Partner von
Partner von

Immer nur das eine

Die Evolutionstheorie hat eine kompakte Erklärung für menschliches Verhalten: Alles ist auf Fortpflanzung ausgerichtet. Der Philosoph Ulrich Frey erklärt, welche erstaunlichen Auswirkungen das bis heute hat - und was den Menschen immer noch mit seiner tierischen Verwandtschaft verbindet.




brand eins: Sie behaupten, alle Organismen verfolgten nur das eine Ziel - sich bestmöglich zu reproduzieren.

Ulrich Frey: Das ist eine der Kernaussagen der Evolutionstheorie.

Aber wir Menschen verfolgen doch noch andere Ziele.

Richtig. Allerdings wird man hinter vielen Zielen eine Reproduktionsstrategie finden.

Und was ist mit Verhütung? Hat der Mensch sich damit nicht vom vorgegebenen Pfad der Evolution entfernt?

In einer Hinsicht vielleicht. Doch die Partnerwahlmechanismen sind alle noch so, wie sie schon immer waren: Attraktive, erfolgreiche Männer finden öfter attraktive, erfolgreiche Partnerinnen, und umgekehrt. Die evolutionären Vorteile, die früher mit häufigeren Fortpflanzungsgelegenheiten einhergingen, haben sich mit der Erfindung der Verhütung aber möglicherweise verflüchtigt.

Es gibt auch Situationen, in denen es für Individuen schwierig ist, sich fortzupflanzen - sei es, weil die persönlichen Umstände ungünstig sind, sei es, weil es auf dem Heiratsmarkt gerade eng ist. Hier kommt es zu etwas, das bei Vögeln das "Helfer-am- Nest-Verhalten" genannt wird. Anstatt in eigene Fortpflanzung zu investieren, hilft man lieber Brüdern und Schwestern, ihre Nachkommen, mit denen man ja genetisch verwandt ist, aufzuziehen. Man macht das Beste aus einer miesen Situation.

Warum sollten wir Menschen der eigenen Fortpflanzung solche Bedeutung beimessen? Meist haben wir doch etwas ganz anderes im Kopf. Wir jagen dem Geld hinterher und wollen Spaß haben. Von einer großen Menge Nachkommen hingegen, die irgendwann in der Zukunft leben, habe ich zu Lebzeiten doch nichts.

Auch wenn der Organismus nicht überdauert: Die Gene bleiben. Und die Gene "benutzen" den Körper für ihre Interessen. Das Streben nach Besitz oder Lust sind Mechanismen, um Ziele zu erreichen, die im Sinne der Reproduktion funktional sind.

Aus Sicht der Gene wäre aber das Spiel vorbei, sobald die Familienplanung abgeschlossen ist. Am weiteren Wohlergehen des Organismus besteht für sie kein Interesse mehr. Ich als Eigentümer eines Organismus habe da aber eine andere Meinung.

Schauen Sie sich Lachse an. Lachse sterben tatsächlich, wenn sie mit der Fortpflanzung abgeschlossen haben. Oder das Spinnenmännchen, das vom Weibchen während der Paarung gefressen wird. Für die Spinnenkinder und das Weibchen ist dieses Mahl ein zusätzlicher Proteinschub, der auch der Verbreitung der Gene des Männchens hilft. Den Genen ist der Organismus also in manchen Fällen egal, sobald die Reproduktion abgeschlossen ist.

Warum ist das beim Menschen nicht so?

Bei einigen Tierarten, beispielsweise beim Elefanten oder beim Menschen, ist es von der Entwicklung her sehr aufwendig, den Körper aufzubauen. Da wäre es aus Sicht der Evolution Unsinn, diese Ressourcen zu verschleudern.

Sie sagen, der Organismus lege es darauf an, dass seine eigenen Gene Verbreitung finden. Aber werden die Gene nicht bei der Fortpflanzung ständig neu zusammengewürfelt?

Der sogenannte Gen-Egoismus findet nicht auf der Basis der gesamten Erbinformation, sondern auf Basis des einzelnen Gens statt. Das Genom eines Organismus ist wie ein großer Kompromiss aller beteiligten Gene. Da kommt es auch zu Interessenkonfliken. Zusätzlich gilt, dass nicht alles ständig komplett umgebaut wird. Wenn Organismen zu viele Mutationen zulassen, haben sie auch keine guten Karten, weil die überwiegende Zahl der Mutationen schädlich ist. Hier balancieren Organismen auf einem schmalen Grat zwischen Innovation und Instabilität.

Steuern tatsächlich immer noch die Gene den modernen Menschen?

Wenn ich in einem Vortrag erzähle, dass unsere Körper von der Evolution auf bestimmte Funktionen hin ausgelegt sind, stimmen mir 99 Prozent der Leute zu. Wenn ich zum nächsten Schritt komme, dem Verhalten, beginnen die ersten zu zögern. Und beim dritten Schritt, dem Denken, ist sich bereits die Mehrheit unsicher. Aber wir haben gute Belege dafür, dass Verhaltensweisen und Dispositionen im Gehirn auf bestimmte evolutionäre Strategien hin ausgerichtet sind. Nur funktionieren die manchmal in der heutigen Umgebung nicht mehr so richtig. Unser Verhalten ist eine Anpassung an die Umweltbedingungen unserer Vorfahren.

Zum Beispiel?

Der bekannteste Fall: Wir werden dick, weil wir gern Chips und Süßes essen, ohne aufzuhören. Die evolutionäre Erklärung dafür: In der Vergangenheit gab es Fett und Zucker fast nie im Überfluss. Folglich musste sich kein Sättigungsgefühl entwickeln. Deshalb brauchte es vor Millionen Jahren schlicht keinen Stopp-Mechanismus. Heute aber gibt es Nahrung im Überfluss. Die fehlende Bremse ist zum Problem geworden. In einigen Fällen ist es mit dem Denken ähnlich wie mit dem Essen. Experimente zeigen: Wenn ich die Theorie habe, die besagt, dass alle Bäume grün sind, dann habe ich eine Tendenz, überall weitere grüne Bäume zu sehen - statt auch einmal nach einem roten zu suchen.

Welche Vorteile bietet eine derart selektive Wahrnehmung?

Wenn man in einer Umwelt lebt, in der sehr viele Informationen auf einen einprasseln, muss man die überlebenswichtigen Hinweise erkennen. Es geht dabei nicht um Wahrheit, sondern um Tauglicheit. Wenn man von einem Hund gebissen wird, neigt man dazu, alle Hunde für bissig zu halten. Man möchte schließlich nicht noch einmal gebissen werden. Problematisch ist auch, dass man zu jeder Theorie etwas finden kann, das nicht dazu passt. Am Ende hätte man nur viele Theorien und Hypothesen - und jede mit Gegenbeispielen -, aber nichts, wonach man handeln könnte.

Von dem übergroßen Vertrauen in die eigenen Theorien liest man ja immer wieder in Börsenratgebern. "Wenn Sie jemals in den Genuss eines großen Gewinns gekommen sind, werden Sie wahrscheinlich den Rest Ihres Lebens versuchen, sich wieder dieses Hochgefühl zu verschaffen." Diese Regel stellt zum Beispiel der New Yorker Finanzexperte Jason Zweig in seinem Buch "Gier" auf. Aber: "Der Blitz schlägt nicht zweimal in denselben Baum." Deshalb: Vorsicht bei einem Wertpapier, das "einer Aktie ähnelt, mit der Sie vor langer Zeit einen fetten Gewinn gemacht haben".

Kann man sagen, dass Gene, die auf ihre eigene Vermehrung bedacht sind, vor allem egoistisch handeln? Und kann man daraus auf egoistische Individuen schlussfolgern?

Was man sagen kann: Rein altruistische Handlungen, die nur anderen zugute kommen und nur mir schaden - die wird es in der Natur nicht geben. Auch scheinbar uneigennützige Handlungen entstehen vielmehr aus dem eigenen Interesse.

Wie ist es bei sozialen Insekten, Bienen etwa oder Ameisen? Die bilden arbeitsteilige Gesellschaften, in denen es in höchstem Maße kooperativ zugeht. Wieso sollte es beim Menschen anders sein?

Tatsächlich hat man früher gedacht, dass die Erhaltung der Art, nicht die der eigenen Gene, ein Evolutionsziel sei. Auf diese Weise hat man zum Beispiel die sogenannten Kommentkämpfe bei Hirschen erklärt, die der Festlegung der Rangordnung dienen, aber nicht zu schweren Verletzungen führen. Es gibt aber Tierarten mit tödlichen Kämpfen zwischen Rivalen. Die heutige Evolutionstheorie kann das erklären: Tödliche Auseinandersetzungen finden immer dann statt, wenn es um alles oder nichts geht und der Verlierer eines Kampfes keine Chance mehr hat, sich zu reproduzieren.

Und wie ist es mit der Honigbiene, die einen Angreifer sticht, um ihr Volk zu verteidigen, selbst wenn es ihr Leben kostet? Ist das nicht ein Fall von echtem Altruismus in der Natur?

Die genetische Zukunft einer Honigbiene liegt hauptsächlich im Eierstock ihrer Königin. Insofern folgt auch das scheinbar altruistische Verhalten der Angehörigen eines Bienenvolkes dem Muster des egoistischen Gens.

Aber in Experimenten mit Menschen hat sich doch gezeigt, dass dieses Bild des von egoistischen Genen getriebenen Überlebenskämpfers übertrieben ist. Nehmen Sie die Versuche des österreichischen Ökonomen Ernst Fehr. Sie zeigen, dass die meisten von uns dazu neigen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wer entgegenkommend behandelt wird, verhält sich selbst entgegenkommend auch dann, wenn er weiß, dass dies nicht unbedingt belohnt wird. Mit wem unfair umgegangen wird, der schlägt zurück - auch wenn dies für ihn selbst mit Problemen verbunden ist.

Der wahre Egoist kooperiert. Das sieht man bereits in Schimpansengruppen. Dort kann man beobachten, wie sich einzelne Tiere gegen den einen überlegenen Rivalen verbünden. Dabei geht es für sie um den Zugang zu Weibchen. Bei Menschen gilt dies ähnlich: Oft ist es sinnvoll, langfristig zu kooperieren. Deshalb investieren sowohl Affen wie Menschen in den langfristigen Aufbau einer Reputation. Man bemüht sich, als ehrliches, kooperationsbereites Wesen zu erscheinen, weil andere dann eher in eine ertragreiche Kooperation einsteigen.

Wenn man sich vorstellt, dass die Menschen seit Jahrmillionen in Kleingruppen leben, in denen die Verwandtschaft sehr groß ist und man möglicherweise über Jahrzehnte zusammenarbeiten muss, dann sieht man ein: Es lohnt sich nicht, jemanden für einen kurzfristigen Gewinn vor den Kopf zu stoßen. Das kriege ich morgen nur wieder zurück. In Situationen wie der Börse etwa, wo Käufer und Verkäufer völlig anonym aufeinandertreffen, sind solche Mechanismen außer Kraft gesetzt. Deshalb dominiert dort der kurzfristige Gewinn und die Gier, auch wenn langfristig Werte vernichtet werden.

Wie kann man sich davor schützen, dass das eigene Entgegenkommen ausgenützt wird?

Die Evolution hat uns mit Strategien ausgestattet, um das zu testen. In der Kooperationsforschung gibt es ein Experiment, bei dem jeder einen Teil seines Spielkapitals in eine Gruppenkasse einzahlt. Die Höhe kann jeder frei bestimmen. Anfangs geben die meisten die Hälfte und warten ab, was die anderen machen. Wenn diese potenziellen Partner allerdings konstant weniger einzahlen, reduziert fast jeder seinen Einsatz - bis fast auf null.

Unsere moralischen Vorstellungen von Fairness und Gerechtigkeit fordern aber mehr, als es den anderen einfach nachzutun. Sind diese Vorstellungen dann eine Illusion?

Auf jeden Fall waren Gebote wie "Du sollst nicht töten" in ihrer Anfangsphase nicht auf die Allgemeinheit, sondern auf die eigene Gruppe bezogen. Und die Entstehung unserer Vorstellungen von Fairness und Gerechtigkeit aus dem Geben und Nehmen innerhalb der Sippe erklärt das bekannte Doppelgesicht der Moral. Innerhalb der Gruppe würde man dem anderen nie etwas zuleide tun, aber Außenstehende kann man sehr grausam behandeln.

Sollen wir daraus schließen, dass so etwas wie das Tötungsverbot eben nicht immer sinnvoll ist und wir von Fall zu Fall entscheiden sollten, ob wir uns daran halten?

Die Evolutionstheorie kann uns nicht sagen, wie wir uns moralisch verhalten sollen. Evolutionsbiologen sind lediglich skeptisch, ob es eine metaphysische Begründung der Moral ausschließlich nach den Gesetzen der Vernunft gibt, wie es die Philosophie traditionell tut. Die Wurzeln der Moral müssen in der Evolution gesucht werden. Zwar haben wir gelernt, die Regeln, die anfangs nur für die eigene Gruppe galten, auf die ganze Welt auszudehnen. Trotzdem sollten wir uns nicht wundern, wenn das nur unter großen Anstrengungen zu verwirklichen ist.

Welche Rolle spielt bei alledem die Religion?

In evolutionärer Perspektive erfüllen die Religionen verschiedene Funktionen. Neben dem Potenzial zur Welterklärung und Krisenbewältigung dienen sie vor allem auch der Kooperation. Geteilte Regeln und Rituale schaffen Gemeinsamkeit.

Braucht es dazu Religion? Ist das nicht auch ohne Gott zu haben? Auch in anderen Gemeinschaften gibt es Regeln und Rituale.

Schon. Aber es gibt Hinweise darauf, dass Dinge, die auch säkular funktionieren, unter dem Schirm der Religion sehr viel besser funktionieren. Je restriktiver die Ge- und Verbote innerhalb einer Gruppe, desto größer der Zusammenhalt.

Gott wäre dann eine nützliche Erfindung, um Kooperation noch effektiver zu machen ...

Richtig. Dafür spricht auch: Je größer und anonymer eine Gesellschaft ist, desto häufiger gibt es dort den einen und strafenden Gott. Diese Institution scheint notwendig, um die Regeln aufrechtzuerhalten.

Und wie halten Sie es selbst damit? Lassen Sie Ihre Kinder taufen?

Nein.

Wir haben über Kooperation und uneigennütziges Verhalten gesprochen. Jetzt müssen Sie mir bitte noch erklären, warum vieles in der Natur auf ungeheure Verschwendung angelegt ist. Wie verträgt sich das mit den auf Funktionalität bedachten Genen?

Die neuere Evolutionstheorie erklärt das über das Handicap-Prinzip. Organismen erlegen sich selbst eine Beschränkung auf und demonstrieren so Überlegenheit, indem gezeigt wird, wie gut man damit fertig wird. Das Pfauenmännchen zum Beispiel kann durch sein prächtiges Federkleid leichter Beute werden. Auf den ersten Blick hat es Nachteile durch seinen Schmuck. In Wirklichkeit überwiegen die Vorteile: weil die Weibchen ihn zur Reproduktion wählen - und das nicht aus ästhetischen Gründen. Mit seinem Gefieder signalisiert der Pfau gute Gesundheit. Nur ein Tier, das eine starke Immunabwehr hat und gut mit Parasiten fertig wird, kann sich ein so farbenprächtiges Federkleid leisten. Ein solches Signal können parasitenbefallene Pfauen nicht fälschen.

Und wir Menschen senden solche fälschungssicheren Signale, indem wir zum Beispiel teure Autos fahren?

Gewissermaßen. Aber Vorsicht: Nicht alles ist ein Signal. Man kann für fast jedes Phänomen eine plausible evolutionäre Erklärung erzählen - mit der Betonung auf erzählen.

Die Handicap-Theorie, von der wir gerade sprechen, ist ja auch nicht falsifizierbar.

Doch! Gute evolutionäre Erklärungen haben eine empirische Basis. Und sie machen Vorhersagen oder erklären Phänomene, die ansonsten rätselhaft geblieben wären.

Wo wollen Sie die Grenze ziehen - etwa bei Besitzern teurer Autos?

Es gibt Leute, die einen Porsche fahren, weil sie einfach gern einen Porsche fahren. Die wollen niemandem etwas zeigen. Durch ein kontrolliertes Experiment könnte man diese von anderen trennen, die den Wagen als Signal nutzen. Auf diese Weise ließen sich die unterschiedlichen Motive herausfiltern. Aber am Ende lässt sich wahrscheinlich für jedes dieser Motive eine eigene evolutionäre Erklärung finden.

Erklärung vielleicht. Aber das, worauf diese Erklärung hinausläuft - Fortpflanzungserfolg nämlich -, lässt sich gar nicht als Vergleichsgröße heranziehen, weil wir Menschen doch die Zahl unserer Nachkommen zu steuern gelernt haben.

Das war ja nicht immer so. Die Arbeitsgruppe um Professor Eckart Voland am Lehrstuhl für Biophilosophie, dem ich auch angehöre, arbeitet schon länger an der Krummhörn-Studie. Dabei werden alte Kirchenbücher untersucht, um Geburts- und Sterbedaten der Bevölkerung der Krummhörn in Ostfriesland im 18. und 19. Jahrhundert zu ermitteln. Knapp 30 000 Familien sind inzwischen im Detail erfasst. Damit führen wir statistische Analysen durch, um bestimmte Reproduktionsentscheidungen zu verstehen. Hat der Erstgeborene gegenüber dem Zweitgeborenen eine höhere Lebenserwartung? Sinkt oder steigt die Lebenserwartung eines Säuglings, wenn eine Großmutter im Haus ist?

Wieso sollte das der Fall sein?

Es gibt in der Soziobiologie die sogenannte Großmutterhypothese: Frauen nach der Menopause verbessern die Chancen ihrer Reproduktion, indem sie ihren Kindern, vor allem ihren Töchtern, bei deren Fortpflanzung helfen und sich um ihre Enkel kümmern. Mit der Krummhörn-Studie wurde dieser Effekt übrigens belegt.

Wenn die Mechanismen der Evolution trotz aller kulturellen Errungenschaften auch beim Menschen so perfekt funktionieren - was unterscheidet den Menschen dann am Ende noch vom Affen?

Der größte Unterschied ist wohl die Sprache. Sprache bewirkt den Wagenhebereffekt, weil man damit sehr einfach neue Techniken vermitteln kann. Wenn ich meinem Kind mit wenigen Worten erkläre, wie es den Hammer halten soll, muss ein Schimpansenjunges dafür Wochen oder Monate zusehen. Für gemeinsame Jagden braucht es 10 bis 20 Jahre, bis ein Schimpanse weiß, wo sein Kollege steht und was er gerade vorhat. Davon abgesehen, ermöglicht es Sprache den Menschen natürlich, auch über weite Distanzen und mit Fremden zu kooperieren.

Haben Affen, weil sie keine Sprache haben, auch keine Kultur?

Bei Affen gibt es lokale Traditionen, die auch weitergegeben werden. Aber ich will nicht die Bedeutung der Kultur für den Menschen leugnen. Als Evolutionstheoretiker betone ich jedoch: Es gibt in der Evolution keinen Fortschritt, nur fortwährende Anpassung. Wir können nicht sagen, wir seien "weiter" oder "besser" als ein Bakterium. Das gibt die Biologie nicht her - auch wenn wir diesen Eindruck haben. Wir können uns nicht als Krone der Schöpfung begreifen. -

Ulrich Frey, 35, hat in Regensburg und Freiburg Philosophie und Anglistik studiert und an der Technischen Universität Braunschweig promoviert ("Der blinde Fleck -Kognitive Fehler in der Wissenschaft und ihre evolutionsbiologischen Grundlagen"). Er forscht am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft an der Universität Giessen