei Bosch in Umlauf sind, mieten Kunden das Gerät für Transporte von Luxusgütern, Hightech oder Medikamenten. Rund 1000 Aufträge seien erledigt worden, sagt Koch etwas ratlos. Denn die Käufer bleiben aus.

Lorenz Sönnichsen, als Prokurist bei Kühne+Nagel für Transportsicherheit zuständig, zweifelt nicht am Potenzial der Security Box. Das System sei sehr zuverlässig - allerdings kommen 99 Prozent der Container auch ohne Alarmanlage an. Und die CSB verursache Kosten. Zu den 2500 Euro für eine Box in der Standardausführung komme noch der Aufwand für Überwachung und die Bereitstellung von Einsatzkräften in den Häfen entlang der Transportstrecke. Andererseits ließe sich, was nicht versichert ist, durch die Box zumindest besser kontrollieren.

Also warten sie auf einen, der die Technik weltweit einsetzt, und entwickeln fleißig weiter. Ihre neue Box kann an der Tür angebracht werden, Sensorik für Chemikalientransporte ist im Test. Und es beschäftigt sie, ob es nur Zufall oder ein gutes Omen ist, dass noch kein mit CSB gesicherter Container geknackt wurde. -