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Die Industrialisierung des Dschungels

Wie Henry Ford einmal versuchte, der Natur die Logik des Fließbands aufzuzwingen – und grandios scheiterte.




• Es war im Juli 1925, als Henry Ford seinen Freund Harvey Firestone zu Gast hatte, der heftig über die Briten schimpfte. Jahrzehntelang hatten die Amerikaner aus den Kolonien des Königreichs Kautschuk importiert. Doch als die Preise fielen, schmiedete der Minister Winston Churchill 1919 ein Kartell. "Was man tun kann", rief Ford, "baue deinen eigenen Kautschuk an!"

Ohne sich lange mit Ratschlägen von Experten aufzuhalten, kaufte Ford zwei Jahre später gigantische Ländereien am Amazonas und gründete eine Stadt: Fordlandia. Es war die Hölle. Unter unmenschlichen Bedingungen rodeten Arbeiter Bäume; Insekten fielen über sie her, Krankheiten rafften viele dahin. Am Kai rostete und rottete das Baumaterial in dem feuchtheißen Klima.

Der Anbau von Kautschuk entpuppte sich als Desaster. Die heimische Hevea-Art braucht Bedingungen, die dem Effizienz-Fanatiker Ford fremd waren: Sie mag weder Ordnung noch Plantagen. Trotzdem ließ er die Bäume in Reih und Glied setzen. Pilze und Insekten hatten es so leicht, von Blatt zu Blatt zu wandern. Mühsam zerquetschten, ölten, begifteten Arbeiter die Schädlinge. Aber es half nichts. Die erste Plantage musste aufgegeben werden. Die nächste wurde angelegt und ebenfalls zerfressen. Die Natur ließ sich nicht der Logik des Fließbands unterordnen.

Im September 1945 verkaufte Ford das Land, in das er 28 Millionen Dollar investiert hatte, für 244 200 Dollar an die brasilianische Regierung. Zuvor jedoch unternahm sein Sohn noch einen Versuch. "Mein lieber Harvey", schrieb er an Firestone, "haben Sie erfahren, dass wir unsere Plantage verkaufen wollen? Sind Sie interessiert?" Firestone lehnte dankend ab. Er produzierte längst Kautschuk in Liberia – und zwar in großen Mengen.

Foto: © Vincent Rosenblatt /Agencia Olhares / Picturetank /Agentur Focus