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Die nächste Generation

Was macht eigentlich das Silicon Valley? Einst der Ort, an dem Zukunft erdacht wurde, wirkt das Tal heute seltsam antiquiert. Die neuen Gründer zieht es nach nebenan, ins quirlige San Francisco.




- Silicon Valley. Für viele das Tal der Träume. Und zweifellos ein Ort mit ungewöhnlich hoher Millionärsdichte und entsprechenden Lebensverhältnissen. Das durchschnittliche Einfamilienhaus in San Francisco kostet 763 000 Dollar, weiter südlich im Landkreis Santa Clara - im Hinterhof von Technologieriesen wie Google, Apple, Intel und Cisco - immerhin noch 517 000 Dollar. Und auch wenn das im Vergleich zu München moderat klingen mag: Für diese Summen bekommt man im Valley kaum mehr als schlichte Holz- und Rigipshäuser, die oft weder eine Zentralheizung noch moderne Wasser- und Stromleitungen haben. Wer es sich leisten kann, steckt noch einmal eine sechsstellige Summe in die Renovierung.

Der Standort allein entscheidet über den Preis. Und der verspricht nicht nur Sonne und lässigen Lebensstil, sondern auch Jahresgehälter um die 100 000 Dollar - doppelt so viel wie das Familieneinkommen im Rest der USA. Entsprechend teuer ist das Leben in der Hightech-Hochburg mit mehr als 7,4 Millionen Einwohnern. Selbst wer nur mietet, muss sich auf im Schnitt 3000 Dollar monatlich einstellen, eine anständige Privatschule kostet schon für Erstklässler bis zu 2000 Dollar im Monat.

Wer sich das leisten kann? Hunderttausende von Ingenieuren, Programmierern, Tüftlern und Geschäftsleuten zahlen diese Eintrittsgebühr, allein um sich Zugang zum Silicon Valley zu verschaffen. "Pay to play" nennt das der Amerikaner. Er nimmt gut bezahlte Jobs bei etablierten Firmen oder kleinen Start-ups an, um entweder Karriere zu machen oder in seiner Freizeit am privaten Traum vom Erfolg zu werkeln. Viele scheitern still und heimlich. Aber was soll's? Google & Co sind doch ständig auf Akquisetour. Schließlich gehen die Pläne auch immer wieder mal auf, und in den Garagen entstehen Produkte und Firmen, die wie Unkraut zwischen den Ritzen der großen Unternehmen sprießen, sich kreuzen oder untergepflügt werden.

Die Mitte im Silicon Valley besteht aus drei Welten. Da ist das Heer der Techniker, die die Industrie- und Büroparks südlich der Stadt bevölkern und das Erbe der Rüstungs- und Mikroelektronikfirmen fortsetzen, die die Gegend zur Legende machten. Auf der anderen Seite stehen ihre hippen Kollegen, all jene Wissensarbeiter, die das Tüfteln zur neuen Kaffeehaus-Lebensart stilisieren. Und dann gibt es auch noch die Angehörigen der Mittelschicht alter Definition, die Handwerker und Dienstleister von San Francisco bis San José, die mit dem Anstieg der Lebenshaltungskosten nicht mithalten konnten und gegen den Abstieg zum schlecht bezahlten Handlanger kämpfen.

In den Vorstädten brennt immer irgendwo Licht: Hier setzt man sich nicht zur Ruhe

Über allem liegt eine brodelnde Kreativität, die zum neuen Lebensstil geworden ist. Und mit der sich durchaus Geld verdienen lässt. Der ehemalige Software-Unternehmer Jim Newton und sein Geschäftspartner Mark Hatch bauen seit 2006 eine Kette von Profi-Hobbykellern auf, die sie Techshop getauft haben. Den Anfang machte einer in Menlo Park. In einem ehemaligen Forschungsgebäude von Sun Microsystems hat das Duo Maschinen im Wert von einer halben Million Dollar installiert, vom dreidimensionalen Drucker über computergesteuerte Fräsen bis zum Plasmaschneidbrenner. "Es ist ganz einfach", schwärmt Newton. "Man geht in die Kirche, um seine Seele zu retten. Man geht zum Arzt, um sein Leben zu retten. Und zum Techshop kommst du, weil du deinen Traum verwirklichen willst."

So zahlen bislang mehr als 700 Mitglieder 1200 Dollar im Jahr, damit sie wie in einem Fitness-Club zwischen neun Uhr morgens und Mitternacht auftauchen und an Ideen schweißen, schmirgeln und bohren können. Wem die nötige Fingerfertigkeit im Umgang mit den komplizierten Maschinen fehlt, der kann einen von 75 Kursen belegen.

Wenn beim Basteln etwas herauskommt, dann bieten Newton und Hatch Büroräume oder auch Auftragsfertigung an. "Wir demokratisieren komplexe Fertigungsprozesse - das gab es zuvor schon bei Software, jetzt bei der Hardware. Das konnte man sich früher nur leisten, wenn man eine Garage hatte und sie mit teuren Geräten vollstellte", sagt Newton beim Rundgang durch seinen Bastel-Club für Erwachsene. Die Hälfte der Mitglieder sind Ingenieure, rund 70 Prozent bezeichnen sich selbst als "Mikro-Unternehmer". Und es sind keineswegs nur Männer, die im Techshop ihren Traum von der Selbstständigkeit ausleben.

Marie LaCour etwa arbeitete 14 Jahre lang als Grafik- und Webdesignerin beim örtlichen Biotech-Unternehmen Genentech, bevor sie sich mit einer Website für Babykleidung und auf dickem Schaumstoff gedruckten Einladungen für Kinderfeste selbstständig machte. Sie kommt zweimal die Woche für jeweils vier Stunden nach Menlo Park, um am Laserschneider ihre Karten in Form von Schmetterlingen, Robotern und Teddys zu bearbeiten. Rund 8000 Stück verkauft sie im Monat online, nur dank Mundpropaganda, und kann inzwischen davon so gut leben, dass sie die Fertigung ausweiten und extern vergeben will. "Die Tatsache, dass ich in dieser Gegend lebe und Zugang zu einem neuen Konzept wie dem Techshop habe, gibt mir die Chance, als Künstlerin zu arbeiten, anstatt eine neue Stelle in meinem alten Job zu suchen", sagt die Designerin.

Neben ihr werkelt Bonnie Sterngold an Messerschärfern für die Hosentasche, die sie mit Firmenlogo nach Wahl als Werbegeschenke verkauft. Sie lässt dreimal die Woche Hunderte von Laser-Gravuren im Techshop durchlaufen und bringt es nach eigenen Angaben so auf 18 000 Dollar Umsatz im Monat, ohne sich mit Mindestmengen bei einem Graveur festlegen zu müssen. Für sie geht es nicht um Innovation, sondern um die reine Kostenersparnis bei minimalen Fixkosten.

Ein paar Zimmer weiter entwickelte eine Gruppe von Stan-ford-Studenten eine Babyheizdecke für die Dritte Welt. Im Techshop haben sie den Prototypen verfeinert. Inzwischen bereiten sie mit ihrer Firma Embrace und mit Unterstützung der Clinton- und der Gates-Stiftung die Markteinführung vor.

"Wir sind keine Tüftler-Clique, sondern ein offenes Geschäftsmodell für die ganze Welt", sagt Techshop-Gründer Hatch, der vorher unter anderem die Expansion der Copyshop-Kette Kinko's verantwortete. "Wer eine Idee hat, kann loslegen - ohne großes Kapital und ohne seine Verbindungen spielen zu lassen. Das funktioniert natürlich am besten im Silicon Valley, lässt sich aber auf beliebig viele andere Orte übertragen."

Deswegen haben Hatch und Newton bereits eine noch größere Werkstatt mitten in San Francisco eingerichtet - 1700 Quadratmeter im alten Gebäude der angeschlagenen Lokalzeitung "San Francisco Chronicle" -, für die sich noch vor der Eröffnung mehr als 300 Mitglieder anmeldeten. Weitere sieben Filialen sollen in diesem Jahr folgen, in drei Jahren hoffen die Unternehmer, ihr Konzept auf 40 Standorte in den gesamten USA auszudehnen. Von internationalen Interessenten von Singapur bis Berlin ganz zu schweigen, die auf der Suche nach den neuesten Trends für die sogenannte kreative Klasse beim Techshop anklopfen.

All das passt wunderbar in die hyperaktive Atmosphäre im Silicon Valley, einer Kette von austauschbaren Vorstädten, Industriegebieten und Firmengeländen, wo irgendwo immer Licht brennt und die Monitore leuchten. Hier setzt man sich nicht zur Ruhe.

Dass dieses Leben nicht unbedingt beschaulich ist, hat der Österreicher Eric Pöttschacher festgestellt, Gründer des Kreativnetzwerkes Shapeshifters, das Fachleute weltweit an Firmenkunden vermittelt. Er verbrachte ein paar Monate in der Gegend und suchte dann ernüchtert das Weite. "Das ist eine Sorte Menschen, die sich in fensterlosen Bürozellen wohlfühlen und alles in ihre Arbeit und in ihre Firma stecken. Wenn der Laden dann verkauft wird, machen sie sich sofort ans nächste Start-up. Sonst wissen sie wohl wenig mit sich anzufangen."

Pöttschacher kam ursprünglich an die Westküste, um nach potenziellen Geldgebern zu suchen, doch die vorherrschende Mentalität der stets strebsamen Unternehmer, ob reich oder nicht, schlug ihn schnell in die Flucht. "Mir wurde in Gesprächen mit Investoren nach ein paar Tagen klar, dass es immer um zwei Dinge geht: Das Geschäft muss skalierbar sein, und der Faktor Mensch muss sich aus der Gleichung schleunigst entfernen lassen. Nur die Automatisierung im großen Maßstab hat Zukunft."

Das beste Beispiel: Facebook. Eine gewisse Entsprechung sieht Pöttschacher, dessen Firma jetzt in Wien und New York beheimatet ist (siehe brand eins 12/2006), bei den Technikern, die das Silicon Valley sieben Tage die Woche am Laufen halten: "Es läuft wie geschmiert, wenn man von einem sozialen und kulturellen Leben nach der Arbeit einmal absieht. Nach 21 Uhr ist die Gegend ausgestorben. Und das ist auch gut so, wenn man um sieben wieder am Rechner sitzen will."

Wer arbeiten und leben will, geht nach San Francisco

Das Gegenstück zu dieser von nahezu puritanischem Arbeitsethos geprägten Welt fand Pöttschacher in San Francisco. Was früher eine Hochburg der Hippies und jeder Spielart von antikommerzieller Gegenkultur war, hat sich zumindest in Teilen den Willen zum Anderssein bewahrt. Wer hier gründet und grübelt, sitzt in Cafés im Latino-Viertel Mission in einer Legebatterie aus MacBooks oder lümmelt sich zwischen Familien, Transvestiten und Obdachlosen ins Gras des Dolores Park. Die urbanen Mittelständler bewegen sich mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Carsharing. Sie rümpfen die Nase über Vorstadtmenschen, die von Lebensqualität angeblich wenig verstehen, und erzählen gern, wie viele Firmen sie im eigenen Wohnzimmer gegründet haben.

Einer von ihnen ist Phillip Bensaid. Der gebürtige Kanadier zog 1995 nach San Francisco und arbeitete erst bei Frog Design, bevor er sich 2007 selbstständig machte. "Als ich hierherkam, waren mir Fotografie, Design und Kunst wichtig. Von Technik oder dem Web hatte ich keine Ahnung. Aber man lernt mit jedem Projekt dazu und merkt irgendwann, dass man sein eigenes Ding von Anfang bis Ende durchziehen muss, wenn man mithalten will." Seitdem steht er mit einem Bein in der Unternehmenswelt, um durch einen festen, wenn auch regelmäßig wechselnden Arbeitgeber die laufenden Kosten für eine Eigentumswohnung mitten im ehemaligen Hippie-Viertel Haight Ashbury zu bezahlen. Das andere Bein tanzt in der Gründerszene.

Bensaid hat neben rund 50 Stunden offizieller Arbeitszeit stets ein, zwei Web-Projekte am Laufen, in die er abends und am Wochenende noch einmal 15 bis 20 Stunden steckt. "Geld braucht man nicht viel, nur Engagement und Kontakte. Um auf die richtigen Ideen zu kommen und die guten Leute zu treffen, muss man nahe dran sein an der Kultur, an den Kontrasten in einer Stadt. Der Standort ist ein teurer Luxus, ohne den es nicht geht", sagt der Kanadier.

Bensaid vergleicht sein Lebensmodell mit dem Portfoliomanagement eines Anlegers. "Das eine ist eine kurzfristige Geschichte, das andere eine langfristige Investition mit überschaubaren Verlusten. Wenn die Rechnung irgendwann aufgeht und aus einer Idee etwas wird, kann ich zum Beispiel die Kinder auf ein gutes College schicken. Wenn nicht", schiebt er nach, "habe ich wieder etwas dazugelernt und obendrein meinen Marktwert erhöht."

Die neue Mitte San Franciscos hangelt sich von einem Kurzzeitprojekt zum nächsten. Jeder bastelt an irgendetwas, garantiert. "Wer hier eintauchen will, muss nicht unbedingt einen formalen Abschluss vorweisen, sondern nur beweisen, dass er Ideen hervorbringen und umsetzen kann", sagt der Designer Ericson deJesus.

DeJesus machte sich nach einer Festanstellung bei Yahoo selbstständig, arbeitete zwei Jahre lang aus seinem Wohnzimmer heraus und hat nun mit seiner Firma Particle immer mehrere Eisen gleichzeitig im Feuer. Meist sind es Entwürfe für Web-Dienste, die auf eine praktische Anwendung und Kunden oder Käufer warten oder irgendwann sang- und klanglos beerdigt werden. "San Francisco ist in dieser Hinsicht eine ideale Spielwiese für alle Sorten von Talenten, von Design bis zu Marketing und Management", sagt deJesus. "Wer sich am flüssigsten kreuz und quer durch alle Disziplinen bewegt, hat Erfolg - solange er das preiswert tut und aus seinen Fehlschlägen schnell lernt."

Stillstand ist keine Option - auch nicht für die, die schon viel früher da waren

Die permanent klammen, aber stets zuversichtlichen Gründer haben ihre eigene Art, mit den Fährnissen des Lebens umzugehen. Misserfolg? Ist der Vater des Erfolgs. Hohe Lebenshaltungskosten? Sind nun mal der Preis für eine lebendige Kulturszene. Und ist es nicht ein Erfolg, dass die alten Seilschaften der Universitäten Stanford und Berkeley kaum noch eine Rolle spielen, wenn man Geld und Gehör für ein neues Projekt finden will? "Persönliche und geschäftliche Beziehungen lassen sich kaum noch unterscheiden", sagt deJesus. "Dinge passieren so unerhört schnell, da muss man sofort entscheiden und sich Leute aussuchen, die man kennt und denen man vertrauen kann." Deswegen stellt er fast immer alte Bekannte oder Freunde von Freunden ein, auch ohne renommiertes Diplom.

San Francisco hat aber nicht nur eine besondere Anziehungskraft auf viele, die auf den Erfolg hoffen: Auch die großen und erfolgreichen Social-Media-Firmen wollen dort arbeiten, wo ihre klugen Köpfe wohnen. So haben sich sowohl Twitter als auch die Spieleplattform Zynga mitten in San Francisco angesiedelt. Beide Firmen saugen Arbeitskräfte an wie früher nur Google und Facebook. So hat die noch nicht einmal vier Jahre alte Firma Zynga vor Kurzem ein Gebäude mit 25 000 Quadratmetern Bürofläche gemietet, um Platz für ihr explosives Wachstum zu haben, ohne den Kreativkorridor namens "South of Market" im Zentrum San Franciscos verlassen zu müssen. Twitter hat derweil seit Herbst 2009 seine Belegschaft auf 350 Leute verzehnfacht und ist händeringend auf der Suche nach 18 000 bis 20 000 Quadratmetern neuer Bürofläche - zur Not sogar außerhalb der Stadt.

So teilt sich die Netzgesellschaft je nach Bankkonto, Toleranz und Zweitwagen zwischen dem quirligen und stets mit dem Nahverkehrskollaps ringenden San Francisco und den ruhigen, auf Effizienz ausgerichteten Vorstadtsiedlungen auf. Dazwischen aber müssen auch all jene Auskommen und Wohnraum suchen, die in traditionellen Berufen arbeiten.

Die Facharbeiter, Handwerker, Dienstleister, die von Politikern gern als eigentliche Mittelschicht bezeichnet werden, haben es schwer. Wer als Kraftfahrzeugmechaniker, Koch oder Elektriker im Einzugsgebiet von San Francisco bis San José einigermaßen angenehm leben will, muss sich bescheiden oder Fahrzeiten von bis zu zwei Stunden aus einem der erschwinglicheren Landkreise in Kauf nehmen. Oder versuchen, in die Gehaltsklasse der Software-Geeks aufzusteigen.

Wie das gehen kann, lässt sich im Central County Occupational Center (CCOC) in San José besichtigen. Nicht weit von den Großparkplätzen und Spiegelglasbauten der einschlägig bekannten Hightech-Firmen beherbergt dieser Campus rund 2000 Studenten der elften und zwölften Klasse aus insgesamt 34 Highschools der Region. "Wir kümmern uns um Studenten, die das Zeug zum Erfolg haben, sich aber mit der klassischen Nummer von Tafel, Buch und Hinsetzen schwertun", sagt der Direktor John Fox über die Aufgabe der 40 Jahre alten Berufsvorbereitungsschule.

Wer zum CCOC geht, tut dies freiwillig und in seiner Freizeit, um seine Einstellungschancen im Valley zu erhöhen. Rund drei Dutzend Vorbereitungskurse bietet das Zentrum an, die Ausstattung reicht von der kompletten Restaurantküche und Solarinstallation bis zur Lkw-Werkstatt. Fox weiß, warum ein solch handfester Unterricht wichtiger ist denn je. "Es gibt außer uns leider nur vier weitere Zentren in ganz Kalifornien. Dabei leisten wir enorm wichtige Arbeit - zwei Drittel unserer Schüler gehen anschließend aufs College oder in die Ausbildung." Im Rest des Staates ist es ein Drittel. CCOC-Absolventen werden außerdem nicht mit dem verordneten Mindestlohn von acht Dollar abgespeist. Damit das Zentrum kein totes Wissen vermittelt, wird das Kursangebot jährlich mit externen Beratern und örtlichen Firmen von Adobe bis Intel besprochen.

"Wenn ihr euch ins Zeug legt, könnt ihr in vier, fünf Jahren bis zu 100 000 Dollar im Jahr verdienen, eine Familie ernähren und euch sogar ein Haus hier leisten", verspricht der Mechatronik-Dozent James Walker seinen Schülern, die an diesem Nachmittag an Bremsen arbeiten.

Angelica Rodriguez ist eine seiner Schülerinnen. Noch wohnt die 20-Jährige mit ihrer Großmutter und Mutter in einer kleinen Wohnung in San José. Die drei schlagen sich mit einem Fürsorgescheck von 800 Dollar und Packarbeit in einer Fabrik für 13 Dollar die Stunde durch. "Das ist meine tägliche Motivation, mich noch mehr anzustrengen", sagt Rodriguez zu ihren Plänen, als Kfz-Mechanikerin im Silicon Valley wohnen zu bleiben.

Mit Geschichten wie der, die Serientüftler Phillip Bensaid erzählt, muss sie dann leben lernen. Der kam bei einem seiner Start-ups ins Gespräch mit einem Handwerker, der einen neuen Teppich verlegte. Kurz zuvor hatte der Mann auch den Fußboden für Admob, einer kleinen Klitsche für Handywerbung schräg gegenüber, installiert. "Die hatten keine Möbel, keinen Kühlschrank, gar nichts", erzählte ihm der Teppichleger. Dann kam Google Ende 2009 und kaufte die Firma für 750 Millionen Dollar. "Sieh dir die Jungs jetzt an", erinnert sich Bensaid an die Klage des Handwerkers. "Und was mache ich?"

Das ist die Frage, die im Silicon Valley über allem schwebt. -