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Die Entfesselten

Subventionen machen unfrei. Finden jedenfalls ein Biobauer aus Leipzig, ein Opern-Intendant aus Baden-Baden und ein Familienunternehmer aus Bramsche. Zu Besuch bei drei Exoten der deutschen Wirtschaft.




- Der erste, Reinhard Sommer, 47, trägt eine grüne Latzhose, Filzpantoffeln und Rauschebart. Es ist kurz nach zwölf, Mittagspause. Seine Frau Lindela hat Eintopf gekocht - mit Gemüse aus eigenem Anbau. Die fünf Kinder sind noch in der Schule. Der zweite, Andreas Mölich-Zebhauser, 59, trägt einen schwarzen Rollkragenpullover. Er sitzt an seinem Schreibtisch, raucht eine Zigarette und liest, was die Feuilletonisten aus aller Welt über seine jüngste Inszenierung schreiben. Der dritte, Hans-Christian Sanders, 56, hat einen dunkelblauen Anzug an, mit weißem Einstecktuch aus Seide. Er kommt gerade aus Amerika zurück und ist gut gelaunt. Die Geschäfte laufen.

Sommer ist Demeter-Bauer am Stadtrand von Leipzig. Er versteht seinen kleinen Betrieb als Gegenmodell zur industrialisierten Landwirtschaft. Mölich-Zebhauser ist Intendant des Festspielhauses Baden-Baden. Glück empfinde er, wenn sich die Magie der Musik auf das Publikum übertrage. Sanders führt in vierter Generation das Familienunternehmen im niedersächsischen Bramsche. Die Firma stellt Bettwaren her. Es sei das weltweit innovativste Unternehmen der Branche, behauptet er stolz.

Drei Männer, drei Welten, eine Gemeinsamkeit: Sie sind Subventions-Verweigerer. Anders als die meisten Landwirte, fast alle Theater- und Opernbühnen und etliche mittelständische Unternehmen verschmähen sie staatliche Fördergelder. Sie haben ihre Ideale und verlassen sich lieber auf sich selbst.

Der Biobauer

Reinhard Sommer war 21 und wohnte in Dresden, als ihm das erste Mal bewusst wurde, was Unabhängigkeit bedeutet. Eigentlich wollte er nach dem Abitur Forstwirtschaft studieren, doch eine kleine Bemerkung im Zeugnis verwehrte ihm den Zugang zur Universität. "Kein gefestigter Klassenstandpunkt", hieß es da im typischen DDR-Jargon. Sommer begann eine Ausbildung zum Forstfacharbeiter. Bei einem Praktikum in einem kleinen Gärtnerbetrieb in Dresden lernte er eine neue Welt kennen. Eine Kuh sowie ein paar Schafe und Hühner versorgten die Inhaberfamilie mit Fleisch, Milch und Eiern. Das Futter für die Tiere wurde ebenso selbst erzeugt wie Gemüse, Obst und Getreide für den Eigenbedarf. Ein Betrieb, der im krassen Gegensatz stand zur intensiven Landwirtschaft der für die DDR typischen LPG.

Das Prinzip: Der Hof muss wie ein kleines eigenständiges Ökosystem funktionieren. Die Tiere produzieren den Mist, der die Felder düngt. Und dort wird genau so viel angebaut, dass Tier und Mensch ernährt werden können. "Die Eigenständigkeit und Vielfalt des Arbeitens auf diesem Hof begeisterten mich", sagt Sommer. Wenig später gehörte er zu einem kleinen Kreis von Leuten, die biologisch-dynamisches Wirtschaften, anthroposophisches Denken nach Rudolf Steiner und eine kritische Haltung gegenüber dem Staat einte.

Sommer, ein ruhiger und gutmütig aussehender Mensch, ist sich bis heute treu geblieben. Die Filzpantoffeln hat er jetzt gegen Gummistiefel eingetauscht und beschneidet die Stachelbeersträucher. Seine Frau wäscht derweil in einem Bottich Schafwolle. Kurz nach der Wende ließen sich die beiden auf dem Linke-Hof in Leipzig-Baalsdorf nieder, wo sie heute acht Hektar Pachtland bewirtschaften. Der Hof hat seinen Ursprung im Mittelalter, und heute noch hat man beim Betreten das Gefühl, in eine längst vergangene Zeit zu reisen. Auf dem Kopfsteinpflaster stehen zwei kräftige Kaltblüter, die sich von der Pflugarbeit erholen. Mit den Sommers leben ein Mitarbeiter, zwei Lehrlinge und ein Praktikant auf dem Hof. Sie wohnen in Bauwagen auf der großen Wiese hinter dem Haus. Und dann sind da noch die Milchkuh Flora samt Nachzucht, zwei Schweine, drei Mutterschafe, Kaninchen, Hühner, Tauben und Bienen. Eine Idylle wie in einem Heimatfilm.

Doch um über die Runden zu kommen, müssen die Sommers schwer schuften. Die jährlich 3000 bis 4000 Euro, die ihnen aus dem 50 Milliarden Euro schweren EU-Fördertopf für die Landwirtschaft zustünden, könnten sie eigentlich gut gebrauchen. Aber Reinhard Sommer will sie nicht. "Zu viel bürokratischer Aufwand", sagt er. Hört man ihm länger zu, offenbart sich der wahre Grund für den Verzicht: sein Misstrauen gegenüber dem Staat, das er auch nach dem Mauerfall bewahrt hat. Er empfindet seine Entscheidung, ohne Steuergeld zu wirtschaften, als "Befreiungsschlag". Er fürchtet den "drohenden Daumen der Behörden" und dass er das für fünf Jahre bewilligte Geld im Nachhinein würde zurückzahlen müssen, weil er "irgendeine wahnwitzige Auflage" nicht erfüllt habe. Vor allem will er nicht der "Unberechenbarkeit der europäischen Agrarpolitik" ausgesetzt sein.

Die folgt tatsächlich seit Jahrzehnten einem Zickzackkurs. Bis Anfang der Neunziger betrieb sie eine Politik der Preisstützung. Fiel der Marktpreis für bestimmte Agrarerzeugnisse unter einen festgesetzten Mindestpreis, kaufte die EU ihren Landwirten die Produkte ab. Das schuf den Anreiz, so viel zu produzieren wie möglich - auf Kosten der Umwelt. Butterberge und Milchseen waren die Folge.

Von 1993 an sollte ein neues Fördersystem die Agrarpreise senken, die Überproduktion eindämmen und die Umwelt schonen. Die Landwirte bekamen nun Prämien - etwa für jeden Hektar Weizen, jede Mutterkuh oder jedes Mutterschaf. Seit 2005 werden die Agrarsubventionen weitgehend unabhängig vom Erzeugnis gezahlt. Die Landwirte erhalten eine Betriebsprämie, die sich nach der Größe der Fläche richtet. Was sie damit machen, ist egal - sofern sie ein paar Tier- und Umweltschutzauflagen erfüllen und die Flächen nicht einfach zuwachsen lassen.

Mit Sommers Idee von Landwirtschaft hat diese Agrarpolitik wenig zu tun. Sie fördert ihm zufolge nicht Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit, sondern Großbetriebe mit wenig Sinn für nachhaltiges Wirtschaften.

Sommer lehnt das EU-Subventionssystem so kategorisch ab wie Kunstdünger auf dem Acker. Wenn er seine Arbeit beschreibt, fallen Begriffe wie Fruchtfolge und lebendiger Boden. Wie schafft er es, ohne staatliche Förderung über die Runden zu kommen, da doch der Deutsche Bauernverband gebetsmühlenartig wiederholt, dass das unmöglich ist?

Sommer nennt drei Gründe. Zum einen die Produktpalette. Der Hof erzeugt jährlich rund 15 Tonnen Gemüse, 12 000 Salatköpfe, eine Tonne Tafelobst, 300 Kilo Beeren und 60 Kilo Kräutertee - Waren, die sich ohne große Investitionen herstellen lassen und - gemessen an dem, was Bauern für Milch und Getreide bekommen - relativ hohe Preise erzielen. Die Gewinnmarge verbessert sich zweitens dadurch, dass die Sommers ihre Produkte nicht nur an Naturkostläden in Leipzig liefern, sondern zum Großteil direkt vermarkten. Sie haben einen eigenen Hofladen, verkaufen auf dem Markt in der Innenstadt und liefern an Abonnenten Gemüsekisten aus. Und schließlich ist der Hof so klein, dass seine Bewirtschaftung nur geringen Personaleinsatz erfordert. Die meiste Arbeit macht das Paar selbst.

Ein Modell mit Zukunft? Valentin Zahrnt ist Handels- und Agrarexperte der Brüsseler Denkfabrik European Centre for International Political Economy. Er sagt: "Neben den ganz großen haben auch viele ganz kleine Betriebe gute Überlebenschancen. Die mittleren hingegen sterben zunehmend aus." Zahrnt ist der Ansicht, dass die Landwirtschaft eigentlich auch ohne Förderung auskommen könnte. Dennoch ist er nicht für deren völlige Abschaffung. "Die Bauern sollten gezielt Geld für bestimmte Leistungen bekommen, die sonst nicht erbracht würden: etwa den Erhalt seltener Wiesenblumen oder den Schutz besonderer Vögel, die auf Wiesen brüten."

Das wäre sogar im Sinne der Sommers, die aber so oder so ihr eigenes Ding machen.

Der Opern-Intendant

Sein Ding machen, das wollte auch Andreas Mölich-Zebhauser, als er 1998 nach Baden-Baden kam. Doch er wurde böse überrascht. Der neue Mann an der Spitze des drei Monate zuvor eingeweihten Festspielhauses war Herr über eine Einrichtung, deren Insolvenz nur eine Frage der Zeit zu sein schien. Zwölf Millionen Mark Miese bekam er bei seinem Antritt als Mitgift.

Seine unmögliche Mission lautete: Das Festspielhaus schnell sanieren und auf mittlere Sicht ganz ohne öffentliche Gelder betreiben. Nach den ersten sechs Wochen wollte er bereits aufgeben. Nicht nur, dass das Festspielhaus in dem schönen Kurort an der Oos das Image eines Millionengrabs hatte. Er konnte zudem nicht einmal das von seinem Vorgänger geplante Gastspiel des St. Petersburger Mariinsky Theaters mit Chefdirigent Valery Gergiev bezahlen. "Wir hatten kaum eine Karte verkauft", sagt Mölich-Zebhauser.

Doch statt zu kapitulieren, landete er einen Coup. Zunächst fand er mit Gergievs Hilfe zwei Mäzene für das Gastspiel. Dann entschied er, den Baden-Badenern die Aufführungen zu schenken. Dank der Freikarten war das Festspielhaus zum ersten Mal bis auf letzten Platz besetzt. Mölich-Zebhauser nennt das "eine der frechsten Aktionen in der Geschichte des deutschen Kulturbetriebs". Sie habe zwar kein Geld eingebracht, aber viel Sympathie. "Der Bann war gebrochen." Der kleine grauhaarige Mann strahlt. Er hat die Geschichte schon oft erzählt, aber er wirkt dabei stolz wie ein Junge, der eine Mutprobe bestanden hat. Er ist glücklich darüber, geschafft zu haben, was kaum einer für möglich gehalten hatte: "Seit dem Jahr 2000 sind wir clean. Wir kriegen keinen Euro mehr aus öffentlichen Haushalten und sind damit in Europa das erste Opern- und Konzerthaus, das sich selbst trägt."

Dabei trägt sich auch in Baden-Baden keine Opernaufführung über den Kartenverkauf. Zwei bis drei Millionen Euro kostet eine Produktion, nur rund eine Million spielt sie wieder ein. Also müssen weitere Einnahmen her.

Zuerst empfand Mölich-Zebhauser dies als Bedrohung. Heute mache es ihm Spaß, neue Geldquellen aufzutun: "Finanzieller Druck regt die Fantasie an." Die Kollegen an den städtischen Häusern, die im Schnitt 80 Prozent ihres Etats aus öffentlichen Haushalten beziehen, beneidet er nicht. "Wir erleben es als große Freiheit, keinen nach Parteienproporz zusammengestellten Aufsichtsrat zu haben, der mitreden will, obwohl die Leute darin von der Kunst nichts verstehen." Zudem müsse man nicht ständig um seinen Etat bangen. Wie zermürbend das sein kann, zeigt der Fall Friedrich Schirmer, der vor einigen Monaten als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg zurücktrat wegen "gravierender Unterfinanzierung".

Dass man in Baden-Baden stattdessen auf private Gönner angewiesen ist, empfindet Mölich-Zebhauser als Herausforderung: "Es liegt in unserer Hand, Förderer zu gewinnen und damit unsere finanzielle Situation zu verbessern." Der Intendant hat das zur Chefsache erklärt. Die Förderer mit den größten Spendierhosen hofiert er. Trifft sie mindestens einmal im Jahr zum Abendessen, begrüßt sie bei den Premieren persönlich und stellt ihnen Künstler vor. Die Mühe zahlt sich aus: Für etwa ein Drittel des Jahresetats von 20 Millionen Euro sorgen Spender und Sponsoren.

Ein paar Geschäftsideen spülen weiteres Geld in die Kasse. Die Spitzengastronomie im Haus trägt zehn Prozent des Umsatzes bei. Es gibt ein eigenes Reisebüro, das Touristen mit Pauschalangeboten etwa für Oper, Museum und Elsass-Trip nach Baden-Baden lockt. Und dann sind da noch der Shuttle-Service aus acht Städten, die Führungen durch das Festspielhaus und der Club 300, dessen Mitglieder es sich einiges kosten lassen, um Zutritt zu den besten Plätzen im Saal und zur Vip-Lounge zu erhalten. Zudem verkauft das Festspielhaus seine Inszenierungen weiter. Die Strauss-Oper "Salome" etwa feiert im Juni in Baden-Baden Premiere und wandert dann an die Königliche Oper in Stockholm.

Auf der anderen Seite wurde an der Kostenschraube gedreht. Kürzlich haben sich Mölich-Zebhauser und sein Co-Geschäftsführer Michael Drautz das Qualitätsmanagement am Festspielhaus zertifizieren lassen. Rund hundert Abläufe, vom Kartenverkauf bis zur Künstlerbetreuung, wurden optimiert. So machen sie der öffentlich geförderten Konkurrenz vor, wie Einnahmen erhöht und Kosten gesenkt werden können.

Käme Kultur, richtig gemanagt, ganz ohne Subventionen aus? Nein, sagt Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins: "Opern und Theater haben einen öffentlichen Bildungsauftrag und sind daher ebenso zu fördern wie Schulen und Universitäten." Überdies hinke der Vergleich mit dem Festspielhaus in Baden-Baden, weil die städtischen Bühnen ein deutlich vielseitigeres Programm hätten.

Mölich-Zebhauser streitet das nicht ab, sein Konzept funktioniere unter zwei Bedingungen: Es dürfe nicht zu viele unterschiedliche Aufführungen geben, denn jedes neue Programm sei mit zusätzlichen Kosten verbunden. Und man müsse Publikumsmagneten wie Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter oder Jonas Kaufmann aufbieten, um das Haus zu füllen.

Dann sagt er, warum er trotzdem lieber in Baden-Baden als an einem der hoch subventionierten Häuser arbeite. "Ich muss hier nicht überlegen, was sich mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld machen lässt. Ich denke darüber nach, was ich machen will, und erst dann, wie ich an das nötige Geld komme."

Der Familienunternehmer

Im Hause Sanders war Geld kein Problem. Das 125 Jahre alte Unternehmen hatte eine glorreiche Vergangenheit - bis es vor zehn Jahren in die größte Krise seines Bestehens rutschte. Es sah so aus, als müsste Hans-Christian Sanders die Firma schließen. Das Geschäft des Herstellers von Stoffen und Bettdecken war dramatisch zurückgegangen, ein Großteil des Kapitals aufgezehrt. Der Grund für die Krise: die Billig-Konkurrenz in Fernost.

Heute ist die Welt am Firmensitz in Bramsche bei Osnabrück wieder in Ordnung. Die Firma wächst, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von knapp 50 Millionen Euro und schreibt seit 2006 wieder schwarze Zahlen. Sanders, so scheint es, hat in der Krise alles richtig gemacht. Damals entschloss er sich, nicht mehr nur Inlets herzustellen, das Innere der Bettwäsche, sondern ganze Kissen und Bettdecken. Zudem stellte er einen Verfahrenstechniker ein und investierte in Forschung und Entwicklung. Bis heute steht dieser Posten mit rund 500 000 Euro in den Büchern. Ungewöhnlich in der wenig innovativen Branche.

Sanders steht im Showroom. In den Händen hält er eine Bettdecke, in die 16 kleine quadratische Fenster aus löchrigem Polyester eingelassen sind. "Klimazonen sind das", sagt er und reicht dem Besucher das Objekt so vorsichtig und stolz wie eine Mutter, die ihr Baby für einen Moment einer Freundin anvertraut. Diese Decke sei "ein Quantensprung". Sie verlängere die für die Regeneration so wichtige Tiefschlafphase um bis zu 50 Prozent. Das hat der Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg für Sanders bei einer Studie in einem Schlaflabor ermittelt.

Entwickelt hat das Produkt Günter Schulz, der Verfahrenstechniker. Dieser "Querdenker", wie Sanders ihn nennt, sieht in einer Decke nicht einfach nur ein Stück Textil. Für den Ingenieur ist sie eher so etwas wie eine Membran. Und die lässt sich optimieren. Ihm war klar, dass normale Bettdecken viel zu dicht sind, um den Schweiß abzuführen, den der Körper in der Nacht abgibt. So kam er auf die Idee mit den löchrigen Polyester-Fenstern. Eine Hochschule beauftragte er damit, die für den Feuchtigkeitstransport optimale Verteilung der Fenster sowie die erforderliche Größe der Löcher zu berechnen. Ein weiteres Institut sollte Messungen an einem mit der Klimabettdecke eingehüllten Körpersimulator testen. Es folgten die Tests im Schlaflabor.

Genau das wünschen sich die Mittelstandsförderer auf Landes-, Staats- und EU-Ebene: kleine und mittlere Unternehmen, die in ihre Zukunft investieren, indem sie Forschung und Entwicklung betreiben und mit moderner Technik möglichst umweltfreundlich arbeiten. Vor allem weil der Mittelstand als Jobmotor gilt, wird er durch zinsvergünstigte Kredite, Zuschüsse und Bürgschaften kräftig subventioniert. Allein die KfW Bankengruppe vergibt jedes Jahr Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe. Und das Zentrale Innovationsprogramm (ZIM) der Bundesregierung fördert Forschungs- und Entwicklungsprojekte kleiner und mittlerer Unternehmen mit jährlich rund 400 Millionen Euro.

Auch Sanders hätte sich die Entwicklung seiner neuen Decke subventionieren lassen können. Seine Forschungsaktivitäten hätten wunderbar ins ZIM gepasst: Da er mit Forschungseinrichtungen kooperierte, hätte er sich bis zur Hälfte seiner Kosten - mehrere Hunderttausend Euro - finanzieren lassen können. Hat er aber nicht. Der Grund: Bis zu drei Jahre müsse man einplanen - von der Beantragung der Mittel bis zur fertigen Studie, so Sanders. "So viel Zeit haben wir nicht." Von der Idee bis zur Marktreife eines Produktes dürfe maximal ein Jahr vergehen.

Ein weiterer Grund: Die Förderer behalten sich meist Veröffentlichungen über die subventionierten Projekte vor. Undenkbar für Sanders: "Meine Konkurrenz soll nicht erfahren, woran wir gerade arbeiten." Aus kaufmännischer Sicht sei es sicher unklug, Geld, das man kriegen könne, nicht zu nehmen. Aber Innovationen seien nun einmal die Überlebensgarantie des Unternehmens. "Und die gibt man nicht aus der Hand." -

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