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Die Glücklichen

Noch nie hatten so viele Menschen so viel Geld, um ihre Träume zu verwirklichen und dabei Gutes zu tun. Allerdings nutzen nur wenige von ihnen ihre Chance. Hier ein paar anregende Beispiele.




I. Die Zweckoptimierer

Da saßen sie nun, die ehemaligen Besitzer der exklusiven Kin-dermode-Kette Bonpoint, im Frühjahr 2008, in ihrem neuen Pariser Stadthaus mit Garten. Noch immer waren viele Millionen Euro übrig. Marie-France und Bernard Cohen sagten sich: "Wir können hier nicht einfach mit unserem Geld hocken."

Mit Anfang 20 hatten sich der Möbeldesigner und die Mode-Verkäuferin in Paris kennengelernt. Sie heirateten und bekamen Kinder. Als Marie-France Cohen für die Söhne keine Kleidung fand, die ihr gefiel, gründete sie kurzerhand mit ihrem Mann Bonpoint. Die Kreationen entzückten erst die vornehmen Pariser und später betuchte Eltern auf der ganzen Welt. Als die drei Söhne 2003 signalisierten, dass sie das Geschäft mit mehr als 75 Filialen nicht weiterführen wollten, verkauften sie 70 Prozent ihres Unternehmens für einen, so munkelt man, achtstelligen Betrag.

Die Cohens gehören zur wachsenden Zahl der Vermögenden. Die Zahl der Dollar-Millionäre ist von 2006 bis 2009 weltweit von 8,7 auf rund zehn Millionen gestiegen. 861 500 davon leben in Deutschland. Es gibt nicht nur mehr Reiche, sie besitzen auch mehr Geld. Das Vermögen der Millionäre und Milliardäre erhöhte sich 2009 um knapp 19 Prozent auf rund 39 Billionen Dollar. Obwohl sie deutlich weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung stellen, gehören ihnen 38 Prozent des Privatvermögens auf der Welt. In Deutschland verfügen die reichsten zehn Prozent der Gesellschaft über 60 Prozent des Gesamtvermögens.

Es gibt also immer mehr Menschen, die es sich leisten könnten, in Projekte zu investieren, die keine Aussicht auf Rendite haben. Theoretisch. Praktisch sind sie daran gewöhnt, mehr zu verdienen als auszugeben. Das Vermögen vorsätzlich zu verkleinern, stand für die meisten bisher nicht auf der Agenda. Es gibt keine Studien darüber, wie leicht oder schwer es Reichen fällt, ihr Geld wieder unters Volk zu bringen. Überhaupt gibt es wenige Erhebungen über diesen Personenkreis. Doch die Tatsache, dass ihr Vermögen Jahr für Jahr wächst, deutet darauf hin, dass Geldausgeben nicht zu den einfachen Übungen gehört.

Die Cohens dachten lange darüber nach, was sie mit ihrem Geld anfangen sollten. Dabei kristallisierten sich zwei Anliegen heraus. Sie wollten Näherinnen auf Madagaskar unterstützen, die jahrzehntelang einen Großteil der Kinderkleidung für Bonpoint produziert hatten. Und sie wollten weiterhin unternehmerisch tätig sein und schöne Dinge verkaufen. So entstand die Idee des Kaufhauses Merci, wo es Designerprodukte zu kaufen gibt und dessen Gewinne nach Madagaskar gespendet werden.

"Viele Bekannte sagten damals: Ihr könnt euer Geld doch verdoppeln oder verdreifachen", sagt Marie-France Cohen und rührt die Blätter eines frischen Minzetees um. Sie sitzt im vorderen Teil des im März 2009 eröffneten Kaufhauses, gelegen am Boulevard Beaumarchais, wo das Paar eine alte Fabrikhalle kaufte. Das war ein Wagnis. Die Gegend galt als wenig schick. Im Falle eines Misserfolges hätten sie das Grundstück und die Halle nur mit großem Verlust wieder verkaufen können. Trotzdem investierten sie viele Millionen in den Umbau des Gebäudes und füllten die drei Etagen mit edlen Dingen: Mode, Möbel, Schreibwaren, Parfüms, Vasen und auch ganze Küchen. Im Keller eröffneten sie ein kleines, feines Restaurant, wo nur mit besten Zutaten gekocht wird. "Ein Ort des Lebens", so Marie-France Cohen. Die Botschaft an die Kunden: Ihr könnt Gutes tun und braucht nicht auf Luxus zu verzichten. Eine Art Manufaktum für verantwortungsbewusste Ästheten.

In kürzester Zeit verbreitete sich die Kunde von dem exklusiven Geschäft, dessen Gewinne den Armen in Afrika zugute kommen. Wohlhabende Frauen fragten an, ob sie unentgeltlich für Merci arbeiten dürften. Designer produzierten exklusive Kleidung ausschließlich für das Kaufhaus der Cohens. In der Fachpresse wurde Merci als Modell der Zukunft gefeiert. Und plötzlich galt die Gegend rund um den Boulevard Beaumarchais als hip. Immobilienmakler begannen, Ladenräume mit dem Hinweis auf die Nähe zu dem Kaufhaus anzupreisen.

Und der Zulauf hält an. Zwar sind die Eheleute noch weit entfernt davon, dass sich der Einsatz ausgezahlt hätte, aber das Kaufhaus wirft bereits Gewinn ab, und sie spenden zehn Prozent davon an die eigens gegründete Stiftung. Die Angebote der Kundinnen, für Merci kostenlos zu arbeiten, haben sie abgelehnt. Sie haben auch einen Blumenladen im Eingangsbereich wieder geschlossen, weil er sich als unrentabel erwies. Denn die Idee ist weder: schöne Dinge anbieten, egal, ob sie jemand kauft. Noch: so viel Geld wie möglich nach Madagaskar spenden.

Marie-France Cohen erinnert sich noch gut an ein Gespräch, das sie und ihr Mann kurz vor der Eröffnung mit einem befreundeten Unternehmer führten. Der habe wissen wollen, mit wie viel Profit sie rechneten, und auf die Antwort erstaunt reagiert: "Ach, so wenig?" Ob es dann nicht besser wäre, auf das Abenteuer zu verzichten? Die Cohens könnten das Geld doch anlegen und die Gewinne nach Madagaskar spenden. "Hätten die Afrikaner nicht mehr davon?", fragte der Bekannte.

"Gut möglich", antworteten ihm die Cohens. "Aber es geht auch um mehr als 60 Menschen hier in Paris, denen wir eine gute Arbeit bieten. Und es geht um uns." Nach dem Verkauf von Bonpoint habe ihnen die Arbeit gefehlt. "Wir waren selbst überrascht, wie wenig uns der materielle Wohlstand befriedigte", sagt Marie-France Cohen. Geld war immer nur Mittel zum Zweck." Und: "Uns überkam schlichtweg die Angst. Wenn wir nichts Neues erschaffen, werden wir uns erbärmlich langweilen." *

* Kurze Zeit nach dem Treffen in Paris ist Bernard Cohen überraschend gestorben. An den Plänen, Merci weiter voranzutreiben, soll der Tod ihres Mannes jedoch nichts ändern, sagt Marie-France Cohen. II. Der Talentierte

Christian Boros, 46, Inhaber der Boros Agentur für Kommunikation, drückt auf die Knöpfe der Kaffeemaschine, die sich auf einem frei stehenden Küchenblock in seiner 550 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnung befindet. Die hat er sich auf das Dach eines alten Luftschutzbunkers in Berlin-Mitte bauen lassen. Es riecht an diesem Vormittag noch nach orientalischen Gerichten - "der israelische Botschafter und der Karstadt-Investor Nicolas Berggruen waren gestern Abend zu einem Essen hier", sagt Boros, der zur Glatze einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und weiße Turnschuhe trägt. Unten auf der Reinhardtstraße tobt das ganz normale Großstadtleben, doch hier oben, auf dem Dach des Bunkers, wirkt es sehr weit weg.

Geboren in Zabrze in Polen, kam Boros mit seinen Eltern als Flüchtling nach Deutschland. Er war damals noch ein Kind, und alles, was sie in Polen besaßen - Immobilien, Einrichtungsgegenstände, Geschirr -, mussten sie zurücklassen. Neustart in einem fremden Land. Doch der Vater fand als Ingenieur schnell Arbeit, und der Sohn lernte: "Man kann alle Besitztümer verlieren, aber seine Talente hat man immer dabei."

Noch während er in Wuppertal Design studierte, gründete er seine Agentur. Mit 25 Jahren bekam er die Chance, eine Kampagne für den Musiksender Viva zu kreieren, die ihm nicht nur viele Preise einbrachte, sondern auch gutes Geld. Er nutzte es, um Anfang der Neunziger Bilder und Fotos von jungen, damals noch weitgehend unbekannten Künstlern wie Tracey Emin oder Wolfgang Tillmans zu kaufen. "Das schöne Geld, das du verdienst, verballerst du", sagten Bekannte. Doch die Kunstkäufe erwiesen sich als klug. "Mein Talent ist meine Gabe, Geld zu verdienen", sagt Boros. Hinter ihm hängt ein frühes Gemälde von Damien Hirst an der Wand, das er einst für 10 000 Pfund kaufte und dessen Wert heute auf anderthalb Millionen Euro geschätzt wird.

In den folgenden Jahren expandierte Boros nicht nur mit seiner Kommunikationsagentur, er kaufte und verkaufte auch etliche Bilder. Und weil er seine Kunstsammlung nicht einfach in Wuppertal einlagern, sondern sie einem internationalen Publikum zeigen wollte, machte er sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Als ihm jemand von dem Bunker in der Berliner Reinhardtstraße erzählte, wurde er hellhörig.

Während des Zweiten Weltkriegs bot der 1942 gebaute Koloss 2000 Menschen Schutz bei Bombenangriffen. Nach dem Kriegsende diente er der Roten Armee als Gefängnis, später, zu DDR-Zeiten, als Lager für Südfrüchte. Nach der Wende nutzten Techno-Clubs die 160 Räume. Anschließend suchte die Stadt Berlin jahrelang nach einem Käufer. Vergeblich: Trotz der zentralen Lage unweit des Regierungsviertels galt der Bunker als hochriskante Immobilie - denn niemand konnte kalkulieren, welche Folgekosten auf einen Käufer zukämen.

Boros ließ sich nicht abschrecken. Als er - von seiner Frau ermutigt - 2003 den Kaufvertrag unterschrieb, lächelte der Notar verständnislos. Von Bekannten erntete er mitleidige Blicke. Und nicht wenige hielten ihn für größenwahnsinnig.

"Ich springe, es ist dunkel, aber ich weiß, es gibt ein Netz", sagt der zweifache Vater Boros. Fünf Jahre hat der Umbau gedauert, bei dem er die Zahl der Räume von 120 auf 80 verringern ließ. Allein um ein Loch für ein Treppenhaus zu seiner Privatwohnung in die drei Meter dicke Stahlbeton-Decke zu stemmen, brauchte ein Bautrupp gut sechs Monate. "Natürlich wäre es viel günstiger gewesen, ich hätte für 500 000 Euro ein Grundstück gekauft und für 600 000 Euro eine Halle daraufgesetzt", sagt Christian Boros.

2008 eröffnete er schließlich die Kunstsammlung Boros, in der nun ein Teil seiner rund 700 Kunstwerke zu sehen ist. In kurzer Zeit entwickelte sich der Bunker zu einer kulturellen Attraktion. Es waren schon etliche Prominente da, von Madonna bis Pierce Brosnan. Und die Liste von Interessierten, die sich für einen Besuch anmelden, ist so lang, dass es zu monatelangen Wartezeiten kommt.

Von den Eintrittsgeldern könnte Boros die mehr als 30 Mitarbeiter im Bunker niemals bezahlen, sagt er. Er trauere auch der siebenstelligen Summe nicht hinterher, die er für sein Bauwerk ausgegeben hat. "Ich fühle mich umso zufriedener, je mehr ich von dem, was ich besitze, materialisiere." Sicherheit sei ihm nicht so wichtig. Als ein Versicherungsvertreter ihm mit der Warnung "Stellen Sie sich vor, bei Ihnen würde es brennen!" eine Police verkaufen wollte, habe er ihn wieder weggeschickt. Nichts von dem, was bei Boros steht oder hängt, sei versichert, sagt er. "Besitz verpflichtet, aber man sollte sich niemals von ihm seine Freiheit nehmen lassen oder durch ihn den Glauben ans eigene Talent ersetzen", sagt er. "Mein Vater wurde in Polen entlassen, weil er eine eigene Meinung hatte. Damit wir in Freiheit leben können, sind meine Eltern geflohen. Unabhängigkeit ist wichtiger als Besitz. Ich möchte vermeiden, mich zu sehr an mein Vermögen zu binden."

III. Der Bewahrer

Im Schweizer Örtchen Hinwil nahe dem Zürichsee greift Peter Sauber zum Blackberry und schaut im Kalender nach. Er will ganz genau wissen, wann der Tag war, an dem sich sein Leben veränderte. "Der Anruf aus London erreichte mich am Mittwoch, dem 25. November 2009, am späteren Abend." Gut vier Jahre war es zu diesem Zeitpunkt her, dass der heute 67-Jährige sein Sauber-Motorsport-Formel-1-Team an BMW verkauft hatte. Man hatte ihm zugesichert, den Rennstall in seinem Sinne weiterzuführen und den Standort Hinwil zu sichern. Es sei eine "optimale Lösung" für ihn gewesen.

Doch rund dreieinhalb Jahre später verkündete der Autobauer aus München überraschend, man wolle sich aus der Formel 1 zurückziehen. Ein paar Monate bemühten sich die Bayern um einen Käufer. Vergebens. Gleichzeitig drängte die Zeit, denn es war klar: Fände sich kein neuer Besitzer, wäre der Startplatz in der Formel 1 gefährdet wie auch die für jeden Rennstall überlebenswichtigen Einnahmen in Millionenhöhe aus Fernseh- und Sponsorengeldern.

Als die BMW-Manager schließlich Sauber aus London anriefen und ihm sagten, dass auch die Verhandlungen mit dem zweiten ernsthaften Interessenten gescheitert waren, wusste er: "Entweder kaufe ich jetzt mein Unternehmen zurück - oder es wird geschlossen." Seine Frau fragte er erst gar nicht um Rat, als er wenige Tage später den Kaufvertrag mit BMW unterschrieb. Sein Bruder riet ihm ab. Das Sauber-Team mit rund 260 Mitarbeitern war erleichtert, weil man sich niemand Besseren für die Führung der Firma vorstellen konnte als den neuen, alten Chef.

"Tja", sagt Sauber - Halbglatze, gestreiftes Hemd, Jeans, leichte Bräune -, der mittlerweile wieder sein altes Büro bezogen hat, in dem sein Vorgänger außer einem einzigen Bild ohnehin nichts verändert hatte: "Wirtschaftlich betrachtet hätte man das wohl eher nicht machen dürfen."

Wer, wenn nicht er, könnte das beurteilen: Geboren in Zürich, hatte sein Vater, "ein hart arbeitender, erfolgreicher Unternehmer, ein Patron und ein Vorbild", eigentlich große Pläne mit ihm. Der Junior sollte eine Ausbildung zum Elektromonteur machen, dann studieren, sich anschließend die ersten Sporen bei der Konkurrenz verdienen, um schließlich dem Vater in dessen mittelständischem Unternehmen für Elektroinstallationstechnik nachzufolgen.

Doch schon an der Fachhochschule zog der Sohn "den Stecker: Der Berg, den mein Vater aufgebaut hatte, war einfach zu hoch für mich." Stattdessen begann Sauber, VW Käfer zu tunen, und baute 1969 seinen ersten eigenen Rennwagen, mit dem er kurze Zeit später die Schweizer Sportwagen-Meisterschaft gewann. 40 Jahre im Motorsport folgten. In dieser Zeit überzeugte er unter anderem Mercedes davon, gemeinsam mit ihm wieder in den professionellen Rennsport zurückzukehren. Er arbeitete mit BMW und Ford zusammen. Und zahlreichen, später berühmten Formel-1-Piloten wie Michael Schumacher, Kimi Räikkönen oder Heinz-Harald Frentzen ermöglichte er die ersten Karriereschritte. Bis heute gilt Sauber als einer der weltweit besten Talentförderer. 2006 wurde er zum Schweizer des Jahres gekürt.

Bei rund 90 Millionen Euro liegt derzeit das Jahresbudget von Sauber Motorsport. Davon werden die Gehälter der Mitarbeiter und der beiden Fahrer bezahlt, die Konstruktion der Formel-1-Boliden und die Logistik - das ganze Team fliegt bis zu 19-mal pro Jahr rund um die Welt zu den Rennen. Zehn bis 20 Prozent des Budgets erhält der Rennstall durch die Lizenzgelder. Die restlichen 80 bis 90 Prozent müssen von Sponsoren übernommen werden.

Auch weil die Ereignisse sich vor der Saison 2010 überschlugen, konnte Sauber nicht genügend Geldgeber finden. Seine beiden Rennautos mit dem Deutschen Nick Heidfeld und dem Japaner Kamui Kobayashi am Steuer fielen auf, weil sie nicht mit Logos vollgeklebt waren. "Viele wären traurig gewesen, aber niemand hätte es mir übel genommen, wenn ich den Rennstall nicht wieder zurückgekauft hätte", sagt Sauber. "Allen war klar: Das Risiko kann man eigentlich nicht eingehen."

Er hat nach eigenen Angaben genug Geld zurückgelegt, sodass er - egal, was passiere -, weiterhin ein Leben führen kann, "so, wie es mir gefällt". Und doch bleibt die Frage: Warum hat er den Kaufvertrag unterschrieben? Vor allem, da er sich mit seiner Frau bereits in den Ruhestand verabschiedet hatte. Es ging ihm gut. Er hatte keine Langeweile.

Seine Antwort: "Man sagt ja immer schnell, es gehe einem um die Arbeitsplätze. Und natürlich ist das richtig. Doch ich bin mir sicher: Die Mitarbeiter sind so hoch qualifiziert und gut, sie hätten alle in kurzer Zeit irgendwo wieder neue Jobs gefunden."

Dann holt er aus: Dass in der Schweiz, einem Land ohne Mo-torsport-Tradition, ein Formel-1-Rennstall entstanden ist, ohne staatliche Unterstützung, sei "eigentlich ohnehin ein Wunder". Und nur möglich gewesen durch eine stetige, über Jahrzehnte andauernde Entwicklung. Diesen Prozess zu wiederholen sei unmöglich. Mit dem Aus der Sauber Motorsport AG wäre eine Kultur unwiderruflich vernichtet worden, an deren Entstehung mindestens 50 Leute Zeit ihres Lebens gearbeitet hätten. Auch das gesamte technische Know-how - "ein für alle mal weg".

"Man macht sich schuldig, wenn man diese Tür einfach zuschlägt", sagt Sauber. "Und ich weiß nicht, wie oft ich pro Woche gedacht hätte: Du hättest es doch probieren sollen." Zudem erinnere er sich noch gut, wie schwer es ihm gefallen sei, sein Studium vorzeitig zu beenden und sich gegen die Wünsche seines Vaters zu entscheiden. Anschließend habe er sich in die "eigentlich wahnsinnige Idee" mit dem Rennwagenbau in der Schweiz regelrecht verbissen. "Ich wollte beweisen: Wenn ich das Gefühl habe, ich bin nicht auf dem richtigen Weg, dann ist das keine Laune, dann ziehe ich das auch durch."

Nun habe er viel Respekt vor seiner neuen, alten Aufgabe und auch die Sorge, dass er sein Glück überstrapazieren könnte. Doch er bereue es nicht, sein Geld für den Erhalt seines Lebenswerks eingesetzt zu haben. Das Schöne sei jetzt schon, so Sauber: "Die alte Energie ist wieder vorhanden."-

Literatur Thomas Druyen: Goldkinder - Die Welt des Vermögens. Murmann, 2007; 240 Seiten; 22,50 Euro Robert Jacobi: Die Goodwill-Gesellschaft - Die unsichtbare Welt der Stifter, Spender und Mäzene. Murmann, 2009; 256 Seiten; 24,90 Euro