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Ein Schneider in Singapur

Sein Haushalt

Max Mohan verkauft jeden Monat Maßanzüge und -hemden für durchschnittlich 95 000 Euro. Stoffe und Garn kosten gut 17 000 Euro, ebenso viel gibt er für lokale Werbung und Verkaufsreisen ins Ausland aus. Für seine fünf Schneider und anderen 25 Mitarbeiter werden 20 000 Euro an Löhnen sowie 4300 Euro für Sozialabgaben und Unfallversicherung fällig. Der Betrieb führt lediglich 11 600 Euro Steuern im Jahr ab. Das (nicht steuerpflichtige) Unternehmergehalt für Mohan und seinen Sohn beträgt 11 500 Euro im Monat. Die Familie zahlt 1965 Euro Miete, monatlich 1580 Euro Beiträge zur privaten Krankenversicherung und Altersvorsorge sowie die Studiengebühren für die Tochter in Höhe von 600 Euro. Die indonesische Hausangestellte bekommt 400 Euro. Höchster privater Kostenfaktor ist die monatliche Kredittilgung von 2000 Euro für den neuen Audi A 8.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich wollte immer einen Schneiderbetrieb haben, obwohl ich gar nicht nähen kann. Anzüge verkaufen und Menschen kleiden ist großartig. Morgens komme ich um kurz nach acht Uhr mit dem Taxi und bleibe bis 21 Uhr. Nur sonntags schließen wir schon um 19 Uhr."

Was ist das Wichtigste für Sie im Leben?

Wir Hindus werden als Geschäftsleute geboren. Geld verdienen und neue Ideen verfolgen ist für uns die größte Passion.

Was möchten Sie in Ihrem Leben ändern?

Nichts. Ich will im Laden stehen, bis ich tot umfalle. Na ja, es wäre schön, wenn ich für meine Familie an der Küste ein Haus mit Garten kaufen könnte. Wenn ich abends nach Hause käme, tobten zwei oder drei Hunde herum, und ich könnte Freunde zum Abendessen einladen und aufs Meer schauen.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Ich würde mein Geschäft gern ausweiten, finde aber keine guten Schneider und Verkäufer mehr. Die jungen Leute werden lieber Banker oder Software-Entwickler.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

In den nächsten Jahren werden wohl eine halbe Million Menschen nach Singapur ziehen. Ich investiere sämtliche Gewinne in Apartments. Die Neubürger werden nicht nur Anzüge, sondern auch Wohnraum brauchen. In den vergangenen vier Jahren habe ich sieben Wohnungen gekauft.

Was täten Sie, wenn Sie sich ein Jahr nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Ich war schon ein paar Mal geschäftlich in Europa, um Kunden zu besuchen. Ich würde dort gern einmal drei Monate mit einem Wohnwagen durch die weiten Landschaften fahren, denn das fehlt uns in Singapur. Ich bräuchte natürlich einen Fahrer, denn ich habe keinen Führerschein.

Singapur ist für die Finanzbranche attraktiv geworden. Profitiert die Bevölkerung von den neuen Investoren?

Ich finde es großartig, denn wir verdienen an ihnen viel Geld. Der Wohlstand hat aber Folgen: Die Jungen wollen nicht mehr hart arbeiten. Die halten Leute wie mich für verrückt. Es fehlen bereits Schneider, Krankenschwestern und Köche. Aber ohne harte Arbeit kann es keinen allgemeinen Wohlstand geben. ---
Republik Singapur:
Einwohner: 4,7 Millionen
Währung: Singapore Dollar (SGD) (1,73 SGD = 1 Euro)
BIP je Einwohner: 32 809 Euro
Human Development Index: Platz 27 (Deutschland: Platz 10 von 169 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Dose Cola: 0,52 Euro
1 Dose Bier: 2,31 Euro
1 Liter Benzin: 1,14 Euro
5 Kilometer im Taxi: 2,95 Euro
1 Flug nach Bali: 145 Euro
1 Maßanzug: 330 Euro
1 Maßhemd: 43 Euro