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Retter in Not

Die nationalen Notenbanken unter Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) sollen die Stabilität des Euro garantieren. Doch die Bilanz des Eurosystems zeigt: Sie sind selbst in Gefahr.




Das Gold und die Bestände an Fremdwährungen (Position 2) zeigen, was die Zentralbanken aller Euro-Länder in ihren Tresoren horten. Interessant sind vor allem die Devisenreserven, die seit der Euro-Einführung 1999 fast unverändert blieben - ein Zeichen dafür, dass Im- und Exporte der Eurozone sich in etwa die Waage halten. Überwöge ein Warenstrom dauerhaft, nähmen die Devisenreserven deutlich zu oder ab. Als Ganzes steht Europa in dieser Hinsicht gut da. Das Problem sind die enormen Differenzen innerhalb des Euroraums.

Hier verbergen sich die Geldspritzen, mit denen die EZB die privaten Banken stützt: Kredite, die sie gegen Sicherheiten für befristete Zeiträume von bis zu drei Monaten vergibt. Theoretisch könnte sie diese Milliarden durch Nichtverlängerung der Darlehen leicht zurückholen, wollte sie Inflationsgefahren vorbeugen. Zum Teil haben die Währungshüter das auch schon getan. Die Ausleihungen waren im Sommer 2010 noch fast 80 Prozent höher. Doch mittlerweile werden bis zu 70 Prozent der Gelder regelmäßig von den gleichen angeschlagenen Instituten vorwiegend aus Südeuropa sogenannten abhängigen Banken - in Anspruch genommen. Sie wären wohl insolvent, könnten sie nicht auf das billige Zentralbankgeld zurückgreifen. Die EZB würde es also nicht wiedersehen, zumal der Wert der hinterlegten Sicherheiten - zum Großteil Staatsanleihen von Griechenland & Co. - fragwürdig ist.

Die Staatsanleihen, die die EZB von Griechenland und anderen hoch verschuldeten Euro-Staaten erwarb, um die Märkte zu beruhigen, verbergen sich hier. Sie bezahlte dafür knapp 77 Milliarden Euro. Die restlichen 60 Milliarden wurden in Pfandbriefe investiert, um nach der Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate im Herbst 2008 das Vertrauen der Anleger in diese Wertpapierart zu erhalten.

Dass die EZB die Notenpresse angeworfen hat und damit die Inflation schürt, ist ein Märchen. Der Banknotenumlauf hat sich seit der Euro-Einführung zwar verdoppelt. Doch auch die Wirtschaft wuchs, neue Euro-Länder kamen hinzu. Zudem ist der Euro als Zahlungsmittel international populär geworden. Nur im Herbst 2008 nach der Lehman-Pleite wurden tatsächlich krisenbedingt für rund 80 Milliarden Euro Scheine gedruckt, weil man befürchtete, dass Kunden aus Angst vor Bankpleiten Bargeld abheben würden. Inflationär wäre aber selbst das nicht gewesen, weil Abhebungen vom Konto die Geldmenge nicht erhöhen. Sie setzt sich aus Bargeld und kurzfristigen Bankeinlagen zusammen - steigen die Abhebungen, sinken die Einlagen.

Noch wirken die Geldspritzen der EZB nicht preistreibend, da das Geld nicht in Form von Krediten in die Realwirtschaft fließt. Es bleibt im Bankensektor. Zu erkennen ist das am stabilen Mindestreserveguthaben der Geldhäuser. Dahinter verbirgt sich ein fixer Anteil von jeder Kundeneinlage - vom Giro- bis zum Sparkonto -, den die Banken hinterlegen müssen. Vergäben sie mehr Kredite, nähme die Mindestreserve zu - denn ein Darlehen wird zunächst auf ein Konto überwiesen, bildet also eine neue Einlage. Fraglich ist, wie lange die Banken die EZB-Milliarden noch horten. Zudem droht importierte Inflation, wenn etwa höhere Rohstoffpreise hierzulande durchschlagen. Dagegen würde nur eine Zinserhöhung helfen - das ist für die EZB schon wegen der von Geldspritzen abhängigen Banken bedenklich.

Seit die EZB Anleihen hoch verschuldeter Länder kauft, befürchten Kritiker, sie verlöre ihre Unabhängigkeit, könne die Stabilität des Euro nicht mehr garantieren. Um inflationären Tendenzen vorzubeugen, nimmt die EZB daher bis heute (mit einem guten Zins als Lockmittel) jeden Monat genauso viel an Termineinlagen von Banken herein - 76 Milliarden Euro -, wie sie für die Staatsanleihen ausgegeben hat. Problematisch bleibt indes: Die Problem-Papiere stehen in den Büchern. Verluste drohen. Im Falle Griechenlands halten Experten eine Umschuldung für unvermeidlich. Bei einem Totalausfall müssten die Notenbanken 76 Milliarden Euro abschreiben. Ihr Eigenkapital beträgt nur 78 Milliarden Euro - gerade vier Prozent der Bilanzsumme. Das zeigt, dass das System für die Übernahme großer Risiken nicht konstruiert wurde - im Ernstfall gingen EZB und Notenbanken pleite. Totalausfälle mögen unwahrscheinlich sein, Abschläge von 40 oder 50 Prozent sind durchaus realistisch. Die Folge: Die Retter müssten selbst mit frischem Kapital gerettet werden - vom Steuerzahler.

Das Eurosystem besteht aus den nationalen Zentralbanken sowie der Europäischen Zentralbank in Frankfurt / Main. Alle geldpolitischen Operationen werden von diesem Verbund gemeinschaftlich durchgeführt. Deswegen gibt es eine gemeinsame Bilanz, die wöchentlich aktualisiert wird. Der entstehende Gewinn - 2,3 Milliarden Euro in 2009 - speist sich vor allem aus Zinserträgen und wird an die Notenbanken der Länder verteilt.