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Locker und flockig

Die Familie Kölln steht seit sechs Generationen auf Hafer, besitzt eine der ältesten Marken Deutschlands – und ist gar nicht von gestern.




• Hans Heinrich Driftmann mag's hanseatisch und empfängt in einem kapitänskajütenartig ausstaffierten Büro im Köllnflockenwerk. Dort plaudert der geschäftsführende Gesellschafter und Schwiegersohn des Firmenpatriarchen Ernsthermann Kölln aus seinem Leben. Ursprünglich hatte er Theologie studieren wollen. Ging dann aber zur Bundeswehr, die ihn zum Studium abordnete, das er mit einem Doktor in Psychologie abschloss. Später arbeitete er im Verteidigungsministerium, bis er Ende der Achtziger die Nachfolge seines Schwiegervaters im Betrieb antrat.

Nebenbei hat Driftmann eine beeindruckende Zahl Ehrenämter, unter anderem als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und Honorarkonsul von Venezuela. Sein breiter Horizont komme nicht zuletzt der Firma zugute, betont er. Und fürs Operative habe er seine Manager. Zum Beispiel Stefan Geiser, der tatsächlich Theologie studiert hat und nebenbei ehrenamtlich als Pastor arbeitet.

Die beiden sind Brüder im Geiste und guter Dinge. In den vergangenen Jahren haben sie nach intensiver Überzeugungsarbeit beim alten Kölln, der die Mehrheit der Firmenanteile hält, kräftig investiert – was sich, nach zwei Geschäftsjahren mit roten Zahlen, nun zu rentieren beginnt. So wurden das Müsli-Sortiment überarbeitet, die Werbung intensiviert und neue Produkte lanciert. Etwa ein Hafertrunk namens Smelk, der die steigende Zahl Laktose-Allergiker ansprechen soll, die keine Milch vertragen.

Als Mittelständler im beinharten Lebensmittelgeschäft hat Kölln es nicht leicht. Hinzu kommt das Rohstoff-Problem: Der Anbau von Hafer ist weltweit rückläufig, weil andere Getreidesorten für die Bauern profitabler sind. Trotz dieser Widrigkeiten haben sich Driftmann und sein Team für die Offensive entschieden. Stolz ist er auf den Zukauf der Marken Livio, Palmin und Biskin, die für Verwunderung sorgte, denn was haben Haferflocken mit Speisefetten gemein? "Das sind auch Mühlenprodukte, für die im Handel traditionell dieselben Einkäufer zuständig sind", so seine Antwort. "Deshalb ergab das Sinn." Das Olivenöl von Livio wurde von "Öko-Test" jüngst zum Testsieger gekürt. Dazu sagt er in aller Bescheidenheit: "Wir können nur Qualität."

Damit will Kölln künftig auch verstärkt im Ausland punkten. Derzeit liegt der Exportanteil unter zehn Prozent. Ein erster Versuch, in die USA zu expandieren (wo man betont deutsch auftrat: "The Umlaut Company") scheiterte, auch aus politischen Gründen: Weil sich die Bundesrepublik nicht am Golf-Krieg beteiligte, wurde zum Boykott deutscher Waren aufgerufen. Nun wagen die Elmshorner einen neuen Anlauf.

Mit ihren Produkten liegen sie gut im Wellness-Trend und regen auch den Appetit von Konzernen an. "Wir hatten in diesem Quartal schon wieder zwei Übernahmeangebote", sagt Driftmann. "Wären wir keine Familienfirma, dächten wir darüber nach." Damit andere sich keine Hoffnungen machen, hat er, wie er beiläufig erwähnt, seinen Vertrag, der eigentlich mit 65 enden sollte, gerade um fünf weitere Jahre verlängert. •

Peter Kölln baut 1820 die väterliche Grützmühle in Elmshorn, gut 30 Kilometer nordwestlich von Hamburg, aus. Die dort hergestellten Produkte sind vor allem nahrhaft: steinharter – und damit für Maden ungenießbarer – Schiffszwieback sowie Hafergrütze für die ländliche Bevölkerung. Als sich die Ernährungsgewohnheiten um die Jahrhundertwende ändern, verlegt man sich auf feinere Haferflocken, die sich besonders für kleine Kinder eignen und unter dem Namen Peter Kölln vermarktet werden. Dessen gleichnamiger Nachfahre will die Verpackungen aus Liebe zu Bayern weiß-blau gestalten. Doch weil diese Kombination bereits von BMW verwendet wird, entscheidet er sich für Hell- und Dunkelblau – bis heute die Firmenfarben. 1937 werden die "Blütenzarten Köllnflocken" als Schutzmarke eingetragen. Mit ihnen wächst das Unternehmen, das seit Mitte der siebziger Jahre auch Müsli herstellt. 2004 übernehmen die Elmshorner von Unilever unter anderem die Marken Biskin, Palmin und Livio. In den folgenden Jahren wird das Sortiment erweitert und modernisiert. Auch der Schiffszwieback ist in neuer Gestalt und mit geringerem Härtegrad wieder zu Ehren gekommen: als Kölln Cakes. Peter Kölln KGaA
Mitarbeiter: 287
Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr: 82,7 Millionen Euro
Haferbedarf pro Jahr: rund 35 000 Tonnen