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Bio gut. Alles gut?

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln wächst stark. Die entsprechende Ackerfläche deutlich geringer. Wie kann das sein?




- Das Geschäft mit Bio boomt. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland sechs Milliarden Euro mit Lebensmitteln aus ökologischem Anbau umgesetzt - dreimal so viel wie 2000. Die Anbaufläche hat sich im gleichen Zeitraum nur verdoppelt. Dabei machten Öko-Bauern 15 bis 20 Prozent mehr Gewinn als konventionell arbeitende Erzeuger.

Warum stellen nicht mehr Landwirte um? Sind sie dumm?

Im Gegenteil: Sie können gut rechnen. Und haben erkannt, dass sich mit Bio-Masse mehr Geld machen lässt als mit Bio-Ware. Denn der Staat fördert beides. Hiltrud Nieberg, Expertin für Agrarökonomie am Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig spricht von konkurrierenden Subventionen. Die Förderung erneuerbarer Energiequellen ist deutlich lukrativer und verlässlicher. "Der Staat", sagt sie, "garantiert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz 20 Jahre lang eine feste Vergütung für Strom aus Biomasse."

Daher bauen viele Bauern lieber Mais für die Biogas-Produktion an. Freie Äcker zur Verpachtung werden knapp - und teuer. "Hier zeigt sich", so Nieberg, "dass eine aktive Bio-Förderpolitik, wie sie in Deutschland betrieben wird, durch andere Politikmaßnahmen in ihrer Wirkung begrenzt wird."

Das Geschäft machen deshalb mittlerweile Landwirte aus dem Ausland. Zahlreiche Bio-Produkte - neben Bananen, Kaffee und Tee auch Äpfel, Fleisch und Wein - werden aus der ganzen Welt importiert. Ob sie den Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung entsprechen, bleibt vielfach ungeklärt. "Um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden, sollte die EU ihrer Pflicht, die Systeme zu prüfen, stärker nachkommen", fordert Gerald Wehde vom Branchenverband Bioland.

Dass das deutsche Bauern zur Umstellung bewegt, darf bezweifelt werden - denn die ist aufwendig, teuer und dauert Jahre. In dieser Zeit kann sich in der Agrarpolitik viel ändern. -